Bericht
09.03.2026
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Industrie im Wandel: Frankfurt zwischen Innovation und Herausforderungen

Experten diskutieren Chancen, Herausforderungen und Perspektiven der Frankfurter Industrie bis 2030.
©Wirtschaftsrat Hessen

Frankfurt ist nicht nur Finanzmetropole, sondern auch ein bedeutender Industriestandort. Die Stadt verbindet internationale Märkte, exzellente Infrastruktur und innovative Unternehmen. Gleichzeitig stehen Industrieunternehmen vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Energiepreise und der Transformationsdruck hin zu nachhaltigen Technologien verlangen strategische Entscheidungen und Investitionen.

Unter dem Titel „Frankfurt 2030 – Wie zukunftsfähig ist der Industriestandort?“ diskutierten führende Experten über die aktuelle Lage und die Perspektiven der Industrie in der Region. Dabei standen zentrale Fragen im Mittelpunkt: Wie können Industrie-Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben? Welche Branchen werden künftig den Industriestandort prägen? Welche Maßnahmen sind nötig, um Fachkräfte zu gewinnen und die Digitalisierung voranzutreiben? Und wie kann Frankfurt seine industrielle Stärke langfristig sichern?

Dr. Joachim Kreysing, Mitglied der Geschäftsführung der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, beleuchtete die Entwicklungen im Industriepark Höchst. Dieser hatte in der Vergangenheit schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Die Chemiebranche kämpfte jedoch derzeit mit hohen Energiepreisen und internationalem Wettbewerbsdruck, insbesondere durch China. Die Risiken reichten von schleichender Deindustrialisierung bis zu Lieferkettenunterbrechungen, welche auch durch politische Rahmenbedingungen stark beeinflusst sind. Kreysing betonte die Dringlichkeit, die Weichen frühzeitig zu stellen und Klimaziele ehrlich umzusetzen, um den Standort auch langfristig zu sichern.

Dr. Clemens Christmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt, analysierte die strukturellen Herausforderungen der Industrie. Politik und Gesellschaft hätten oft kein Verständnis für die wirtschaftlichen Impulse, die von der Industrie ausgingen. Dazu kommen die Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung in MINT-Fächern sowie die öffentliche Wahrnehmung von industriellen Berufen. Christmann forderte, die Rahmenbedingungen wieder industriefreundlich zu gestalten und die Verantwortung wieder stärker auf Bürger und Unternehmen zu verlagern.

Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Agentur GmbH und Hessen Trade & Invest GmbH, stellte die Chancen Hessens und Frankfurts heraus. Hessen ist stark im Pharma- und Chemiebereich aufgestellt. Frankfurt bietet zudem exzellente Forschungs- und Innovationsinfrastrukturen sowie einen leistungsstarken Branchenmix. Die hohe Qualifikation der Fachkräfte und die zentrale Lage schaffen ideale Bedingungen, um Wachstum, Innovation und Nachhaltigkeit zu verbinden. Waldschmidt unterstrich aber die Bedeutung zügiger Umsetzungen von EU- und Bundesregelungen, betonte aber auch die Standorttreue von vielen Industrieunternehmen trotz der vielen Herausforderungen.

In der anschließenden Diskussion wurden Möglichkeiten erörtert, wie die Stadt Frankfurt die ansässige Industrie gezielt unterstützen konnte – von dualer Ausbildung über verbesserte Infrastruktur bis hin zu flexibleren Bebauungs- und Genehmigungsprozessen. Ziel war es, konkrete Wege aufzuzeigen, wie die Stadt ihre industrielle Zukunft sichern und Wachstum, Innovation und Nachhaltigkeit miteinander verbinden kann.

Wir bedanken uns bei Infraserv GmbH & Co. Höchst KG und dem Verband der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Hessen für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung.