Bericht
25.02.2026
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Unternehmer-Frühstück zum Thema Kapitalmärkte

Richtung der Kapitalmärkte in der kommenden Zeit
©Wirtschaftsrat

Im einzigartigen Ambiente der durch die Industriellenfamilie Voß zwischen 1909 und 1910 errichteten Villa in Leipzig, konnten wir uns, organisiert durch unser Mitglied, die Bank Julius Bär Deutschland AG, zusammenfinden, um über die Richtung der Kapitalmärkte in der kommenden Zeit, zu sprechen. 2025 war ein bewegtes Jahr für die Märkte: Geopolitische Spannungen, immer wieder neue Zollschranken seitens der USA, wachsende Unsicherheit an den Kapitalmärkten und eine zunehmende strategische Rivalität zwischen großen Wirtschaftsblöcken haben das Umfeld geprägt.

2026-02-25_UF Leipzig_Foto1.jpg(Foto: Wirtschaftsrat)

Unser Landesgeschäftsführer, Herr Dr. Dino Uhle, führte in die Thematik ein und stellte heraus, dass wir resilient bleiben und diversifizieren müssen: „Chancen erkennen, ohne Risiken zu verdrängen. Und wir müssen uns in die wirtschaftspolitische Debatte einbringen – am besten gelingt das über den Wirtschaftsrat.“, formulierte er. Nach einem weltweiten Vergleich der Schuldenstandsquoten, ging er auf die Wechselwirkungen zwischen „Kapitalmarktunion“ und „Euro-Bonds“ ein – die EZB sehe aktuell den sog. „Euro-Moment“ gekommen und möchte gern sowohl die EU-Kapitalmarktunion als auch gemeinsame europäische Schulden zur Finanzierung dieses gemeinsamen europäischen Kapitalmarktes mit mehr Kapital für Wachstumsfirmen und Start-Ups, mit mehr Chancen für Anleger, auch zur privaten Altersvorsorge, eine weitere einheitliche europäische Rechtsform (Neben der AG SE) für mittelgroße Unternehmen, eine einheitliche EU-Insolvenzordnung, insgesamt mehr europäische Souveränität und gleichzeitig aber auch Euro-Bonds verwirklichen. Klar gegen Euro-Bonds hat sich jüngst Ex-Finanzminister Lindner in der FAZ positioniert. Er mahnt u.a. an, dass kollektivierte Schulden den Druck zur Haushaltsdisziplin einzelner Staaten mit ohnehin hohen Schulden mindere und die künftige Steuerlast in Europa noch weiter zunehmen werde und vor allem das öffentlich propagierte gute “Triple-A”-Rating Deutschlands gefährde. Künftig muss also eine tragfähige Konstruktion für eine EU-Kapitalmarktunion und neuen europäischen Finanzierungsformen gefunden werden.

Vertiefen konnten wir unser „Kapitalmarkt-Frühstück“ durch Vorträge von Lutz Welge, Leiter Portfolio Management der Bank Julius Bär Deutschland AG und durch Matthias Wolf, Geschäftsführer der GOLDPFAD GmbH. Lutz Welge hat die aktuellen Marktentwicklungen für uns eingeordnet, Chancen und Risiken benannt. Er hat erläutert, wie institutionelle Investoren im Spannungsfeld zwischen Dollar-Dominanz, Euro-Ambitionen und geopolitischer Unsicherheit agieren. Lutz Welge zeigte sich u.a. verwundert darüber, dass die Invasion der US-Streitkräfte in Venezuela kaum Einfluss auf die Kapitalmärkte hatte – er machte zudem deutlich, dass Umbrüche auch immer Chancen bedeuten. Heute wird es – wenn es um Anlagemöglichkeiten geht – immer wichtiger, auch auf geopolitische Veränderungen bzw. Verwerfungen zu achten.

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Lutz Welge, Leiter Portfolio Management der Bank Julius Bär Deutschland AG (Foto: Wirtschaftsrat) 

Das hoffentlich bald in Kraft tretende Mercosur-Abkommen wertete Lutz Welge positiv – es würde den Welthandel fördern und entsprechend auch die nationale Wirtschaft in Deutschland stärken. Aktuell werte der USD zwar gegenüber dem Euro ab, dennoch bleibe der USD die weltweit die Reservewährung Nummer eins, was eine implizite Aufwertung des USD bedeute. Er prognostizierte zudem einen weiteren Hochlauf von Aktienwerten, aber vor allem auch von Edelmetallen, was es empirisch eher selten gab: einen gemeinsamen Hochlauf von Aktien und von Gold und Gold-Minen. Mittlerweile blickten die USA auch positiver auf DAX und Eurostoxx-Werte. Als Anlagestrategie gab er uns diversifizierte Portfolien, aber auch die Regel, eher nach guten Gründen und nicht nach Dogmen zu verfahren, mit auf den Weg. Die nationale Sicherheitsstrategie der USA zeige, dass die Staaten Europa als „Brückenkopf“ sehen. Die sog. „KI-Blase“ drohe in der nächsten Zeit noch nicht zu platzen, die neueste Form der Kernenergie seit weltweit wieder auf dem Vormarsch, Rohstoffe werden immer und immer mehr gebraucht, Technologie bleibe notwendig und Edelmetalle bleiben wertstabil, vor allem Gold sei nach wie vor eine gute Vermögensanlage.

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Matthias Wolf, Geschäftsführer der GOLDPFAD GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Bevor wir in den Genuss eines köstlichen Frühstückes gekommen sind, hat uns Matthias Wolf auf einen ganz anderen, aber nicht minder wichtigen Aspekt aufmerksam gemacht: Die Unternehmensnachfolge. Gerade in Zeiten erhöhter Volatilität ist die Übergabe eines Unternehmens nicht nur eine strategische, sondern auch eine vermögensökonomische Schlüsselsituation. Klassischer Vermögensschutz kann in dieser Phase zur Falle werden, wenn er nicht ganzheitlich gedacht ist. Matthias Wolf stellte heraus, dass ein Unternehmensverkauf eine Zäsur im Leben eines Unternehmers darstelle. Das Spannungsfeld der Unternehmerpersönlichkeit, die bei KMU oft aus der Inhaber-, Geschäftsführer- und Familienfunktion bestehe, sei von Anfang an und ganzheitlich mitzudenken. Entsprechend sollte der Schutz des Privatvermögens bereits bei der Unternehmensgründung mit ins Visier genommen werden, um sukzessive eine hohe Resilienzstufe zu erreichen. Dieser Schutz wird umso relevanter, wenn die Übergabe bzw. der Verkauf des Unternehmens in der letzten Unternehmensphase anstehe. Viele Unternehmer, die aus dem Unternehmen ausscheiden, fallen ins Leere – sie müssen lernen, wie man „sich selbst“ führt. Diese Phase sei mit der eines Leistungssportlers zu vergleichen, der abrupt mit dem Profisport aufhöre und vergisst „abzutrainieren.“. Der ganzheitliche Ansatz von Matthias Wolf betrachtet sowohl die finanzielle, die rechtliche, aber auch die mentale Ebene der Inhaber-Unternehmerpersönlichkeit.

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v.l.n.r.: Marcus Rehwald, Sprecher der Sektion Leipzig; Madlen Bestehorn, Geschäftsführerin des IVD Mitte-Ost e.V.; Angelika Bordt, Vorstandsmitglied der Sektion Leipzig; RA Dr. Dagmar Unger-Hellmich, Partnerin der Korn & Letzas Rechtsanwälte PartG mbB; Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU e.V. in Sachsen (Foto: Wirtschaftsrat)

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren beiden Referenten, bei Oliver Franz, Executive Director sowie bei Janet Werft, Associate Director der Bank Julius Bär Deutschland AG, für das tolle Unternehmer-Frühstück. Besten Dank auch an Marcus Rehwald, unseren Sektionssprecher in Leipzig, der über seine Sektion die Plattform für die Veranstaltung des Wirtschaftsrates bereitet hat. Wir möchten unser Unternehmerfrühstück mit Kapitalmarktbezug gern fortsetzen.