Bauland schneller mobilisieren: Wohnraum als Standortfaktor
Das Netzwerk Immobilien des Wirtschaftsrates Hessen diskutierte bei Schüco International KG in Frankfurt über bezahlbaren Wohnraum im Rhein-Main-Gebiet. Im Fokus standen kommunale Herausforderungen, schnellere Planungsverfahren und die Frage, wie Baulandentwicklung für Städte und Gemeinden tragfähig gestaltet werden kann.
Nach der Begrüßung durch Oliver Roth, Sprecher des Netzwerkes Immobilien, gab Patrick Burghardt, Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim am Main, einen praxisnahen Einblick in die kommunalen Herausforderungen der Wohnraumschaffung. Am Beispiel Rüsselsheim zeigte er, dass die Zukunft einer Stadt immer auch auf ihrer Vergangenheit aufbaut. Für die kommenden Jahre seien dort zahlreiche Hektar für neuen Wohnraum vorgesehen. Zugleich mache das Projekt Eselswiese, dessen erste Planungen bis ins Jahr 1993 zurückreichen, deutlich, wie langwierig und komplex Baulandentwicklung in der Praxis ist.
Burghardt betonte, dass Wohnungsbau weit über die Ausweisung neuer Flächen hinausgeht. Kommunen müssen Schulen, Kitas, Verkehrsanbindung, Lärmschutz und weitere Infrastruktur von Beginn an mitdenken und finanzieren. Gerade diese Folgekosten stellen viele Städte und Gemeinden vor erhebliche Herausforderungen. Umso wichtiger sei es, Kommunen stärker in Arbeitsgruppen und Gesetzgebungsprozesse einzubeziehen, etwa bei Fragen der Hessischen Bauordnung.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Patrick Burghardt, Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main, Antje Koşan, Abteilungsleiterin Planung beim Regionalverband FrankfurtRheinMain, Thomas Müller, Geschäftsführer von Terramag, und Klaus Schindling, Bürgermeister der Stadt Hattersheim am Main, wurde deutlich, dass viele Instrumente zur Baulandmobilisierung bereits vorhanden sind. Entscheidend seien jedoch Umsetzungswille, schnellere Verfahren und eine bessere Abstimmung zwischen Kommunen, Regionalplanung und Land. Gerade in Südhessen spiele die Regional- und Flächennutzungsplanung eine zentrale Rolle, da sie die Grundlage dafür bildet, dass Städte und Gemeinden Bebauungspläne aufstellen und Projekte tatsächlich realisieren können.
Einigkeit bestand darin, dass Kommunen keine finanziellen Nachteile haben dürfen, wenn sie Bauland ausweisen. Neue Wohngebiete verursachen hohe Folgekosten, etwa durch den Ausbau von Kinderbetreuung, Schulen und Infrastruktur. Deshalb brauche es finanzielle Ausgleichsmechanismen, damit Baulandentwicklung nicht zum kommunalpolitischen Risiko wird. Gleichzeitig wurde gefordert, planungsrechtliche Regulierung zu reduzieren, Verfahren zu vereinfachen und politische Vereinbarkeit vor Ort herzustellen.
Die Diskussion zeigte auch, dass Baulandentwicklung häufig mit erheblichem politischen Druck verbunden ist. Bürgerinteressen, wirtschaftliche Anforderungen, ökologische Fragen, Lärmschutzgrenzen und finanzielle Tragfähigkeit müssen zusammengeführt werden. In Städten im Umfeld des Flughafens kommen zusätzliche Einschränkungen hinzu, die weitere Flächenausweisungen erschweren. Umso wichtiger sind eine engere Zusammenarbeit mit dem Regionalverband, eine fairere Verteilung der Lasten in der Region und die Reform bestehender Instrumente wie der Baulandumlegung.
Ein herzlicher Dank gilt Schüco International KG für die Gastfreundschaft, Sezai Cifci für die Moderation sowie allen Referenten und Teilnehmern für den offenen und lösungsorientierten Austausch.