Ohne Schifffahrt kein Handel – Strategien für sichere maritime Lieferketten
Geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen und zunehmende Unsicherheiten auf den internationalen Handelswegen stellen Häfen und Schifffahrt vor neue Herausforderungen. Bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion auf Initiative der Länderfachkommission „Maritime Wirtschaft“ diskutierte der Wirtschaftsrat Hamburg beim Bankhaus DONNER & REUSCHEL darüber, wie Deutschland seine maritimen Lieferketten besser schützen und seine Widerstandsfähigkeit stärken kann.
Schnell wurde deutlich, dass sich die Sicherheitslage für die maritime Wirtschaft grundlegend verändert hat. Lucius Bunk, Geschäftsführender Gesellschafter der Auerbach Schifffahrt GmbH & Co. KG, leitete mit der Feststellung ein, dass manipulierte Navigationssignale, sogenannte Spoofing-Angriffe, sowie weitere hybride Bedrohungen sich inzwischen unmittelbar auf die zivile Schifffahrt auswirken. Gunther Bonz, Präsident der Federation of European Private Port Operators (FEPORT), mahnte, Deutschland sei auf diese neue Bedrohungslage noch nicht hinreichend vorbereitet. Es fehle vielfach an dem notwendigen Bewusstsein für die veränderte sicherheitspolitische Realität. Gleichzeitig forderte er eine Neuausrichtung der deutschen Werftenpolitik und eine stärkere Berücksichtigung sicherheitsrelevanter Anforderungen bei Hafen- und Terminalflächen.
Dr. Gaby Bornheim, Präsidentin des Verbands Deutscher Reeder, betonte, dass die Handels- und kommerzielle Schifffahrt konsequenter in staatliche Sicherheitskonzepte einbezogen werden müsse. Übungen wie „Red Storm Bravo“ und „Red Storm Charlie“ seien ein wichtiger Anfang. Gleichzeitig müsse klar sein, dass eine höhere Widerstandsfähigkeit und Sicherheit erhebliche Investitionen erfordern.
Fregattenkapitän Frank Lange gab Einblicke in die Herausforderungen der täglichen Lagebewertung auf Nord- und Ostsee sowie auf internationalen Seewegen. Am Beispiel der Straße von Hormus machte er deutlich, wie schwierig die Einschätzung einer Lage angesichts zahlreicher lokaler Akteure und schwer vorhersehbarer Entscheidungen sein könne. Durch eine engere Zusammenarbeit verschiedener Behörden und Institutionen sei die Marine heute jedoch besser in der Lage, auf verdächtige Aktivitäten zu reagieren. Seine Schlussfolgerung für den Umgang mit neuen Bedrohungen war eindeutig: „Üben, üben, üben!“
Dr. Antonia Goldner MdHB, hafenpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion Hamburg, forderte, den Hamburger Hafen stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Der Hafen sei eine zentrale Grundlage für Wohlstand, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stärke, gleichzeitig bestehe erheblicher Investitionsbedarf. Auch der seit Jahrzehnten nicht angepasste Hafenlastenausgleich müsse neu bewertet werden. Mit Blick auf die sicherheitspolitische Lage appellierte sie an ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für Verteidigungsfähigkeit: „Wir müssen bereit sein, uns zu verteidigen.“ Andere europäische Länder seien hierbei teilweise bereits weiter: „In Polen lernen die Kinder Schießen in der Schule.“
Die Diskussion zeigte: Sichere Häfen und Handelswege sind längst nicht mehr allein eine wirtschaftspolitische Frage. Maritime Sicherheit, leistungsfähige Infrastruktur und funktionierende Lieferketten sind entscheidende Voraussetzungen für die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit Deutschlands. Dafür braucht es ein stärkeres Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Häfen, Handelsschifffahrt und Bundeswehr.