Vom Batteriewerk in den Boxring: Wirtschaftsdialog über die Zukunft des ländlichen Raums
Unter dem Motto „Ländlicher Raum als Wirtschaftsmotor“ besuchte der Junge Wirtschaftsrat (JWR) zwei Stationen in Büdingen. Gemeinsam mit Mitgliedern der Wirtschaftsjunioren Wetterau erhielten die Teilnehmer Einblicke in Industrie, Unternehmertum und gesellschaftliches Engagement vor Ort.
Die erste Station führte zum Standort des international tätigen Konzerns Exide Technologies GmbH in Büdingen. Feuer, Mundschutz, ehrliche Handarbeit und modernste Technik prägten das Bild in den Werkshallen. Gert Eifert, Managing Director der Exide Technologies GmbH, führte die Gruppe praxisnah durch die Produktion. Dabei konnten sich die Teilnehmer ein umfassendes Bild von den aktuellen Produktionsbedingungen am Standort machen.
Im Batteriewerk, das die vollständige Fertigungstiefe von Blei-Säure-Batterien abbildet, erläuterte Eifert unter anderem die besonderen Eigenschaften der GEL-Bootsbatterie. Die Besucher erhielten dabei einen direkten Einblick in unterschiedliche Herstellungsverfahren und deren technische Besonderheiten. Neben der Produktion standen auch wirtschaftspolitische Herausforderungen im Fokus. Exide investiert jährlich rund drei Millionen Euro in die Modernisierung und Instandhaltung des Standorts. Gleichzeitig erschweren hohe bürokratische Anforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren die Umsetzung solcher Investitionen. Bei der Besichtigung wurde zugleich deutlich, dass das Unternehmen auch langfristig zum Wirtschaftsstandort des Wetteraukreises beitragen möchte und als Zulieferer für zentrale Branchen der deutschen Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt.
Der zweite Teil der Tour führte zum Kickboxverein Büdingen e. V., der mit der Fight Factory Kindern bereits ab vier Jahren Kampfsporttraining anbietet und dabei Werte wie Disziplin, Selbstvertrauen und Respekt vermittelt.

Direkt im Boxring wurde anschließend über die Frage diskutiert, ob Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum als freiwillige Leistung oder als strategische Notwendigkeit verstanden werden sollte. Unter der Moderation von Julian Meyer-Oven, ehrenamtliches Mitglied des Gründernetzwerks Büdingen, diskutierten Jakob Schulz (Gebrüder Schulz), Simon Zschau (Junger Wirtschaftsrat Hessen), Stefanie Krause (dasgute.haus eG) und Manuel Hasific (Wirtschaftsförderung Büdingen).
Jakob Schulz sprach für sein traditionsreiches Familienunternehmen in sechster Generation und betonte, dass Betriebe heute moderner geführt werden müssten. Während frühere Generationen häufig unabhängig agiert und wenig Austausch mit der Stadt gesucht hätten, setze die heutige Unternehmergeneration bewusst auf stärkere Netzwerke sowie eine engere Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft.
Simon Zschau sprach sich insbesondere für den Abbau bürokratischer Hürden aus – vor allem bei sozialen Projekten wie dasgute.haus von Stefanie Krause und Agnes Model. Solche Initiativen leisteten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und gesellschaftlichen Beteiligung im ländlichen Raum. In diesem Zusammenhang verwies Zschau auf die aktuelle politische Diskussion, für jedes neue Gesetz drei bestehende Regelungen abzuschaffen.
Stefanie Krause berichtete aus ihrer praktischen Erfahrung als Betreiberin von drei Standorten des Projekts dasgute.haus. Die unterschiedlichen Genehmigungsprozesse und Vorgaben der Kommunen seien häufig schwer vorhersehbar. Konzepte wie dasgute.haus ließen sich kaum eindeutig in bestehende baurechtliche Nutzungskategorien einordnen – sie könnten zugleich als Familienzentrum, Coworking-Space, Kreativraum, Kulturzentrum, öffentliches Wohnzimmer oder gastronomischer Treffpunkt verstanden werden. Ihrer Erfahrung nach hänge der Verlauf vieler Genehmigungsverfahren stark von der jeweiligen Sachbearbeitung ab.
Manuel Hasific ging auf eine Publikumsfrage ein, ob die Bedürfnisse des ländlichen Raums auf Landes- und Bundesebene ausreichend berücksichtigt würden. Seiner Einschätzung nach sei dies häufig nicht der Fall. Teilweise würden Entscheidungen getroffen, die eine positive wirtschaftliche Entwicklung eher erschwerten. Als Beispiel nannte er die Förderung von Sprachkursen für Zugewanderte bis maximal zum Sprachniveau B1, obwohl für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt in der Regel mindestens B2 erforderlich sei. Gleichzeitig hob er aber auch niedrigschwellige Förderprogramme wie das Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ positiv hervor.
Begleitet wurde die Veranstaltung von Bürgermeister Benjamin Harris. Er dankte dem Jungen Wirtschaftsrat für die Unterstützung bei der Sichtbarmachung der Bedeutung des ländlichen Raums und insbesondere des Standorts Büdingen.