Flughafen Bremen vor großen Herausforderungen
Beim Unternehmerfrühstück des Bremer Wirtschaftsrats in der einladenden Atmosphäre von La Cocina stand die Zukunft des Flughafenstandorts Bremen im Mittelpunkt. Dr. Marc Cezanne, Geschäftsführer der Flughafen Bremen GmbH, gab dabei einen Einblick in die aktuelle wirtschaftliche Situation des Flughafens, die Herausforderungen für den Luftverkehrsstandort Deutschland und mögliche Perspektiven für Bremen.
Cezanne machte deutlich, dass sich der deutsche Luftverkehr nach wie vor unter dem Niveau der Zeit vor der Corona-Pandemie befindet. Gleichzeitig seien die Rahmenbedingungen für Airlines und Flughäfen in Deutschland besonders herausfordernd. Hohe staatlich verursachte Standortkosten, Steuern und Gebühren sowie steigende Personal- und Betriebskosten belasteten die Wettbewerbsfähigkeit. Die Standortkosten in Deutschland lägen teilweise deutlich über denen anderer europäischer und internationaler Standorte.
Auch die Airlines stünden unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung der Lufthansa, die Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt einzustellen, eine rationale wirtschaftliche Entscheidung gewesen. Die Verbindung habe zuletzt ein erhebliches Defizit verursacht. Cezanne betonte, dass eine hohe Auslastung eines Flugzeugs nicht automatisch bedeute, dass eine Flugverbindung profitabel sei. Auch die Lufthansa selbst befinde sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation.
Für den Flughafen Bremen bedeute dies, die eigenen Strukturen und Kosten kritisch zu hinterfragen. Cezanne sprach sich für mehr Kostenbewusstsein und ein Umdenken aus. Einsparungen seien zwar unpopulär, angesichts der wirtschaftlichen Lage aber notwendig. Die Stadt Bremen und der Aufsichtsrat unterstützten daher die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen.
Ein weiterer Punkt waren die Betriebszeiten des Flughafens. Auch hier bestünden Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts beeinflussten. Insgesamt brauche es nach Cezannes Einschätzung bessere Rahmenbedingungen für den Luftverkehr in Deutschland, damit Flughäfen im internationalen Wettbewerb bestehen könnten.
Trotz der schwierigen Lage sieht Cezanne auch Chancen für den Bremer Standort. Insbesondere die mögliche stärkere Nutzung des Standorts durch die Bundeswehr beziehungsweise die Luftwaffe könne eine Perspektive darstellen.
Auch die Klimadebatte wurde angesprochen. Cezanne wies darauf hin, dass eine Reduzierung des Flugangebots in Deutschland nicht zwangsläufig zu einer entsprechenden Reduzierung der CO₂-Emissionen führe. Denn die Flüge würden dadurch nicht unbedingt entfallen, sondern könnten stattdessen von anderen Flughäfen aus stattfinden.
Seine Einschätzung zur weiteren Entwicklung des Flughafens fiel insgesamt verhalten aus. Gleichzeitig sieht Cezanne gerade in der schwierigen Situation einen Anlass, Veränderungen anzustoßen. Wenn die aktuelle Lage bereits herausfordernd sei, könne es kaum schlechter werden, wenn bestehende Strukturen mutig hinterfragt und neue Wege ausprobiert würden.
Sein Fazit: Bremen brauche den Mut zum Umdenken – und den Willen, auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Nur mit wirtschaftlich tragfähigen Strukturen und besseren Rahmenbedingungen könne der Flughafen langfristig als wichtiger Bestandteil des Wirtschaftsstandorts Nordwest gesichert werden.