Bericht
19.03.2026
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Segebergs Chancen durch A20 und Fehmarnbeltquerung

Diskussionsveranstaltung der Sektion Segeberg mit Verantwortlichen der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg GmbH (WKS)
©Wirtschaftsrat

Die wirtschaftliche Entwicklung im Kreis Segeberg ist bislang stark an die Achse der Bundesautobahn A7 gebunden, während der östliche Teil des Kreises lange Zeit Defizite in der infrastrukturellen Anbindung aufwies. Mit der Weiterführung der A20 sowie der im Bau befindlichen festen Fehmarnbeltquerung eröffnen sich nun jedoch neue Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Kreisgebiet. Vor diesem Hintergrund trafen sich die Mitglieder der Sektion Segeberg auf Einladung ihres Sektionssprechers Tomas Kleitsch zu einer Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg GmbH (WKS), um Chancen und Herausforderungen näher zu beleuchten.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Hans-Joachim Grote, Aufsichtsratsvorsitzender der WKS, eine Einschätzung zum Stand der Verwaltung sowie zur wirtschaftlichen Entwicklung in Schleswig-Holstein. Als besonders bemerkenswert hob er hervor, dass ein Bundesland wie Nordrhein-Westfalen, das etwa sechsmal so groß ist wie Schleswig-Holstein, mit deutlich weniger Entscheidungsebenen und Behörden auskomme. Die Vielzahl an Zuständigkeiten sowie die komplexe Verteilung von Entscheidungsbefugnissen stellten aus seiner Sicht ein Hemmnis für die wirtschaftliche Dynamik dar. Zudem kritisierte er eine verbreitete Mentalität, Probleme stärker zu fokussieren als Lösungen, sowie das Festhalten an linearen Denk- und Verwaltungsstrukturen. Innovation werde häufig skeptisch betrachtet: „Innovation ist momentan nur Teufelswerk.“ Gleichwohl betonte Grote auch die positiven Standortfaktoren des Kreises Segeberg, insbesondere die Nähe zur Metropolregion Hamburg sowie die Chancen durch die Infrastrukturprojekte A20 und Fehmarnbeltquerung.

Im Anschluss setzte Clemens Hermann, Geschäftsführer der WKS, in seinem Impuls einen Schwerpunkt auf die Bedeutung dieser Infrastrukturprojekte sowie auf die Rolle von Energietrassen für die Region. Er erläuterte die voraussichtlichen Auswirkungen der A20 und der Fehmarnbeltquerung auf Schleswig-Holstein und den skandinavischen Raum und betonte, dass der Kreis Segeberg bei entsprechender strategischer Ausrichtung zu den großen Gewinnern zählen könne. Die WKS verstehe sich dabei als Brückenbauer zwischen Verwaltung und Wirtschaft mit dem Ziel, optimale Rahmenbedingungen für unternehmerische Entwicklung zu schaffen.

Hermann wies zugleich auf bestehende Herausforderungen hin, insbesondere durch komplexe Verwaltungsprozesse sowie umfangreiche regulatorische Vorgaben. Um die Chancen nutzen zu können, sei es erforderlich, verfügbare Gewerbeflächen gezielt zu entwickeln und die Standortvorteile des Kreises, insbesondere die Nähe zu Hamburg sowie die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, konsequent zu nutzen. Im Bereich der Energieversorgung identifizierte er insbesondere den Netzausbau sowie die Frage eines wettbewerbsfähigen Strompreises als zentrale Handlungsfelder.

In der anschließenden Diskussion wurden die verschiedenen Perspektiven und Problemstellungen der wirtschaftlichen Entwicklung im Kreis Segeberg und in Schleswig-Holstein intensiv erörtert. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere das Ausmaß bürokratischer Strukturen, der Bedarf an weiterem Bürokratieabbau und Digitalisierung sowie die mangelnde Planungssicherheit für Unternehmen. Auch die Bedeutung der neuen Verkehrsinfrastruktur durch die A20 und die Fehmarnbeltquerung wurde hervorgehoben, da diese als wesentliche Voraussetzung für Unternehmensansiedlungen angesehen wird.

Abschließend bestand unter den Teilnehmern Einigkeit darüber, dass es seitens Politik und Verwaltung eines stärkeren Mutes zu Innovation und Veränderung bedarf. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Unternehmen alternative Standorte bevorzugen, die durch effizientere Strukturen und verlässlichere Rahmenbedingungen gekennzeichnet sind.