Bericht
30.06.2026
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Wirtschaftspolitisches Frühstück des Landesverbandes Berlin-Brandenburg

Energiewende erfolgreich gestalten: Infrastruktur stärken, Versorgung sichern, Wettbewerbsfähigkeit erhalten
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Im Rahmen eines wirtschaftspolitischen Frühstücks im Berlin Capital Club begrüßte der Wirtschaftsrat Berlin-Brandenburg Dr. Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender der Siemens Energy AG, zu einem intensiven und facettenreichen Austausch über die Zukunft des Energiesystems sowie die strukturellen Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland.

Im Zentrum der Diskussion stand die tiefgreifende Transformation der deutschen Energieversorgung, die nicht nur eine technologische, sondern vor allem auch eine ordnungspolitische und infrastrukturelle Herausforderung darstellt. Dr. Bruch machte deutlich, dass Deutschland in den kommenden Jahren vor einem signifikant steigenden Strombedarf steht – getrieben durch Elektrifizierung, Digitalisierung und die Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Vor diesem Hintergrund sei ein entschlossener und beschleunigter Ausbau der Stromnetze ebenso unerlässlich wie die Schaffung leistungsfähiger Anschlussstrukturen und die konsequente Stärkung der Systemresilienz. Die Energiewende, so Bruch, sei nur dann erfolgreich, wenn sie als integriertes Gesamtsystem gedacht werde.

In diesem Zusammenhang sprach er sich auch für den gezielten Einsatz moderner, hochflexibler Gaskraftwerke aus, die als Brückentechnologie eine verlässliche Absicherung der Stromversorgung gewährleisten können. Versorgungssicherheit und Klimaschutz dürften nicht als Gegensätze verstanden werden, sondern müssten in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.

Der Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates Berlin-Brandenburg, Herr Dr. Breuel, knüpfte an diese Überlegungen an und betonte die Notwendigkeit einer klaren wirtschaftspolitischen Gesamtstrategie. Die Transformation des Energiesystems erfordere nicht nur technologische Innovationen, sondern vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und beschleunigen. Planungssicherheit, regulatorische Konsistenz und international wettbewerbsfähige Energiepreise seien zentrale Faktoren, um energieintensive Industrien dauerhaft am Standort Deutschland zu halten. Die Energiewende müsse daher integraler Bestandteil einer umfassenden industriepolitischen Agenda sein, die Wachstum, Innovation und Nachhaltigkeit gleichermaßen berücksichtigt.

Mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit relativierte Dr. Bruch verbreitete Annahmen über vermeintlich einfachere Rahmenbedingungen in anderen Wirtschaftsräumen. Deutschland verfüge trotz bestehender struktureller Herausforderungen weiterhin über eine leistungsfähige Infrastruktur, hochqualifizierte Fachkräfte und ein starkes industrielles Ökosystem. Auch in den USA seien die Bedingungen keineswegs durchweg günstiger. Entscheidend sei vielmehr, dass Deutschland seine Stärken konsequent ausspiele und durch kluge politische Weichenstellungen ergänzt. Investitionsentscheidungen würden zunehmend im globalen Kontext getroffen – umso wichtiger sei es, ein konsistentes und verlässliches Gesamtbild zu bieten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Ausbau der Offshore-Windenergie, die eine tragende Rolle im zukünftigen Energiemix einnehmen soll. Dr. Bruch verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf die kritische Bedeutung eines synchronisierten Netzausbaus. Der zügige Aufbau von Erzeugungskapazitäten müsse zwingend mit der rechtzeitigen Bereitstellung entsprechender Netzanschlüsse einhergehen, um Effizienzverluste und Verzögerungen zu vermeiden. Die Herausforderung liege weniger im technologischen Fortschritt als vielmehr in der Koordination komplexer Planungs- und Genehmigungsprozesse.

Auch die Perspektiven der Wasserstoffwirtschaft wurden eingehend erörtert. Dabei wurde deutlich, dass die Erwartungen zuletzt eine gewisse realistische Korrektur erfahren haben. Gleichwohl bleibt Wasserstoff – insbesondere für schwer elektrifizierbare Industrieprozesse – ein zentraler Baustein einer langfristig klimaneutralen Energiearchitektur. Entscheidend werde sein, internationale Wertschöpfungsketten aufzubauen und die Infrastruktur schrittweise zu entwickeln, ohne kurzfristig überzogene Erwartungen zu formulieren.

Darüber hinaus wurde die strategische Bedeutung resilienter und diversifizierter Lieferketten hervorgehoben. Angesichts geopolitischer Spannungen und zunehmender Fragmentierung der Weltwirtschaft sei eine stärkere Unabhängigkeit von einseitigen Abhängigkeiten erforderlich. Gleichzeitig unterstrichen sowohl Dr. Bruch als auch Dr. Breuel, dass technologische Innovationskraft auch künftig der entscheidende Wettbewerbsfaktor bleiben werde. Nur durch kontinuierliche Investitionen in Forschung, Entwicklung und industrielle Skalierung könne Deutschland seine Position im globalen Wettbewerb behaupten.

Abschließend machte Dr. Bruch deutlich, dass die Energiewelt der Zukunft durch Vielfalt, Interdependenz und steigende Komplexität geprägt sein wird. Unterschiedliche Energieträger, Technologien und Infrastrukturen werden komplementär zusammenwirken müssen. Um diese Transformation erfolgreich zu gestalten, bedarf es erheblicher Investitionen in Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Innovation. Ebenso unerlässlich sind stabile, transparente und wettbewerbsfähige politische Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Handeln fördern und langfristige Planung ermöglichen.

Dr. Breuel unterstrich abschließend, dass die Energiewende nur dann zu einem Erfolgsmodell werden könne, wenn wirtschaftliche Vernunft, technologische Offenheit und politische Entschlossenheit zusammengeführt werden. Der Wirtschaftsrat werde diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und Impulse für eine wachstumsorientierte und marktwirtschaftlich fundierte Energiepolitik setzen.

Der Wirtschaftsrat Berlin-Brandenburg dankt Herrn Dr. Bruch herzlich für diesen tiefgehenden und erkenntnisreichen Austausch.