Bericht
19.03.2026
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Mittagsgespräch der Sektion Osnabrück-Grafschaft Bentheim mit Marc Schattenberg

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Beim Mittagsgespräch der Sektion Osnabrück-Grafschaft Bentheim des Wirtschaftsrates Niedersachsen am 18. März 2026 stand das Thema „Weltwirtschaftlicher Ausblick“ im Mittelpunkt. Zu Beginn begrüßte Sektionssprecher Philipp Meyer die Teilnehmenden und führte kurz in die Thematik ein.

Anschließend übernahm Marc Schattenberg, der sich zunächst vorstellte und seinen beruflichen Werdegang erläuterte. Er ist im Research-Team der Deutschen Bank tätig und dort insbesondere für die Bereiche Arbeitsmarkt und Konsum zuständig.

Im weiteren Verlauf ging Schattenberg auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen ein, insbesondere auf den Krieg im Iran. In diesem Zusammenhang betonte er die Bedeutung der Straße von Hormus, durch die rund 20 % der weltweiten Öl- und Erdgaslieferungen transportiert werde. Aufgrund der anhaltenden Konflikte seien diese Transportwege derzeit stark beeinträchtigt oder unterbrochen. Die Deutsche Bank rechne im Falle einer weiteren Eskalation mit einem Ölpreis von bis zu 130 Euro pro Barrel. Infolgedessen könnten die Inflationsraten perspektivisch auf etwa 4–5 % ansteigen.

Hinsichtlich der deutschen Wirtschaft sei die Deutsche Bank zunächst optimistisch gewesen. Hintergrund war ein geplantes Schuldenpaket, das einen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichen und ein Wachstum von etwa 1,5 % unterstützen sollte. Allerdings werde dieses Paket nach aktueller Einschätzung kaum für Investitionen genutzt, was die positiven Effekte deutlich abschwäche. Zusätzlich stelle die demografische Entwicklung eine Herausforderung dar, da künftig weniger Arbeitsstunden geleistet werden und dies das Wachstum bremsen dürfte.

Im internationalen Vergleich wurden die USA als wirtschaftlich dynamischer eingeschätzt, mit einem erwarteten Wachstum von rund 2,5 %, insbesondere getrieben durch Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass Deutschland und Europa ihre Kompetenzen im Bereich KI dringend ausbauen müssten, um in den nächsten drei bis fünf Jahren wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig seien jedoch auch die USA von Energieknappheit betroffen.

Auf den Devisenmärkten habe man ursprünglich mit einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar gerechnet. Seit Beginn des Krieges gewinne jedoch der Dollar wieder an Stärke. Ebenso würden sogenannte „sichere Häfen“ wie Gold oder der Schweizer Franken an Bedeutung gewinnen, während Kryptowährungen aktuell eher eine untergeordnete Rolle spielten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf China. Dort sind die Investitionen im Industriesektor leicht rückläufig, während im Immobiliensektor weiterhin ein hohes Investitionsniveau bestehe. Zudem verfügt China über strategische Reserven für Öl und Gas, die etwa 100 Tage abdecken könnten – und damit über größere Kapazitäten als Europa und die USA.
Abschließend wurden die Schwellenländer betrachtet. Besonders Indien wurde im Vergleich zu China hervorgehoben und als Land mit großen Entwicklungspotenzialen beschrieben. Für Indien wird ein jährliches Wirtschaftswachstum von rund 7,5 % erwartet.

Abschließend kam es zu einer Fragerunde, die sich zu einer lebhaften Diskussion entwickelte. Dabei wurde deutlich, dass die Mitglieder sowie der Referent eher pessimistisch auf Deutschland blickten und einen möglichen Kurswechsel für eher unwahrscheinlich hielten, falls sich nichts Grundlegendes ändere.

Die Sektion Osnabrück-Grafschaft Bentheim bedankt sich bei Marc Schattenberg für den spannenden Ein- und Ausblick.