Sozialer Stadtrundgang „Straße und Streife“ mit dem Wirtschaftsrat Niedersachsen – Sektion Hannover
Am 10.03.2026 ging die Sektion Hannover des Wirtschaftsrats Niedersachsen auf „Straße und Streife“. Der soziale Stadtrundgang wurde vom Straßenmagazin Asphalt organisiert, das sich seit vielen Jahren mit sozialen Themen rund um Armut, Obdachlosigkeit und das Leben auf den Straßen in Hannovers beschäftigt. Zusätzlich war Hauptkommissar Wallbaum von der Polizei dabei, um noch tiefere Einblicke zu gewährleisten.
Ursprünglich war geplant, die verschiedenen sozialen Brennpunkte der Stadt im Rahmen eines Rundgangs direkt vor Ort zu besichtigen. Aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen musste die Veranstaltung jedoch kurzfristig nach innen verlegt werden. Statt des praktischen Rundgangs fand daher ein ausführlicher theoretischer Vortrag statt, der dennoch einen sehr realitätsnahen Einblick in die Situation an verschiedenen Orten der Stadt gab.
Im Mittelpunkt des Vortrags standen mehrere bekannte Hotspots in Hannover, darunter der Raschplatz, der Kröpcke, die Oettingerwiese sowie die Herschelstraße und weitere Bereiche im innerstädtischen Raum. Anhand dieser Orte wurde die soziale Lage in Teilen der Stadt erläutert und diskutiert. Besonders thematisiert wurden Probleme im Zusammenhang mit Drogenhandel, Obdachlosigkeit und Kriminalität.
Dabei wurde erklärt, dass organisierte Gruppen – hauptsächlich aus dem albanischen Raum – eine bedeutende Rolle im Drogenhandel spielen sollen. Gleichzeitig wurde jedoch auch betont, dass ein Großteil der obdachlosen Menschen sowie viele Drogenabhängige im Alltag überwiegend friedlich sind. Kriminalität entstehe häufig innerhalb desselben Milieus und betreffe daher oftmals Personen aus dem gleichen Umfeld.
Dennoch prägen diese Problemlagen das öffentliche Stadtbild sichtbar und stellen sowohl für Anwohner als auch für Besucher der Stadt eine Herausforderung dar.
Ein weiteres Thema war das sogenannte „Stellwerk Hannover“. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das einen öffentlichen Raum bietet, in dem Drogen konsumiert werden dürfen, um gesundheitliche Risiken zu reduzieren und den Konsum dort hinzuverlagern. Wichtig ist jedoch: Der Erwerb und Handel von Drogen bleiben weiterhin illegal.
Darüber hinaus wurden strukturelle Ursachen sozialer Probleme angesprochen: Migration, Wohnungsmangel und eine teilweise unzureichende soziale Versorgung verschärfen die Situation vieler Menschen. Besonders deutlich wurde, dass es in Hannover an kleinen und bezahlbaren Wohnungen fehlt, die für Einzelpersonen oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen geeignet wären.
Auch organisierte Bettelbanden wurden thematisiert. Nach Angaben der Referenten stammen viele dieser Gruppen aus osteuropäischen Ländern und werden teilweise organisiert in größere Städte gebracht, um dort systematisch zu betteln.
Ein weiteres schwieriges Thema ist die Prostitution. Für viele Frauen stelle sie den letzten Ausweg dar, um überhaupt Geld zu verdienen, häufig verbunden mit persönlichen Notlagen und prekären Lebensumständen.
Zum Abschluss der Veranstaltung entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Mitgliedern des Wirtschaftsrats, den Gästen , den Referenten und Herr Wallbaum von der Polizei. Dabei wurden zahlreiche Fragen gestellt, unter anderem zu den Themen legale und illegale Waffen sowie zu den richtigen Anlaufstellen, wenn Bürgerinnen und Bürger Straftaten oder verdächtige Beobachtungen melden möchten.
Der Stadtrundgang –
beziehungsweise der ersatzweise gehaltene Vortrag – bot insgesamt einen
eindrücklichen Einblick in soziale Herausforderungen im Stadtgebiet Hannover
und zeigte zugleich, wie komplex die Hintergründe von Armut, Drogenkonsum und
Kriminalität im urbanen Raum sind.
Die Mitglieder und Gäste der Sektion Hannover des Wirtschaftsrates
Niedersachsen bedanken sich bei Asphalt für den Einblick in die Straßen
Hannovers.