Bericht
22.04.2026
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Europas Weg zu echter Verteidigungsfähigkeit

Dr. Thomas Enders, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. zu Gast bei der Sektion Düsseldorf
©Wirtschaftsrat Nordrhein-Westfalen

Wirtschaftsrat Sektion Düsseldorf begrüßte im Gespräch mit Herrn Dr. Thomas Enders, der in vergangen Jahren, Mitglied des Planungsstabes des Bundesministeriums der Verteidigung gewesen ist und daher Experte in diesem Themenfeld ist. In seinem Vortrag legte der Gastredner dar, dass Europas Verteidigungsfähigkeit nicht mehr allein durch nationale Anstrengungen gestemmt werden könne, sondern eine engere Verzahnung von Politik, Industrie und Gesellschaft auf europäischer Ebene erfordere. Er betonte, dass multipolare Sicherheitsverschiebungen, technologische Sperrfeuer und zunehmende Interdependenzen eine gemeinsame europäische Verteidigungsagenda unabdingbar machen. Deutschland sei jahrelang rüstungstechnisch in die falsche Richtung gelaufen, wie der andauernde Russland-Ukraine-Krieg beweise.

Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Notwendigkeit einer intensiveren industriellen Zusammenarbeit innerhalb Europas. Dr. Enders sah in gemeinsamen Beschaffungs- und Forschungsprogrammen ein Mittel, Kosten zu senken, Standards zu harmonisieren und die europäische Fähigkeit zu erhöhen, strategisch bedeutsame Technologien zu entwickeln und zu sichern. Dabei warnte er vor einer bloßen rhetorischen Beteuerung von Kooperation: Es müsse konkrete Projekte geben, tragfähige Finanzierungsmodelle und klare Verantwortlichkeiten zwischen EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Union und der NATO. Nur so lasse sich Vertrauen schaffen und politische Umsetzbarkeit sicherstellen fügte Lenka Heimöller, Wirtschaftsrat Düsseldorf hinzu.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik hob hervor, dass der Weg zu echter Verteidigungsfähigkeit nur gemeinsam zu gehen sei—durch klar definierte Prioritäten, verbindliche Zeitpläne und eine Politik der Entlastung von Doppelstrukturen. Ziel müsse es sein, Ressourcen zu bündeln, Redundanzen zu reduzieren und Souveränität durch belastbare, vereinheitlichte Strukturen zu stärken, ohne dadurch transatlantische Partnerschaften bspw. zu den USA zu gefährden. Eine Europäische Rüstungskooperation sei möglich, wenn man der Industrie kein politisches Korsett aufzwingen würde. Eine sogenannte „Coalition of the Willing“ bestehend aus fünf Kernwilligen europäischen Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien und Frankreich, müsse sich zusammenfinden, so schloss Dr. Thomas Enders den informativen und spannenden Abendvortrag im Industrie-Club Düsseldorf ab.