Bericht
05.03.2026
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„Öffentlicher Dienst kann Wirtschaft nicht!“

Rostocker Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger im Hintergrundgespräch mit der Sektion Rostock
©Wirtschaftsrat der CDU e.V.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen verschiedene städtische Projekte, die wirtschaftliche Situation der Stadt sowie Perspektiven für die zukünftige Entwicklung Rostocks.

Demografie und Kinderbetreuung

Eröffnendes Thema war die Entwicklung im Bereich der Kinderbetreuung. Während Rostock in der Vergangenheit mit einem Mangel an Kita-Plätzen konfrontiert war, zeichnet sich nun eine gegenteilige Entwicklung ab. Die Geburtenrate befindet sich aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Dadurch könnten künftig zu viele Kita-Plätze vorhanden sein. Bereits heute wird mit bis zu 1.800 freien Plätzen gerechnet, mit steigender Tendenz. Die Auslastung der Krippen und Kindertagesstätten könnte langfristig um bis zu 50 Prozent sinken. Für die bestehenden Kita-Gebäude müssen daher Nachnutzungskonzepte entwickelt werden. Das Engagement der Träger, gemeinsam neue Ideen für die Zukunft zu entwickeln, fällt bislang unterschiedlich aus.

Auswirkungen auf Schulen und Sportvereine

Auch das Schulsystem wird von dieser demografischen Entwicklung betroffen sein. Zwar sind die Schulen in Rostock voraussichtlich bis etwa 2033 ausgelastet, danach wird jedoch ein deutlicher Rückgang der Schülerzahlen erwartet. Aktuell gibt es 44 Schulen, von denen perspektivisch einige möglicherweise nicht mehr benötigt werden. Diese Entwicklung muss bereits heute bei Sanierungen und Neubauten berücksichtigt werden. Auch Sportvereine werden langfristig unter den sinkenden Kinder- und Jugendzahlen leiden.

260305_Kröger_Heinz.jpegFoto: Eva-Maria Kröger und Carola Heinz, Wirtschaftsrat der CDU e.V.

Wohnungsbau

Ein weiteres zentrales Thema ist der Wohnraummangel. Die Bürgerschaft hat inzwischen einen sogenannten „Bauturbo“ beschlossen. Bereits im Sommer soll der Spatenstich für das WarnowQuartier erfolgen.

Trotzdem fehlen in Rostock weiterhin viele Wohnungen. Zwar existieren Bebauungspläne für rund 2.500 Wohnungen, doch viele Projekte werden aktuell nicht umgesetzt, weil die Baukosten zu hoch sind. In der öffentlichen Wahrnehmung steht dennoch häufig die Kommune in der Kritik, da die Wohnungswirtschaft sie als zentrale Ansprech- und Reibungsfläche wahrnimmt.

Von dieser Situation profitieren zunehmend umliegende Orte wie Bad Doberan und Kröpelin, die vom Wohnungsdruck in Rostock profitieren.

Infrastruktur: Vorpommernbrücke / ÖPNV

Ein wichtiges Infrastrukturprojekt für die Region ist die Vorpommernbrücke. Die Bürgerschaft hat während ihrer Sitzung im Dezember 2025 den Weg frei gemacht für die Planungen zum langfristigen Ersatz der Vorpommernbrücke. Geplant ist es, zunächst eine Behelfsbrücke zu errichten und parallel die bestehende Brücke abschnittsweise zu sanieren. Im Anschluss wird geprüft, ob es sinnvoll ist, beide Brücken nach Fertigstellung dauerhaft parallel zu nutzen.

Auch die Modernisierung des ÖPNV stellt eine große Herausforderung dar. Neben der schwierigen Personalsuche sind vor allem die hohen Investitionskosten ein Problem: Neue Straßenbahnen kosten zwischen 3 und 5 Millionen Euro pro Fahrzeug. Daher wird diskutiert, den bestehenden Fahrzeugbestand stärker zu modernisieren und den Ausbau des ÖPNV mit Augenmaß voranzutreiben.

„Öffentlicher Dienst kann Wirtschaft nicht!“

Ein besonders kritischer Punkt der Oberbürgermeisterin betraf die Funktionsweise des öffentlichen Dienstes. „Öffentlicher Dienst kann Wirtschaft nicht!“. Sie schilderte, dass wirtschaftliche Dynamik innerhalb der Verwaltung häufig schwer zu erreichen sei. Mitarbeitende seien häufig dauerhaft angestellt und arbeiteten in festen Strukturen, wodurch intrinsische Motivation zur aktiven Weiterentwicklung der Stadt teilweise fehle. Auch in Bereichen wie der kommunalen Wirtschaftsförderung entstehe dadurch mitunter der Eindruck mangelnder Dynamik. Sobald Prozesse staatlich organisiert seien, würden sie häufig langsam, komplex und bürokratisch. Eine übergreifende Wirtschaftsstrategie fehle. Sowohl Oberbürgermeister als auch Wirtschaftsministerien stießen oft an Grenzen der eigenen Verwaltung. „80 Prozent des Tagesgeschäfts ist ein Tanz mit der eigenen Administration.“

Gleichwohl betonte der Wirtschaftsrat mit der Sektionssprecherin Carola Heinz den Anspruch, die wirtschaftliche Perspektive Rostocks positiv weiterzuentwickeln und Themen der Wirtschaftsförderung aktiv voranzubringen.