Jour Fixe mit Amelie Giesemann
Im Rahmen des Jour Fixe des Wirtschaftsrates Brüssel sprach Amelie Giesemann, Leiterin des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments in Washington, D.C., zum Thema „Aktuelle Fragen des transatlantischen Verhältnisses“. Der Austausch fand als Onlineveranstaltung unter der Chatham House Rule statt.
Corinna Grajetzky, Vorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel, begrüßte die Referentin zu einem Austausch über aktuelle Fragen des Transatlantischen Verhältnisses. Frau Giesemann leitet seit September 2025 das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Washington, D.C. und begleitet in dieser Funktion die Beziehungen zwischen dem Europäischen Parlament, dem US-Kongress und dem politischen Umfeld in Washington aus nächster Nähe.
Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Einschätzung, dass sich die transatlantischen Beziehungen grundlegend verändern und voraussichtlich nicht mehr zu früheren Gewissheiten zurückkehren werden. Deutlich wurde, dass von Europa künftig mehr Eigenverantwortung erwartet wird, sowohl in der Wirtschafts- und Handelspolitik als auch in Fragen der Verteidigung und strategischen Sicherheit. Zugleich wurde betont, dass die transatlantische Partnerschaft trotz erheblicher Spannungen weiterhin unverzichtbar bleibt.
Ein besonderer Fokus lag auf der innenpolitischen Lage in den Vereinigten Staaten. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Midterm-Wahlen, wurden wirtschaftliche Themen wie Inflation, Lebenshaltungskosten, Energiepreise, Verbrauchervertrauen und soziale Unsicherheit als eine zentrale Rolle für die politische Stimmung im Land, betrachtet.
Diskutiert wurden zudem die außenpolitischen Herausforderungen der Vereinigten Staaten und ihre Auswirkungen auf Europa. Neben der Rolle der USA im Ukraine-Kontext standen insbesondere Entwicklungen im Nahen Osten, Fragen der Energieversorgung sowie die strategische Ausrichtung gegenüber China im Mittelpunkt.
Auch handelspolitische Fragen nahmen breiten Raum ein, zum Beispiel die Debatte über Zölle und kritische Rohstoffe. Dabei wurde hervorgehoben, dass Europa seine eigenen Interessen klarer, schneller und selbstbewusster vertreten müsse, ohne die Bedeutung des konstruktiven Dialogs mit den Vereinigten Staaten aus dem Blick zu verlieren.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Wahrnehmung Europas in Washington. Es wurde deutlich, dass der Austausch zwischen europäischen und amerikanischen Entscheidungsträgern weiterhin intensiv ist und auf beiden Seiten Gesprächsbereitschaft besteht. Zugleich wurde herausgearbeitet, dass politische Kommunikation in Washington zunehmend transaktional geprägt ist und Europa seine Anliegen strategisch, geschlossen und mit konkretem Mehrwert einbringen sollte.
Insgesamt verdeutlichte die Veranstaltung die Komplexität der aktuellen transatlantischen Lage. Trotz zahlreicher Unsicherheiten und politischer Spannungen wurde deutlich, dass die Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten weiterhin von großer strategischer Bedeutung sind. Entscheidend wird sein, dass Europa handlungsfähiger, geschlossener und selbstbewusster auftritt und den Dialog mit den USA auch unter veränderten politischen Vorzeichen aktiv gestaltet.