Bericht
27.02.2026
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Wirtschaft im Wandel: Herausforderungen und Perspektiven für die Region Wiesbaden und Rheingau-Taunus

Diskussion mit Vertretern von IHK, Handwerkskammer und kommunaler Ebene zur wirtschaftlichen Zukunft der Region Wiesbaden und Rheingau-Taunus
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Die wirtschaftliche Lage der Region Wiesbaden und Rheingau-Taunus ist von tiefgreifendem Wandel geprägt. Globale Entwicklungen, steigende Kosten und strukturelle Veränderungen stellen Unternehmen, Handwerk und Kommunen gleichermaßen vor große Herausforderungen. Gleichzeitig verfügt die Region über eine starke wirtschaftliche Basis und ausgeprägte Innovationskraft.

Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten Jörg Brömer, Präsident der IHK Wiesbaden, Pierre Schlosser, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, sowie Sandro Zehner, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, die aktuelle Situation und künftige Perspektiven. Im Fokus standen Themen wie Fachkräftesicherung, Bürokratie, Infrastruktur, Digitalisierung und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts.

Jörg Brömer machte deutlich, dass sich die Wirtschaft derzeit in einer Phase der Stagnation unterhalb der Wachstumsschwelle befinde. Der internationale Wettbewerbsdruck nehme zu, Produktionsverlagerungen ins Ausland seien eine reale Gefahr. Er forderte strukturelle Reformen zur Stärkung der sozialen Marktwirtschaft sowie verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen. Ohne entschlossenes Handeln drohten wirtschaftliche Schwäche und gesellschaftliche Spannungen. Zugleich verwies er auf stabile Gewerbegebiete und eine insgesamt sinkende Arbeitslosenquote in der Region. Die Fachkräftesicherung bleibe aber weiterhin eine zentrale Aufgabe – auch durch qualifizierte Zuwanderung und ein modernes Einwanderungsrecht.

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Pierre Schlosser zeichnete für das Handwerk ein differenziertes Bild. Während etwa die Elektrobranche stabil laufe, stünden andere Bereiche unter Druck; Insolvenzen nähmen zu, kleinere Betriebe gäben häufiger auf. Besonders kritisch sei die Unternehmensnachfolge, da viele junge Menschen eher sichere Angestelltenverhältnisse bevorzugten. Die Handwerkskammer begegne dieser Entwicklung mit gezielten Kursen und Unterstützungsangeboten, um Unternehmertum attraktiver zu machen. Positiv hob Schlosser hervor, dass die Ausbildungszahlen im Handwerk stabil geblieben seien. Gleichzeitig warnte er vor steigenden Sozialkosten und einem System, das langfristig reformiert werden müsse, um Arbeit bezahlbar zu halten.

Sandro Zehner verwies auf die angespannte Lage der Kommunalfinanzen. Stagnierende Ertragssteuern und steigende Ausgaben zwängen Kommunen dazu, Projekte neu zu priorisieren. Er sprach sich für eine Reform des Vergaberechts und effizientere Verwaltungsstrukturen aus. Investitionen – insbesondere im produzierenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft – seien wichtige Impulse für die regionale Wertschöpfung. Zugleich betonte er die Notwendigkeit, zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln, um auch in den kommenden 15 Jahren Wachstum und ausgeglichene Haushalte für die Region zu sichern.

Einigkeit bestand darin, dass nachhaltiges Wirtschaftswachstum, solide öffentliche Finanzen und verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend für die Zukunft der Region sind. Wirtschaft, Handwerk und öffentliche Hand müssen dabei enger zusammenarbeiten, um Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität langfristig zu sichern.