Bericht
03.03.2026
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Technologie mit großem Potenzial: Laserfusion im Kraftwerk der Zukunft

Bei einem Besuch bei Focused Energy informierte sich die Sektion Darmstadt-Dieburg über die Chancen der Laserfusion und das geplante Fusionskraftwerk.
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Die Energieversorgung der Zukunft steht vor großen Herausforderungen: Sie muss sauber, sicher und zuverlässig sein. Eine Technologie mit großem Potenzial ist die Kernfusion – der Prozess, der auch im Inneren der Sonne enorme Energiemengen freisetzt. Besonders die Laserfusion gilt als vielversprechender Ansatz, um diese Energiequelle künftig technisch nutzbar zu machen.

Um mehr über den aktuellen Stand dieser Technologie zu erfahren, war die Sektion Darmstadt-Dieburg bei Focused Energy zu Gast. Unter dem Titel „Sonnenfeuer auf der Erde – Laserfusion im Kraftwerk der Zukunft“ informierten sich die Teilnehmer über die Grundlagen der Laserfusion und über das geplante Laserfusionskraftwerk am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Markus Roth, Chief Science Officer von Focused Energy. Er erläuterte den aktuellen Stand der Fusionsforschung und machte deutlich, dass sich die Kernfusion derzeit in einer Übergangsphase vom wissenschaftlichen Forschungsfeld hin zu einer industriellen Technologie befindet. Hintergrund ist der steigende Energiebedarf weltweit: Erneuerbare Energien leisten zwar einen wichtigen Beitrag, können den Bedarf bislang jedoch nicht vollständig decken, während konventionelle Energieerzeugung Ressourcen verbraucht und zur Erderwärmung beiträgt.

Bei der Kernfusion verschmelzen leichte Atomkerne zu schwereren, wobei ein Teil der Masse in Energie umgewandelt wird. Das enorme Potenzial dieser Energiequelle verdeutlichte Roth mit einem anschaulichen Vergleich: Die Energiemenge von Fusionsbrennstoff in der Größe einer Energy-Drink-Dose könnte theoretisch ein Einfamilienhaus rund 2000 Jahre lang mit Strom versorgen.

Im Unterschied zur Kernspaltung entstehen bei der Fusion weder unkontrollierbare Kettenreaktionen noch vergleichbare Mengen langlebigen radioaktiven Abfalls. Probleme, wie sie bei Unfällen etwa in Chernobyl oder Fukushima Daiichi sichtbar wurden, können bei der Fusion grundsätzlich nicht auftreten.

Deutschland hat lange Zeit vor allem auf Magnetfusion gesetzt und unter anderem einen wichtigen Beitrag zum internationalen Forschungsprojekt ITER geleistet. Erst in jüngerer Zeit richtet sich der Blick verstärkt auch auf die Laserfusion. Derzeit arbeiten mehrere Start-ups in Deutschland an entsprechenden Technologien, darunter auch Focused Energy, das aus der TU Darmstadt hervorgegangen ist.

Gemeinsam mit dem Energiekonzern RWE und weiteren Partnern arbeitet das Unternehmen an der Umsetzung eines Laserfusionskraftwerks am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis. Ziel ist es, die Technologie aus dem Labor in den industriellen Maßstab zu überführen. Nach aktuellen Planungen könnte Mitte der 2030er Jahre erstmals Strom aus einem solchen Kraftwerk erzeugt werden.

Neben der Energieerzeugung sieht Roth auch große industriepolitische Chancen. Rund um die Laserfusion könnte eine neue Wertschöpfungskette entstehen, von der zahlreiche Branchen profitieren würden. Besonders die deutsche Optik- und Laserindustrie könnte eine zentrale Rolle als Zulieferer für zukünftige Fusionskraftwerke spielen. Investitionen in diese Bereiche könnten daher nicht nur zur Energieversorgung beitragen, sondern auch neue industrielle Impulse für Deutschland und Europa setzen.