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Bericht
23.08.2022
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Hamburger Jahresempfang mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

Deutschlands Energieversorgung im Fokus
©Frank Soens

Mehr als 300 Mitglieder, hochkarätige Gäste und Freunde des Wirtschaftsrates kamen im Hotel Atlantic zum Hamburger Jahresempfang zusammen, der aufgrund der Pandemie in diesem Jahr nicht als Neujahrsempfang stattfinden konnte. Im Großen Festsaal des Hotels erlebten die Teilnehmer mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer einen Ehrengast, der klare Worte fand. 

Thies Goldberg, seit Ende des letzten Jahres neuer Landesvorsitzender des Hamburger Wirtschaftsrates, kritisierte in seiner Eröffnungsansprache u.a. die Politik der Ampelkoalition: „Es gibt keine wirkliche wirtschaftspolitische Agenda, die sich mit der Sicherung, der Fortentwicklung und der Neuerfindung von Wertschöpfungsketten und damit dem Einkommenspotenzial der Zukunft beschäftigt.“ Der Landesvorsitzende warnte davor, dass sich die Koalition in vielen Fragen gefährlich uneins sei, was zu Stillstand statt Fortschritt führe. "Pragmatismus und Vernunft statt Ideologie und gutmenschliches Wünsch-Dir-Was, realistischer Sinn für Machbarkeit sind die Gebote der Zeit, um den aktuellen politischen, ökologischen und ökonomischen Bedrohungen zu begegnen." 

Die Präsidentin des Wirtschaftsrates Astrid Hamker warnte vor einer der größten Versorgungskrisen seit 1995. Europa müsse sich bei der Sicherstellung der Energie- und Rohstoffversorgung breiter und vor allem abgestimmt aufstellen. Sie forderte eine vollständige Neuausrichtung der deutschen Energiearchitektur: „Wir müssen feststellen, dass Gas nicht die Brückentechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 ist und sollten technologieoffen überlegen, auf welches Fundament wir unsere Energieversorgung in den kommenden Jahren stellen wollen.“ 

Ministerpräsident Michael Kretschmer ging ausführlich auf die aktuelle Situation Deutschlands in Europa ein. Man erlebe derzeit eine Energiepreisverteuerung, die für Deutschland toxisch sei, aber erst den Anfang darstelle. In anderthalb Jahren könnten Mehrkosten für Gas in Höhe von 500 Mrd. Euro auf Deutschland zukommen. Außerdem sei das Land nur mit Windkraft und Solarenergie nicht sicher zu versorgen. Im vergangenen Dezember habe es erstmalig die Situation gegeben, dass in Deutschland nicht mehr genügend grundlastfähige Energie aus Atomkraft und Kohle zur Verfügung gestanden habe. Da Gas als Ersatz nun ebenfalls nicht mehr nutzbar sei, müsse die Bundesregierung dringend eine neue Energiewende konzipieren. „Für ein Industrieland wie Deutschland ist die Stromversorgung essentiell und die Achillesverse unserer Volkswirtschaft. Selbst kleinste Blackouts wirken sich standortgefährdend aus, da u.a. Mikroelektronik und Chemieindustrie auf eine gesicherte Versorgung angewiesen sind“, so Kretschmer.  

Das Schlusswort des Abends übernahm Eva van Pelt, Co-Vorstandsvorsitzende der Eppendorf SE. Sie hob die Bedeutung des Industrie- und Forschungsstandorts für Hamburg hervor und wünschte sich von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen. Das Hamburger Unternehmen mit weltweit über 5.000 Mitarbeitern konnte für 2021 einen Rekordumsatz von 1,1 Mrd. Euro erwirtschaften.

Beim anschließenden Get-together ließ es sich Ministerpräsident Kretschmer nicht nehmen, mit den Teilnehmern ins Gespräch zu kommen.