Bericht
15.04.2026
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Krankenhausversorgung im Krisenfall: Wege zu mehr Resilienz im Gesundheitswesen

In der BG Unfallklinik Frankfurt diskutierten Vertreter aus Politik, Medizin und der Bundeswehr über die Belastbarkeit des deutschen Gesundheitssystems.
©Wirtschaftsrat Hessen

Die Frage, wie leistungsfähig das deutsche Gesundheitssystem in Ausnahmesituationen wirklich ist, stand im Zentrum einer hochkarätig besetzten Veranstaltung des Netzwerks Gesundheit in der BG Unfallklinik Frankfurt. Bereits in ihrer Begrüßung machte Kathrin Weis, Netzwerksprecherin Gesundheit des Wirtschaftsrates Hessen, deutlich, worum es an diesem Abend ging: Um schnelle Entscheidungen, eingespielte Abläufe und Menschen, die im Ernstfall Verantwortung übernehmen. Krisen, so ihr Leitgedanke, halten sich nicht an Zuständigkeiten. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Politik, zwischen zivilen und militärischen Strukturen sowie zwischen allen Akteuren, die in Ausnahmelagen handlungsfähig bleiben müssen.

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In seiner Keynote zeichnete Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus, Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, ein eindringliches Bild der aktuellen sicherheitspolitischen Lage. Die Bedrohungslage nehme stetig zu, nicht zuletzt durch hybride Gefahren und damit wachse auch der Druck auf die gesundheitliche Versorgung. Zugleich werde aber immer deutlicher, dass belastbare Versorgungssysteme kein Selbstläufer seien. Nur wenn Zuständigkeiten, Kommunikationswege und Versorgungsstrukturen frühzeitig geregelt würden, könne im Ernstfall rasch und koordiniert gehandelt werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde dieser Gedanke aus unterschiedlichen Perspektiven vertieft. Staatsminister Prof. Dr. Roman PoseckProf. Dr. Klaus Markstaller, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Augsburg, und Prof. Dr. Matthias Münzberg, Geschäftsführer Medizin und Ärztlicher Direktor der BG Unfallklinik Frankfurt, diskutierten darüber, wie resilient das deutsche Gesundheitssystem tatsächlich ist und woran es im Zweifel noch fehlt. Deutlich wurde dabei: Ein potenzieller Angreifer beobachtet sehr genau, wie widerstandsfähig eine Gesellschaft organisiert ist. Resilienz ist deshalb nicht nur eine Frage der medizinischen Leistungsfähigkeit, sondern auch ein sicherheitspolitischer Faktor.

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Einigkeit bestand darin, dass Deutschland und Europa grundsätzlich über ein belastbares Gesundheitssystem verfügen. Die Kapazitäten seien vorhanden, entscheidend sei jedoch ihre Orchestrierung. Gerade im Krisenfall komme es darauf an, vorhandene Ressourcen schnell, zielgerichtet und abgestimmt einzusetzen. Besondere Bedeutung erhielt in diesem Zusammenhang die zivile militärische Zusammenarbeit. Wenn große Schadenslagen oder gar Bündnisfälle bewältigt werden müssten, sei ein enges Zusammenspiel zwischen Krankenhäusern, staatlichen Stellen, Sicherheitsbehörden und der Bundeswehr unerlässlich. Es brauche klare Entscheidungsstrukturen und die ehrliche Beantwortung der Frage, wer in einer solchen Lage eigentlich führt. 

Neben institutionellen Fragen rückte auch die Rolle der Bevölkerung in den Fokus. Das Bewusstsein für Gefahrenlagen sei in Deutschland vielfach noch zu wenig ausgeprägt, hieß es auf dem Podium. Über Jahre habe man sich in einer trügerischen Sicherheit eingerichtet. Nun gehe es darum, ohne Panik zu erzeugen, eine neue Kultur der Vorsorge zu etablieren. Dazu gehöre auch, Bürgerinnen und Bürger stärker in die Eigenverantwortung zu bringen und den Bevölkerungsschutz breiter zu verankern. Die Sensibilisierung für Krisen, Krieg und Katastrophenschutz müsse deutlich zunehmen, nicht als Alarmismus, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Reife und Vorbereitung.

Auch konkrete Instrumente wurden diskutiert. Genannt wurden unter anderem ein zentraler Bettennachweis, bessere Vorsorgemechanismen und gesetzliche Regelungen, die Versorgungssicherheit nicht erst im Ernstfall organisieren, sondern schon in der Vorbereitung absichern. Gleichzeitig wurde betont, dass der eingeschlagene Weg bei der Krankenhausreform grundsätzlich richtig sei, vorausgesetzt, er werde mit Blick auf Krisenfestigkeit und Kooperationsfähigkeit weitergedacht. 

Zum Abschluss wurde noch einmal deutlich, worin die zentrale Botschaft des Abends lag: Kein Akteur kann diese Herausforderung allein bewältigen. "Wir müssen es gemeinsam tun, weil es nur dann leistbar wird", dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Die Diskussion in der BG Unfallklinik Frankfurt machte eindrucksvoll sichtbar, dass die Vorbereitung auf Krisen nicht erst mit dem Ausnahmezustand beginnt, sondern lange vorher. Gefragt sind verlässliche Strukturen, geübte Zusammenarbeit und der gemeinsame Wille, Verantwortung zu übernehmen. Gerade darin liegt die eigentliche Stärke eines resilienten Gesundheitssystems.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Teilnehmern der Podiumsdiskussion, Frau Aguedita Afemann für die Moderation und der BG Unfallklinik Frankfurt für die Gastfreundschaft.