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18.06.2026
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EmpCo-Richtlinie: Ein Beispiel für die Distanz zwischen Politik und Wirtschaft

©Adobe Stock (monticellllo)

Schon seit Jahren steht der Einzelhandel unter Druck. Kaufzurückhaltung, steigende Kosten und überbordende Regulierung fordern die Unternehmen stark heraus. Mit der Umsetzung der sogenannten EmpCo-Richtlinie kommt nun eine weitere Belastung hinzu. 

Die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ soll Verbraucher vor Greenwashing „schützen“ und verschärft die Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen deutlich. In Deutschland wurde sie mit der 3. UWG-Novelle (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) umgesetzt. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt: Schon ab dem 27. September 2026 gelten die neuen Vorschriften verbindlich, und das ohne ausreichende Übergangs- und Abverkaufsfristen. 

Der Bruch mit der Realität 

Genau hier entsteht das zentrale Problem. Denn die Logik der Richtlinie passt nicht zur Realität der Handels- und Produktionsprozesse. 

Viele Produkte werden lange, teils viele Monate im Voraus hergestellt, verpackt und ausgeliefert. Gerade im FMCG-Bereich (Fast Moving Consumer Goods) sind Vorlaufzeiten von Wochen oder Monaten die Regel. Händler haben deshalb bereits heute Ware im Umlauf, die unter den bisherigen Regeln völlig rechtmäßig produziert wurde, künftig aber nicht mehr ohne Risiko verkauft werden kann. 

Damit entsteht ein enormer Anpassungsdruck entlang der gesamten Lieferkette. Unternehmen müssen deutlich früher reagieren, als es der Gesetzgeber eigentlich vorsieht. In der Praxis bedeutet das: 

  • Verpackungen müssen schon Monate vor dem Stichtag umgestellt werden,
  • Händler müssen frühzeitig nur noch neue Ware einkaufen,
  • bestehende Bestände werden zum wirtschaftlichen Risiko.

Fehlende Übergangsregelung als Kern des Problems

Formal ist zwar ein Abverkauf bis zum Stichtag möglich. De facto fehlt jedoch eine echte, praktikable Übergangsregelung. Dies führt zu einer Situation, in der bereits produzierte Verpackungen ihre Marktfähigkeit verlieren, damit große Bestände unter Druck geraten und umgekehrt die Hersteller gezwungen sind, schneller als geplant umzusteuern, weil auch die Einzelhändler Planungssicherheit wollen. 

Gerade bei Produkten mit längerer Haltbarkeit oder saisonalen Spitzen – etwa Kosmetik wie Sonnencreme – zeigt sich diese Problematik besonders deutlich. Hier entstehen Planungsfehler zwangsläufig, weil Produktions- und Absatzzyklen schlicht nicht mit dem regulatorischen Stichtag synchronisieren. 

Hohe wirtschaftliche Schäden für Unternehmen

Die Folgen sind nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell erheblich. Mittelständische Unternehmen berichten dem Wirtschaftsrat bereits jetzt von massiven Belastungen, unter anderem durch Umstellung von Produktionsanlagen, Anpassung von Verpackungsdesigns und Druckprozessen sowie zusätzliche Anforderungen an Logistik, Qualitätssicherung, Recht und Personal. 

Im Ergebnis entstehen bereits bei kleinen und mittelständischen Unternehmen häufig Schäden im Bereich von mehreren hunderttausend Euro. 

Ein ökologisches Desaster

Besonders fatal ist die ökologische Wirkung der Regelung. Gerade weil die EmpCo-Richtlinie eigentlich Nachhaltigkeit fördern soll, ist ihre Umsetzung in diesem Punkt besonders absurd. Denn in der Praxis droht die Entsorgung großer Mengen an Verpackungen, im Extremfall die Vernichtung einwandfreier Produkte sowie zusätzliche Emissionen und Ressourcenverbrauch. 

Das klingt surreal, doch wegen häufig nur kleiner Details auf Verpackungen – etwa einzelne Nachhaltigkeitshinweise – werden komplette Verpackungseinheiten obsolet und zum Beispiel Lebensmittel müssen in horrenden Mengen einfach entsorgt werden. 

Für den Wirtschaftsrat ist klar: Dies steht im klaren Widerspruch zu den eigentlichen Klimaschutz- und Ressourcenzielen. 

Das Grundproblem

Gerade am Beispiel der EmpCo-Richtlinie zeigt sich: Regulierung und wirtschaftliche Realität laufen auseinander. Hohe Stückzahlen, geringe Margen und enge Taktungen bedeuten, dass schon kleine regulatorische Änderungen große Auswirkungen haben können, wenn der Regulator nicht mit der Wirtschaft spricht. Diese Dynamik muss durchbrochen werden, um Dinge wie Lebensmittelverschwendung wirksam zu bekämpfen. 

Der Wirtschaftsrat fordert:

  • realistische Übergangs- und Abverkaufsfristen bei Regulatorik für Konsumgüter (im Falle der EmpCo: 12 Monate Abverkaufsfrist für Ware, die vor dem 27. September 2026 her-gestellt wurde),
  • bessere Abstimmung zwischen Regulatoren und Unternehmen,
  • Beenden von unnötiger Lebensmittelverschwendung.

Die EmpCo-Richtlinie verfolgt ein nachvollziehbares Ziel: mehr Transparenz und weniger Greenwashing. In ihrer Umsetzung hat sie jedoch wirtschaftliche und ökologische Nachteile gleichzeitig erzeugt. 

Was fehlt, ist nicht der politische Wille zur Nachhaltigkeit, sondern die praktische Umsetzbarkeit von Projekten wie diesen. Ohne angemessene Übergangsfristen wird aus sinnvoller Regulierung schnell ein Belastungsfaktor – für Unternehmen, Lieferketten und letztlich immer auch für Verbraucher. Gute Regulierung braucht nicht nur klare Ziele, sondern auch realistische Wege.