Digitalisierungsoffensive für ein leistungsfähiges Stromsystem
Die Energieversorgung in Deutschland befindet sich in einer kritischen Phase: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist erfolgreich vorangetrieben worden. Der Versorgungssicherheit und der Wirtschaftlichkeit wurden jedoch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Der große Vorteil der erneuerbaren Energien, ihre niedrigen Erzeugungskosten, kommt noch nicht beim Verbraucher an. Der Grund liegt vor allem in den massiv gestiegenen Netzkosten. Allein die Netzentgelte betragen aktuell im Bundesdurchschnitt 10,4 Eurocent pro Kilowattstunde. In manchen Weltregionen, mit denen die deutsche Industrie konkurriert, liegt der gesamte Strompreis für die Industrie bei etwa der Hälfte dieses Wertes!
Für besonders energieintensive Unternehmen werden die Netzentgelte vom Bundesfinanzminister zwar heruntersubventioniert. Diese Subventionen stehen jedoch unter Haushaltsvorbehalt; wie lange wird der Bundeshaushalt dies leisten können? Wie stark wollen sich die Unternehmen im Falle von Neu- bzw. Ersatzinvestitionen darauf verlassen?
Die gute Nachricht ist: es gibt eine Lösung. Durch geschickte Lokalisierung, Dimensionierung und Betriebsweise von erneuerbarer Erzeugung, Batteriespeichern und Back up-Kraftwerken sowie Lastflexibilisierung kann mindestens eine deutliche Abschwächung des Anstiegs der Netzentgelte erreicht werden, im besten Fall sogar ein Rückgang. Der Haken dabei: diese optimale Kombination aus Lokalisierung, Dimensionierung und Betriebsweiseder Infrastruktur ergibt sich nicht als Summe betriebswirtschaftlicher Optimierung aller beteiligen Akteure. Sie ergibt sich nur als Resultat kluger regulatorischer Rahmenbedingungen, die aktuell als „Neustart“ der Energiewende diskutiert werden. Eine zentrale Komponente dieses Neustarts ist die Digitalisierung der Netze.
Hierbei geht es nicht nur um Smart Meter für kleinere gewerbliche Abnehmer und Privathaushalte, sondern auch darum, für die Industrie eine bessere Planbarkeit und Vorhersehbarkeit von Stromkosten und Netzentgelten zu ermöglichen. Gerade wenn Flexiblitäten gehoben werden und Produktionsprozesse besser an die Stromverfügbarkeit und die jeweilige Netzbelastung angepassst werden sollen, ist eine durch die Digitalisierung verlängerte Vorlaufzeit entscheidend wichtig.