Die LKW-Zukunft ist elektrisch
Neumünster ist ein zentraler Logistikstandort in Schleswig-Holstein. Ideal gelegen als Scharnier zur Metropolregion Hamburg, bietet die Stadt den richtigen Rahmen, um sich einer zentralen Zukunftsfrage zu widmen: Fahren Spediteure und Logistiker künftig mit Wasserstoff- und E-LKWs? Um diese Frage zu diskutieren, kamen Mitglieder der Sektion Neumünster sowie Gäste des Landesverbandes Schleswig-Holstein des Wirtschaftsrates in Neumünster in den Räumlichkeiten der Herbert Voigt GmbH & Co. KG zusammen.
Zu Beginn der Veranstaltung berichtete Sandra Carstensen MdB, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Plön / Neumünster / Boostedt-Rickling, von Ihrer Tätigkeit in Berlin. Sie gab Einblicke in ihre Arbeit im Ausschuss für Arbeit und Soziales, der sich unter anderem mit Themen wie der „Once-Only“-Digitalregistrierung sowie Work-and-Stay-Institutionen beschäftigt. Darüber hinaus sprach sie über die Zusammenarbeit in der Großen Koalition und betonte, dass dort vieles besser laufe, als es in der Öffentlichkeit oftmals wahrgenommen werde. Kritisch sprach sie die aktuellen Diskussionen zur Rente sowie zur geplanten Grundsicherung als Ersatz für das Bürgergeld an, die aus ihrer Sicht die Stimmung trübten. Sie wünschte sich eine sachliche und konstruktive Debatte zu diesen Themen. Auch zum geplanten Tariftreuegesetz äußerte sich Frau Carstensen und stellte klar, dass sie diesem kritisch gegenüberstehe, da es mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden sei. Abschließend betonte sie, dass die CDU/CSU-Fraktion zwar durchaus unterschiedliche Standpunkte in sich vereine, die Arbeitsatmosphäre insgesamt jedoch gut sei. Zudem unterstrich sie ihr Engagement für den Wahlkreis und ihre Freude über den Austausch mit den anwesenden Teilnehmern und Gästen.
Im Anschluss stellten Hannes Voigt, geschäftsführender Gesellschafter der Herbert Voigt GmbH & Co. KG, sowie Holger Matzen, Head of Business Development, das Unternehmen vor. Im Mittelpunkt standen dabei das Thema „Nachhaltige Logistik – konsequent gedacht“ sowie der Weg des Unternehmens hin zur Elektromobilität. Holger Matzen erläuterte zunächst das Pilotprojekt des ersten wasserstoffbetriebenen LKW in Schleswig-Holstein. Das Projekt sei gut angelaufen, habe jedoch durch die starke Preisentwicklung beim Wasserstoff einen erheblichen Dämpfer erfahren. Um den Betrieb von Wasserstoff-LKW zukunftsfähig zu machen, seien Veränderungen und deutlich mehr Unterstützung notwendig. „Wir leben von schnellen Entscheidungen“, betonte Matzen und äußerte die Hoffnung, das Projekt künftig weiterführen und ausbauen zu können.
Neben wasserstoffbetriebenen LKW setzt Voigt Logistik auch konsequent auf E-LKW. Hannes Voigt, der das Unternehmen in vierter Generation leitet, sieht diese als die Zukunft der Logistik und investiert stark in einen strombetriebenen Fuhrpark. Bei seinem Eintritt in das Unternehmen herrschte Rezession, und in kaum einer Branche gab es so viele Insolvenzen wie in der Logistik. „Das war ziemlich schlechtes Timing“, so Voigt.
Er gab anschließend einen Einblick in die Entwicklung des Unternehmens und erläuterte, wie sich die elektrisch betriebenen LKW technisch weiterentwickelt hätten. Diese erreichten inzwischen mit Ladung Reichweiten von bis zu 500 Kilometern. Durch die richtige Auslastung und Planung rentiere sich der Einsatz für das Unternehmen auch wirtschaftlich.
Durch den Fokus auf E-LKW erschließt die Herbert Voigt GmbH & Co. KG zudem neue Geschäftsfelder. Geplant sind der Bau eines Batteriespeichers sowie der Einstieg in den Energiehandel. Bei der Umsetzung arbeitet Voigt mit Start-ups zusammen. Hannes Voigt hob dabei insbesondere die Vorteile der großen Mengen erneuerbarer Energien hervor, die in Schleswig-Holstein produziert werden. Der Weg zum CO₂-neutralen Transport führe derzeit über den E-LKW. Bis Ende 2026 sollen zehn E-LKW vollständig in den Betrieb von Voigt Logistik integriert sein. Nach dem spannenden Vortrag nutzten die anwesenden Mitglieder und Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Besonders großes Interesse bestand an der Nutzlast und der Lebensdauer der E-LKW sowie an der Bedeutung der Strompreis- und Netzentgeltentwicklung.
Zum Abschluss der Veranstaltung wartete noch ein besonderes Highlight: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sowohl einen Elektro- als auch den verbliebenen wasserstoffbetriebenen LKW besichtigen und selbst in die Fahrzeuge einsteigen. Nach einer kurzen Probefahrt zeigte sich Sandra Carstensen begeistert und resümierte: „Tolles Teil, das hat Zukunft.“