Bericht
23.04.2026
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Strom, Streit, Stillstand: Die Geschichte von Brokdorf

Betriebsbesichtigung der Sektion Dithmarschen beim Kernkraftwerk Brokdorf
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Das Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein spielte über Jahrzehnte eine zentrale Rolle in der deutschen Energieversorgung und lieferte Strom für Millionen Haushalte. Seine Geschichte ist eng mit der deutschen Kernkraftdiskussion verbunden: Bereits der Bau in den 1970er- und 1980er-Jahren war von heftigen Protesten begleitet. Massive Demonstrationen und gesellschaftliche Debatten machten Brokdorf zu einem Symbol für die Auseinandersetzung um Sicherheit, Energiepolitik und Umweltschutz. Mit seiner Inbetriebnahme 1986 begann eine Phase der stabilen Stromversorgung, die bis zur Abschaltung 2021 anhielt. Mit der Stilllegung rückt nun die Bedeutung erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie stärker ins Blickfeld, nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch, um Importabhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sinnvoll der vollständige Ausstieg aus der Kernenergie tatsächlich war.

Auf Einladung ihres Sprechers Sven Voß hatten die Mitglieder der Sektion Dithmarschen die Gelegenheit, sich vor Ort über den Fortgang des Rückbaus zu informieren. Der Kommunikationsverantwortliche des Hauptbetreibers Preussen Elektra, Hauke Rathjen, begann die Besichtigung mit einem grundsätzlichen Vortrag über das Kernkraftwerk Brokdorf. Dabei erläuterte er die Funktionsweise des Druckwasserreaktors, die Energieproduktion sowie die umfangreichen Sicherheitskonzepte, die beim Bau und der Inbetriebnahme umgesetzt wurden. Besonders hervorzuheben waren die verschiedenen Sicherheitssysteme, die selbst bei einem Stromausfall oder anderen Notfällen einen sicheren Betrieb garantieren sollten. So wurden ca. 4 Milliarden D-Mark in den Bau investiert, wobei allein 3 Milliarden für Sicherheitsmaßnahmen verwendet wurde.

Beeindruckend war auch die Leistung des Kraftwerks: Jährlich erzeugte Brokdorf rund 11 Milliarden kWh Strom, was etwa 90 % des jährlichen Strombedarfs Schleswig-Holsteins entspricht. Es gehörte 1992 und 2005 zu den weltweit größten Stromerzeugern unter den Kernkraftwerken. Insgesamt wurden seit der Inbetriebnahme bis zur Abschaltung rund 350 Milliarden kWh Strom produziert, hergestellt von bis zu etwa 500 Mitarbeitern.

Mit dem Herunterfahren des Reaktors 2021 und dem seit Januar 2025 laufenden Rückbau gerieten die Entsorgung und Verwertung des Kraftwerks in den Mittelpunkt. Insgesamt fallen durch den Abbau rund 670.000 Tonnen Material an. Davon sind aber nur rund 3 % radioaktiv, von denen wiederum nur ein Bruchteil hochradioaktiver Müll (insbesondere die Brennelemente) ist. Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle, die 95 % des radioaktiven Materials ausmachen, werden im Endlager Schacht Konrad in Salzgitter gelagert, während die hochradioaktiven Reststoffe noch auf ein dauerhaftes Endlager warten und derzeit in Brokdorf zwischengelagert werden. Das Zwischenlager ging 2019 in den Besitz des Bundes über.

Die anschließende Besichtigung des Reaktors beschränke sich auf den äußeren Sicherheitsbereich. Die Mitglieder konnten die Generatoren, die Kondensatoren und die Hallen der Notstromgeneratoren besichtigen. Dies bot einen eindrucksvollen Einblick in die Dimensionen und die technische Ausstattung, die für den Betrieb eines Kernkraftwerks notwendig sind.

Abschließend wurde die Frage diskutiert, ob ein Wiederhochfahren des Reaktors theoretisch möglich und praktisch machbar wäre. Neben den hohen Kosten fehle aber vor allem der politische und gesellschaftliche Wille. Auch wenn ein Wiederaufbau technisch in wenigen Jahren abgeschlossen werden könnte, würde der bürokratische Aufwand der Widerzulassung die Zeitplanung erheblich verlängern, so das Ergebnis der Diskussion.