Bericht
27.01.2026
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Wiesbaden vor entscheidenden Jahren: Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr im Dialog

Bei der Auftaktveranstaltung der Sektion Wiesbaden diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft zentrale Weichenstellungen für die Zukunft Wiesbadens.
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Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Sektion Wiesbaden im Jahr 2026 kamen die Vorsitzenden der Wiesbadener Rathausfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP und SPD sowie Vertreter der Wirtschaft zusammen, um über die zukünftige Ausrichtung Wiesbadens zu sprechen. Im Fokus standen wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Stadtentwicklung, Verkehrspolitik sowie die Leistungsfähigkeit der Verwaltung. Ziel der Diskussion war es, zu erfahren, wie die Parteien nach der Hessischen Kommunalwahl im März 2026 die großen Potenziale Wiesbadens besser ausschöpfen und zugleich seine Lebensqualität sichern wollen.

Gesine Bonnet (Bündnis 90/Die Grünen) hob die besondere Qualität Wiesbadens als attraktive Stadt mit einer gelungenen Mischung aus ländlichen und urbanen Strukturen hervor. Im Wandel sieht sie große Chancen, auch wenn Veränderungen mit Einschränkungen verbunden sind. Diese gelte es durch eine bessere Abstimmung von Maßnahmen, etwa bei Straßensanierungen und Infrastrukturprojekten, möglichst gering zu halten. Innovationen erfordern neue Bündnisse zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Weniger Verkehr und mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt seien nur gemeinsam mit der Wirtschaft erreichbar. Eine zentrale Rolle spiele dabei der öffentliche Raum. Zudem sprach sie sich für die konsequente Nutzung der Chancen der Energiewende aus, insbesondere durch erneuerbare Energien und die Nutzung der Anbindung an das Wasserstoffkernnetz.

Christian Diers (FDP) bezeichnete Wiesbaden als starken Standort mit hoher Lebensqualität, dessen Potenzial in den vergangenen Jahren nicht konsequent genug genutzt worden sei. Wachstum sei Voraussetzung für Wohlstand und Handlungsspielräume. Er forderte neue Gewerbegebiete, eine aktivere Wirtschaftspolitik und eine klare Fokussierung auf Ansiedlung. Staus seien ein erheblicher Standortnachteil und verkehrspolitische Maßnahmen müssten regelmäßig überprüft werden. Solide Finanzen seien für ihn ein zentrales Element der Wirtschaftsförderung, wobei Wiesbaden eher ein Ausgaben- als ein Einnahmenproblem habe.

Daniela Georgi (CDU) betonte die Stärke Wiesbadens als Kombination aus großstädtischer Infrastruktur und familiärer Atmosphäre. Die Stadtpolitik müsse sich stärker an den Bedürfnissen von Alltag und Wirtschaft orientieren. Sie forderte schnellere Genehmigungsverfahren durch Digitalisierung, neue Gewerbeflächen, ein konsequentes Vorgehen gegen Leerstand und eine schrittweise Senkung der Gewerbesteuer. Bezahlbarer Wohnraum müsse zügiger entstehen, unter anderem durch effizientere Verwaltungsstrukturen. In der Verkehrspolitik sprach sie sich für Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer und eine digitale Verkehrssteuerung aus. Solide Finanzen, klare Prioritäten und der Einsatz von KI in der Verwaltung seien zentrale Voraussetzungen für eine lebendige Innenstadt.

Silas Gottwald (SPD) stellte die kommunalpolitischen Herausforderungen in den Kontext geopolitischer Veränderungen und betonte die Bedeutung von Stabilität, Verlässlichkeit und professionellem Krisenmanagement. Soziale Stadtentwicklung und aktive Wirtschaftspolitik seien untrennbar miteinander verbunden. Für weiteres Wachstum brauche Wiesbaden zusätzliche Gewerbeflächen und eine strategische Ansiedlung von Zukunftsbranchen. Er sprach sich für einen Expertenrat zur Wirtschaftsförderung und einen spürbaren Abbau von Bürokratie aus.

In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere der Bedarf an Gewerbeflächen, der Bürokratieabbau, die Sicherung bestehender Unternehmen sowie die Themen Wohnen, Verkehr, Digitalisierung, Infrastruktur, Wärmeplanung und Sicherheit erörtert. Deutlich wurde dabei der anhaltende Handlungsdruck bei bezahlbarem Wohnraum, der stagnierenden Verkehrspolitik und der Modernisierung der Verwaltung.

Wir bedanken uns bei der Fink & Fuchs AG für ihre Gastfreundschaft und Unterstützung der Veranstaltung.