Bericht
21.04.2026
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Unternehmen im Fadenkreuz von Cyberangriffen

Mit Cyber-Security-Experten Niclas Matz aus San Francisco und Eberhard Lutz Richter, Head of Information Systems der Mühlbauer ID Services GmbH aus Dresden
©Wirtschaftsrat

Cybersicherheit ist längst kein Nischenthema mehr – sie gehört heute zum Alltag von Unternehmen jeder Größe. Umso mehr hat es uns gefreut, gemeinsam mit dem RKW am 21. April Niclas Matz bei uns begrüßen zu dürfen. Trotz seines jungen Alters bringt er bereits beeindruckende Erfahrung aus mehreren Unternehmensgründungen mit, von denen einige international aktiv sind. Damit war er genau der richtige Ansprechpartner, um unter dem Titel „Unternehmen im Fadenkreuz von Cyberangriffen“ einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Cybersicherheit zu geben.

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v.l.n.r.: Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates in Sachsen; Eberhard Lutz Richter, Head of Information Systems der Mühlbauer ID Services GmbH; Niclas Matz, Cyber-Security-Experte; Dirk Vogel, Geschäftsführer der RKW Sachsen GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Zum Auftakt machte der Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates Sachsen, Dr. Dino Uhle, deutlich, wie sehr sich die Bedeutung des Themas verändert hat. Cybersicherheit sei heute keine reine IT-Frage mehr, sondern entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg und die Stabilität von Unternehmen. Gerade kleine und mittlere Betriebe geraten immer stärker ins Visier von Angriffen, die häufig längst nicht mehr nur kriminell motiviert sind, sondern auch im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen stehen und mitunter sogar „politiknah“ stattfinden.

2026-04-21_Cyberangriffe_Foto1.jpgDr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates in Sachsen (Foto: Wirtschaftsrat)

Besonders eindrücklich war der Hinweis, dass Cyberangriffe nicht „irgendwann“ passieren, sondern jederzeit – oft genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Unternehmen sind daher gut beraten, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen, sondern aktiv vorzusorgen. Neben technischen Maßnahmen spielen dabei auch gesetzliche Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie, das IT-Sicherheitsgesetz 2.0, die DSGVO oder die KRITIS-Verordnung eine große Rolle. Die klare Botschaft: „Cybersicherheit ist Chefsache!“

2026-04-21_Cyberangriffe_Foto2.jpgDirk Vogel, Geschäftsführer, der RKW Sachsen GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Dirk Vogel, Geschäftsführer, der RKW Sachsen GmbH, stellte den Unternehmern dabei gezielt Schulungen der RKW vor, die helfen, die unternehmerische Resilienz gegenüber von Cyber-Attacken zu stärken. Eberhard Lutz Richter machte in seinem Impulsreferat deutlich, dass Security heute ein echtes „Verkaufsargument“, ein wichtiges Element zur Kundenbindung und bereits ein Wettbewerbsfaktor sei. Cyberangriffe könnten die Produktion komplett lahmlegen und somit einen enormen betriebswirtschaftlichen Schaden anrichten.

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Eberhard Lutz Richter, Head of Information Systems der Mühlbauer ID Services GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Im anschließenden Haupt-Vortrag knüpfte Niclas Matz genau daran an und brachte das Thema sehr anschaulich auf den Punkt. Mit Beispielen aus der Praxis zeigte er, wie konkret die Bedrohung inzwischen ist – von Datenlecks über Produktionsausfälle bis hin zu spürbaren Imageschäden. Besonders deutlich wurde dabei, dass die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung zwar viele Chancen biete, gleichzeitig aber auch neue Angriffsflächen schaffe. Viele KMU könnten sich aufgrund Ihrer Kapital- und Personaldecke keine „Inhouse-Cyberabwehr“ leisten – entsprechend verwies er auf das Angebotsportfolio seiner Unternehmen „Decanos GmbH“ und „Alaris Security Inc“, die hier entsprechende anpassbare Tools zur Abwehr von Cyberattacken bei automatisierter Meldung des Vorfalls an das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), insbesondere für den Mittelstand, bereithalten.

2026-04-21_Cyberangriffe_Foto4.jpgNiclas Matz (Foto: Wirtschaftsrat)

Ein wichtiger Punkt war die Geschwindigkeit, mit der sich Cyberangriffe heute entwickeln. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz werden sie immer schneller und teilweise sogar automatisiert durchgeführt. Gleichzeitig kommen viele Unternehmen mit ihren bisherigen Sicherheitsstrukturen an ihre Grenzen. Hier plädierte Matz für ein Umdenken: „weg von einzelnen Insellösungen - hin zu einem ganzheitlichen Ansatz, bei dem Technik, Prozesse und Organisation zusammenspielen.“ Auch die Chancen moderner Technologien wurden deutlich. KI-gestützte Systeme können helfen, große Datenmengen zu analysieren, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und schneller zu reagieren. Das Ziel ist klar: Unternehmen sollen nicht nur besser geschützt sein, sondern insgesamt handlungsfähiger werden. Hier geht es heute also um einen KI-basierten Wettbewerb zwischen Angreifer (Hacker) und Verteidiger (Unternehmer).

Am Ende blieb vor allem eines hängen: Cybersicherheit betrifft heute das gesamte Unternehmen und sollte fest auf Führungsebene verankert sein. Die Veranstaltung hat viele Denkanstöße geliefert und gezeigt wie wichtig es ist, sich frühzeitig und aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gleichzeitig bot sie eine gute Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung – ein Aspekt, der bei solchen Themen oft genauso wertvoll ist wie der fachliche Input.