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Bericht
01.10.2019
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"Die Trinkwasserversorgung in Südsachsen"

Um es vorweg zu nehmen: Die Südsachsen werden nicht verdursten. Diesen und viele andere Aspekte rund um den Bedarf, die Qualität, den Preis sowie die Versorgungssicherheit des Trinkwassers stellte Ute Gernke, Geschäftsführerin der Südsachsen Wasser GmbH, unseren Teilnehmern zunächst in einem Vortrag und anschließend bei einem Rundgang durch das Wasserwerk Einsiedel vor.
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Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist dabei das gut funktionierende südsächsische Wasserverbundsystem, bestehend aus vier Talsperren, dessen Historie bis in das Jahr 1894 zurück reicht. Dieses Verbundsystem versorgt ca. 1,5 Mio. Einwohner mit Trinkwasser. Die Wasserversorgung von Chemnitz teilen sich nahezu hälftig die Talsperren Eibenstock und Einsiedel, deren Rohrleitungen zwei Drittel des Gesamtwasserbedarfs decken. Das verbleibende Drittel wird aus Grundwasser gewonnen, welches jedoch in heißen Sommern stark zurückgeht. Dennoch, auch in extrem heißen Sommern gibt es hierzulande keinen Wassernotstand. Vor diesem Hintergrund ist erwähnenswert, dass der Wasserverbrauch seit 1995 stark rückläufig ist und die Südsachsen Vorbild im Wassersparen sind. Dies müsste allerdings gar nicht sein, lautet die Erkenntnis, denn die Wasserversorgungssysteme sind auf Maximalkapazität ausgelegt und könnten wesentlich mehr sauberes Wasser liefern, was die Wasserpreise verbraucherfreundlich sinken ließe.

Fakt ist zudem, dass 87 Prozent der Wasserreserven in Deutschland ungenutzt sind – Engpässe beim Wasser sind also nicht zu erwarten. Die gesamte Bundesrepublik ist Spitzenreiter im Wassersparen und hat im europäischen Vergleich einen sehr geringen Wasserbedarf pro Einwohner. Zur Wasserqualität lässt sich festhalten, dass nach Filterung südsächsisches Wasser eine Top-Qualität aufweist und unser Trinkwasser aus der Leitung dem im Handel erhältlichen „Mineralwasser“ in nichts nachsteht. Dennoch sind die Kosten für die notwendigen Filtersysteme hoch – hier ist eine Kostenbeteiligung des Freistaates erforderlich, um u.a. dem Personalabbau in der südsächsischen Wasserversorgung entgegen zu wirken. In Südsachsen kostet der Kubikmeter Trinkwasser zwischen 2,50€ und 3,20€. Davon entfallen 8 Prozent auf den Freistaat Sachsen, 16 Prozent auf den Zweckverband Fernwasser Südsachsen (wozu das Wasserwerk Einsiedel gehört) und zu 76 Prozent auf die Endversorger, sprich die Energieversorgungsunternehmen.

Kritisch ist jedoch zu sehen, dass die Hackerangriffe auf das rechnergestützte Wassersystem in den letzten Jahren merklich zugenommen haben, was die Einstellung von IT-Experten erforderlich macht. Zudem treten in der letzten Zeit vermehrt (noch unbedenkliche) Verunreinigungen des Grundwassers durch Arznei- und Unkrautmittel auf, was die Anforderungen an die Filtersysteme und damit die Kosten erhöht. Problematisch ist ebenfalls zu sehen, dass die ausgefilterten Wasserrückstände nur noch in speziellen Anlagen verbrannt werden dürfen, weshalb u.a. die Transportkosten für die Wassererzeuger weiter steigen. Künftig gilt, die Landwirtschaft und mithin die daraus entstehenden Lebensmittel ökologisch nachhaltiger auszugestalten, Medikamente biologisch abbaubar zu produzieren und dafür ein Rücknahmesystem zu installieren. Krankenhausabwässer bedürfen einer gesonderten Reinigung, wofür verpflichtende Standards definiert werden müssen. Letztlich ist für Schutzgebiete eine gesonderte Abwasserausleitung notwendig, um das Grundwasser zu entlasten. Es gibt also auch beim Wasser noch viel zu tun: Panta rhei! Wir bedanken uns beim Team des Wasserwerks Einsiedel und insbesondere bei Ute Gernke, die uns sowohl fachlich als auch kulinarisch verwöhnt hat.