Finanzmarktklausur 2026 in Brüssel
Wie kann Europa mehr privates Kapital für Investitionen mobilisieren, seine Finanzmarktregulierung vereinfachen und den Digitalen Euro praxistauglich ausgestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Finanzmarktklausur 2026, zu der der Wirtschaftsrat am 24. Juni 2026 – erstmals in Brüssel – eingeladen hatte.
Die Finanzmarktklausur Brüssel brachte hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus den europäischen Institutionen, der Politik und der Finanzwirtschaft zusammen. Im Zentrum der Diskussionen standen drei zentrale Projekte für die Zukunft des europäischen Finanzstandortes: die Spar- und Investitionsunion (SIU), die Vereinfachung der Finanzmarktregulierung sowie der Digitale Euro.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Detlef Fechtner, Chefreporter der Börsen-Zeitung. Im Rahmen ihrer Eröffnungsrede unterstich Corinna Grajetzky, Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel, die Bedeutung gemeinsamer europäischer Lösungen. Gerade angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen brauche Europa wettbewerbsfähige Finanzmärkte und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen.

Die Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel Corinna Grajetzky (© Eric Berghen)
Den ersten inhaltlichen Schwerpunkt setzte Maria Luís Albuquerque, EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen sowie die Spar- und Investitionsunion. In ihrer Keynote erläuterte sie, wie private Ersparnisse stärker für Innovation und die Finanzierung europäischer Unternehmen mobilisiert werden können.

EU-Kommissarin Maria Luís Albuquerque (© Eric Berghen)
Europa verfügt über umfangreiches privates Kapital. Ein erheblicher Teil dieses Vermögens fließt jedoch bislang nicht in langfristige Investitionen innerhalb der Europäischen Union. Die Spar- und Investitionsunion soll deshalb v.a. den (grenzüberschreitenden) Zugang zu den Kapitalmärkten verbessern und EU-Bürgerinnen und -bürgern attraktivere Möglichkeiten zum Vermögensaufbau eröffnen.
Im anschließenden Panel diskutierten Dirk Gotink MdEP; Astrid Cousin, Direktorin in der Generaldirektion Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion bei der Europäischen Kommission; Stéphane Priami, CEO von Crédit Agricole International Banking & Services; Dr. Matthias Voelkel, CEO der Börse Stuttgart Gruppe; Björn Ebert, Financial Services Leader bei PwC Luxembourg sowie Reinhardt Messerschmidt, Country Manager International Banking der CaixaBank.

Von links nach rechts: Reinhardt Messerschmidt, Stéphane Priami, Astrid Cousin, Dr. Detlef Fechtner, Dirk Gotink MdEP, Dr. Matthias Voelkel und Björn Ebert (© Eric Berghen)
Deutlich wurde insbesondere der Reformbedarf bei der Altersvorsorge. Eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge kann nicht nur zur finanziellen Absicherung der Bürgerinnen und Bürger beitragen, sondern zugleich privates Kapital für europäische Investitionen erschließen. Dafür braucht es verständliche und attraktive Anlageprodukte sowie Rahmenbedingungen, die grenzüberschreitende Investitionen erleichtern. Das gemeinsame Fazit: Die Ziele der Spar- und Investitionsunion sind formuliert – nun müssen Politik und Privatwirtschaft die Umsetzung entschlossen vorantreiben.
Einen weiteren Impuls gab Valdis Dombrovskis, EU-Kommissar für Wirtschaft und Produktivität, Umsetzung und Vereinfachung. Im Mittelpunkt seiner Keynote stand die Vereinfachungsagenda der Europäischen Kommission sowie der Digitale Euro.

EU-Kommissar Valdis Dombrovskis (© Eric Berghen)
Europäische Regulierung muss ihre politischen Ziele erreichen, ohne Unternehmen durch widersprüchliche Vorgaben oder unverhältnismäßige Berichtspflichten zu belasten. Eine wirksame Vereinfachung bedeutet dabei nicht, notwendige Standards pauschal abzubauen. Vielmehr geht es darum, bestehende Regelwerke kohärenter und praxistauglicher zu gestalten.
Im anschließenden Power Talk „Simplification“ diskutierten Michael Hager, Kabinettschef von Kommissar Dombrovskis; Christian König, Managing Director der European Federation of Building Societies; sowie Johannes Pockrandt, Managing Director und Head of Government Affairs Europe and UK bei Citi.

Michael Hager (© Eric Berghen)

Von links nach rechts: Johannes Pockrandt, Dr. Detlef Fechtner, Michael Hager, Christian König (© Eric Berghen)
Die Gesprächsteilnehmenden machten deutlich, dass einzelne technische Anpassungen allein nicht ausreichen. Europa braucht einen systematischen Ansatz zur Vereinfachung, der sowohl neue Gesetzgebung als auch bestehende Vorschriften in den Blick nimmt. Nur durch weniger Fragmentierung und klarere regulatorische Anforderungen können Investitionen erleichtert und die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Finanzunternehmen gestärkt werden.
Das abschließende Panel widmete sich dem Digitalen Euro. Auf dem Podium diskutierten Markus Ferber MdEP, EVP-Koordinator im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments; Nicolò Brignoli, Kabinettsmitglied von Kommissar Dombrovskis; Evelien Witlox, Direktorin Digitaler Euro bei der Europäischen Zentralbank; Dr. Heike Winter, Bereichsleiterin „Analyse, Policy, Ökosystem Digitaler Euro“ bei der Deutschen Bundesbank; Simon Seiter, CFO der AllUnity GmbH; Tanja Müller-Ziegler, Mitglied des Vorstands des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken; sowie Hendrik Bourgeois, Mitglied des European Leadership Teams bei Mastercard.

Von links nach rechts: Hendrik Bourgeois, Dr. Heike Winter, Nicolò Brignoli, Tanja Müller-Ziegler, Dr. Detlef Fechtner, Markus Ferber MdEP, Evelien Witlox, Simon Seiter (© Eric Berghen)
Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen konkreten Mehrwert der Digitale Euro schaffen kann. Einigkeit bestand darin, dass seine Akzeptanz maßgeblich von Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz abhängen wird. Zugleich muss die Privatwirtschaft frühzeitig und umfassend in die weitere Ausgestaltung einbezogen werden.
Der Digitale Euro sollte bestehende privatwirtschaftliche Zahlungslösungen sinnvoll ergänzen, anstatt sie zu verdrängen. Dafür braucht es klare Rollen für Banken und Zahlungsdienstleister sowie Rahmenbedingungen, die Innovation und Wettbewerb weiterhin ermöglichen.
Zum Abschluss fasste Lutz Diederichs, CEO von BNP Paribas Deutschland und Vorsitzender der Bundesfachkommission Europäische Finanzmarkt- und Währungspolitik des Wirtschaftsrates, die zentralen Ergebnisse präzise zusammen.

Lutz Diederichs (© Eric Berghen)
Die Diskussionen der Finanzmarktklausur zeigten: Europa verfügt sowohl über Kapital als auch über Expertise und Innovation. Um dieses Potenzial besser zu nutzen, braucht es jedoch stärker integrierte Finanzmärkte, eine bessere Regulierung, und Projekte, die sich am praktischen Nutzen für EU-Bürgerinnen und -bürger bzw. europäische Unternehmen orientieren.
Die Spar- und Investitionsunion, die Vereinfachung der Finanzmarktregulierung und der Digitale Euro sind dabei eng miteinander verbunden. Ihre erfolgreiche Umsetzung wird entscheidend dafür sein, ob Europa seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit langfristig sichert.