Deutschlands „Lame-Duck“-Image – wie die Wirtschaft wieder sprinten kann
Fragte man früher ausländische Unternehmen nach deren Sicht auf Deutschland, hörte man oft Komplimente für die deutsche Bürokratie und das Vertrauen in die Qualität und Sicherheit der Produkte. Alle Prozesse liefen geordnet ab, es gab immer Ansprechpartner, vergleichsweise wenig Korruption sowie Produktqualität und Sicherheitsstandards. Stellen wir heute die gleiche Frage, ist die Antwort längst eine andere: Die Bürokratie bremst die Wirtschaft aus und die unzähligen, langwierigen Genehmigungsverfahren bewirken nicht länger Produktqualität und Sicherung von Standards, sondern eine endlose Schleife an Regularien, die Produktideen begraben statt katalysieren. Innovation versinkt im Papierberg; ganze Industrien landen im Müllkorb. Mit anderen Worten – Deutschland ist eine lame duck geworden. Während die Wirtschaft der USA zwischen 2016 und 2025 insgesamt um 24,6% gewachsen ist und die EU (ohne UK) um 14,7% gewachsen ist, bildet Deutschland das Schlusslicht. Mit einem Wirtschaftswachstum von nur 5,3% insgesamt in einem Zeitraum von 2016 bis 2025 heißt der einzige Weg aus dem Beinahe-Stillstand für Deutschland: Geschwindigkeit aufnehmen und Kosten runter.
Rechenzentren gehören zur kritischen Infrastruktur, indem sie die Grundlage für digitale Wertschöpfung bilden. Gleichzeitig gehören sie zu den investitionsintensivsten Bauvorhaben. Internationale Investoren vergleichen nicht nur Energiepreise und Steuerbelastungen, sondern auch die Geschwindigkeit von Verfahren und Genehmigungen. Die Genehmigungsdauer von Rechenzentren liegt in Deutschland bei ungefähr zwei Jahren, während andere Länder nur wenige Monate benötigen. Hält Deutschland diese Zielmarke nicht ein, dann werden sie woanders gebaut. Mit ihnen wandern nicht nur Industrien ab, sondern auch Datenräume, Wertschöpfungsketten, Arbeitsplätze und die Unabhängigkeit Deutschlands.
Der Wirtschaftsrat fordert, nicht gewollte Abhängigkeiten zu eliminieren und maximale Souveränität auch im Datenraum zu ermöglichen. Middle Wear muss in Deutschland ausgebaut werden, ansonsten droht Deutschland nicht nur technologisch abgehängt zu werden, sondern auch von China und auch den USA abhängig zu werden.
Mehr Digitalisierung, weniger Bürokratie – muss die Devise sein.
Der Wirtschaftsrat schlägt drei zentrale Änderungen vor:
- Verbindliche Genehmigungsfristen für Rechenzentren und digitale Schlüsselinfrastrukturen.
- Genehmigungen sollten im Sinne des “Once Only Prinzips” nur ein Mal benötigt werden.
- Berichtspflichten sollten systematisch überprüft werden und nicht exzessiv erweitert. Bei zusätzlichen Berichtspflichten sollten im Sinne des “One in and two out” andere Berichtspflichten entfallen.
Der Wirtschaftsrat befürwortet mehr Vertrauen in die Unternehmen bei weniger Berichts-pflichten. Nachhaltigkeitsberichte, Energieeffizienznachweise, statistische Meldungen oder Umweltdokumentationen erschweren die Arbeit und das Wirtschaften. In Singapur beispielsweise werden Genehmigungen zentral gebündelt und Bearbeitungsfristen verbindlich vorgegeben. Manchmal lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Nur wenn Genehmigungen schneller, Berichtspflichten schlanker und Verwaltungsverfahren digitaler werden, kann der Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten.