Bericht
22.04.2026
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Tradition trifft Herausforderungen

Betriebsbesuch bei der Bäckerei Krämer in Stralsund
©Wirtschaftsrat der CDU e.V.

Die Bäckerei Krämer, ein Familienunternehmen in der vierten Generation mit rund 40 Mitarbeitern und drei Filialen in Stralsund, bietet nicht nur handwerklich gefertigte Backwaren, sondern steht auch vor wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen. Im Rahmen eines Frühstückstermins der Sektion Vorpommern-Stralsund mit anschließender Betriebsbesichtigung berichtet der Inhaber Martin Krämer über die lokale Verbundenheit seines Unternehmens sowie über die aktuellen Herausforderungen.

Die Produkte werden nach traditionellen Familienrezepten hergestellt – der Sauerteig wird bereits seit über 90 Jahren weitergeführt. Verarbeitet werden hauptsächlich regionale Rohstoffe: Jede Woche werden rund 14 Tonnen Mehl von der Oderland Mühle sowie Poseritzer Eier und Milch verarbeitet. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Nicht verkaufter Kuchen wird zu Rumkugeln verarbeitet, die örtliche Fleischerei erhält die Semmelbrösel zur Zubereitung ihrer Schnitzel, und überschüssige Lebensmittel werden über Plattformen wie „Too Good To Go“ weitergegeben. Zu den Großkunden vor Ort zählen die Helios-Kliniken und die Justizvollzugsanstalt. Zudem versorgt der eigene Verkaufsbus die umliegenden Orte und Märkte.

Trotz aller Bemühungen kämpft das Unternehmen mit den aktuellen Herausforderungen, um eine erfolgreiche Zukunft zu sichern.

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Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V.

Die komplexen Vorschriften und der hohe administrative Aufwand sind für kleine Unternehmen wie die Bäckerei Krämer eine große Belastung. Martin Krämer kritisiert den bürokratischen Aufwand, der oft nicht im Verhältnis zu den tatsächlichen Risiken steht. So muss unter anderem eine elektronische Registrierkasse mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) betrieben werden, während gleichzeitig Tagesabschlussbelege (Z-Bons) und ein Kassenbuch geführt werden – „Es wird alles dreifach erfasst!“, so Krämer. Auch die steigenden Energiekosten belasten die Bäckerei stark. Trotz Investitionen in Energieeffizienz bleibt der Druck auf die Kostenstruktur hoch.

Die Fachkräftesituation stellt eine der größten Herausforderungen dar. Es fehlt an qualifizierten Bäckern und Fachkräften. Landesweit gibt es insgesamt 14 Auszubildende im Bäckerhandwerk, und die Bäckerei Krämer konnte einen Auszubildenden aus Vietnam gewinnen. Allerdings stellt der lange Weg zur Berufsschule nach Torgelow (über 2,5 Stunden pro Weg mit dem ÖPNV) eine erhebliche Hürde dar. Digitale oder hybride Ausbildungsmodelle sind bislang nicht verfügbar. „Die Anerkennung des Handwerks muss gestärkt werden“, fordert Krämer.

Fazit: Zuversicht trotz Herausforderungen

Trotz der vielen Herausforderungen bleibt die Bäckerei Krämer zuversichtlich. Der Fokus liegt auf Regionalität, Nachhaltigkeit und der Ausbildung von Fachkräften. Nur so kann die Handwerkskunst auch in Zukunft erhalten bleiben. Die Steuerpolitik und regulatorische Hürden erschweren jedoch die Arbeit von kleinen Betrieben. „Es ist wichtig, dass die Politik flexiblere Regelungen für die kleine und mittlere Wirtschaft schafft“, fordert auch die Sektionssprecherin Anja Schurich.

Innovation und Tradition müssen im Einklang mit der Politik weiterentwickelt werden, damit Handwerksbetriebe auch in Zukunft eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft spielen.