Zwischen knappen Kassen und großen Vorhaben
Wie groß der Handlungsdruck in den Kommunen inzwischen ist, wurde beim Hintergrundgespräch der Sektion Vorpommern-Stralsund mit Landrat Dr. Stefan Kerth deutlich. Der Verwaltungschef des Landkreises Vorpommern-Rügen, der im Mai vergangenen Jahres im Amt bestätigt wurde, zeichnete ein nüchternes Bild der aktuellen Lage: Die finanziellen Spielräume seien eng, neue Gestaltungsmöglichkeiten kaum vorhanden.
Statt großer Sprünge gehe es derzeit vor allem darum, Prozesse zu verbessern, Strukturen anzupassen und die Verwaltung unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu halten. Für viele Landkreise sei das schon Herausforderung genug. Auch Kerth machte deutlich, dass politische Ankündigungen und Förderinstrumente wie das Sondervermögen in der kommunalen Praxis oft nicht die Wirkung entfalten, die man sich zunächst davon verspreche.
Das gelte auch für Programme, mit denen Investitionen beschleunigt oder zusätzliche Mittel bereitgestellt werden sollen. Auf dem Papier sei vieles hilfreich, in der Realität aber relativiere sich der Effekt schnell. Wenn Fördersummen über Jahre hinweg und bundesweit verteilt würden, komme bei einzelnen Kreisen und konkreten Vorhaben am Ende oft nur ein begrenzter Betrag an.

Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Trotz der angespannten Lage gebe es im Landkreis Vorpommern-Rügen Projekte, die aus Sicht Kerths Mut machten. Eines der wichtigsten Vorhaben ist der geplante Berufsschulcampus in Stralsund. Der Landkreis will die bislang auf mehrere Standorte verteilten Berufsschulen an der bestehenden Berufsschule in Grünhufe zusammenführen und dort einen zentralen Campus entwickeln.
Damit verbindet sich mehr als nur ein Bauprojekt. Ziel ist es, die Bedingungen für Unterricht und Ausbildung spürbar zu verbessern und zugleich einen modernen Bildungsstandort für die Region zu schaffen. Künftig sollen dort die Bereiche Technik und Handwerk, Wirtschaft und Verwaltung, Sozialwesen sowie das Fachgymnasium gebündelt werden.
Geplant ist der Campus für rund 1.200 Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommen etwa 120 Wohnheimplätze und eine Dreifeld-Sporthalle. Die Kosten werden auf knapp 80 Millionen Euro geschätzt, die Fertigstellung ist für das Jahr 2030 vorgesehen. Die Planungen für dieses Vorhaben reichen bereits in Kerths vorherige Amtszeit zurück.
Über das eigentliche Bauvorhaben hinaus geht es auch um eine strategische Frage: Wie kann es gelingen, junge Menschen in der Region zu halten? Mit einem Talente-Campus, Förderinitiativen und dem Aufbau eines Alumni-Netzwerks soll dem Wegzug junger Menschen entgegengewirkt werden. Der Berufsschulcampus ist damit nicht nur ein Bildungsprojekt, sondern auch ein Baustein für die Fachkräftesicherung in Vorpommern-Rügen.
Das Gespräch zeigte vor allem eines: Die Lage in den Kommunen bleibt angespannt. Doch selbst dort, wo finanzielle Grenzen eng gesetzt sind, gibt es weiter den Anspruch, wichtige Zukunftsprojekte voranzubringen — Schritt für Schritt und mit langem Atem.