Wir müssen für uns selbst werben
Die Region hat Potenzial – jetzt muss sie ihre Chancen nutzen. Beim Austausch des Wirtschaftsrates mit dem neu gewählten Schweriner Oberbürgermeister Sebastian Ehlers und dem Landrat des Landkreises Nordwestmecklenburg, Tino Schomann, wurde deutlich: Schwerin, Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim müssen ihre wirtschaftliche Entwicklung stärker gemeinsam denken und nach außen vertreten.
Sektionssprecher Ulrich Tuch gratulierte Sebastian Ehlers zu seiner Wahl und betonte die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg. Denn wirtschaftliche Verflechtungen machen längst nicht an Verwaltungsgrenzen halt. Unternehmen, Arbeitskräfte, Verkehrswege und Investitionen verbinden die Region zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum.
Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Wirtschaftliche Chancen konsequent nutzen
Dass die Region attraktiv ist, zeigen konkrete Investitionen. Nestlé erweitert seinen Standort in Schwerin und schafft rund 50 zusätzliche Arbeitsplätze. Auch Unternehmen wie Ypsomed und Junge Fahrzeugbau setzen auf den Standort. Weitere Impulse werden vom geplanten A14-Autozubringer und einer stärkeren gemeinsamen Vermarktung der Landeshauptstadt erwartet.
Oberbürgermeister Sebastian Ehlers machte deutlich, dass insbesondere die stärkere Verzahnung Schwerins mit den umliegenden Landkreisen ein entscheidender Erfolgsfaktor für die kommenden Jahre sei. Ziel müsse es sein, die vorhandenen Potenziale gemeinsam zu nutzen und die Region als attraktiven Wirtschafts- und Lebensstandort sichtbar zu machen.
Auch Landrat Tino Schomann verwies auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Gewerbe- und Industrieflächen in Nordwestmecklenburg. Das unterstreiche die Attraktivität des Landkreises – zugleich müsse die Region dafür sorgen, dass aus diesem Interesse auch tatsächlich neue Investitionen und Arbeitsplätze entstehen.
„Verwaltung einfach mal machen“
Ein wichtiger Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, wie wirtschaftliche Entwicklung durch eine leistungsfähige und moderne Verwaltung unterstützt werden kann.
Mit dem Leitmotiv „Verwaltung einfach mal machen“ setzt Nordwestmecklenburg auf pragmatische Lösungen, größere Ermessensspielräume und mehr Vertrauen in die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll dazu beitragen, Verwaltungsprozesse zu beschleunigen und Bürokratie abzubauen.
Aus Sicht des Wirtschaftsrates ist genau dieser Ansatz entscheidend: Verwaltung muss Investitionen ermöglichen und darf nicht selbst zum Standorthemmnis werden. Unternehmen brauchen schnelle Entscheidungen, verlässliche Verfahren und Planungssicherheit.
Infrastruktur entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
Gleichzeitig bleibt die Infrastruktur eine zentrale Herausforderung. Der geplante A14-Autozubringer ist ein wichtiger Baustein für die bessere Anbindung der Region. Doch auch darüber hinaus braucht es Tempo bei der Planung und Umsetzung notwendiger Infrastrukturprojekte.
Wenn Genehmigungsverfahren zu lange dauern und Investitionen an fehlender Infrastruktur scheitern, verliert die Region im Wettbewerb um Unternehmen und Fachkräfte. Deshalb müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller und unbürokratischer werden.
Neue Impulse durch Industrie und Verteidigung
Auch größere industrielle Entwicklungen eröffnen Chancen für die gesamte Region. Die geplante Ansiedlung von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) wird insbesondere mit Blick auf die maritime Wirtschaft aufmerksam verfolgt. Zwar stellt der zusätzliche Wettbewerb um Fachkräfte das Handwerk vor Herausforderungen, langfristig bietet die Ansiedlung jedoch erhebliche Potenziale für Wertschöpfung, Zulieferer und Beschäftigung in der gesamten Region.
Weitere Perspektiven ergeben sich aus der zunehmenden Bedeutung von Verteidigung und Sicherheitsindustrie. Der Flughafen Schwerin-Parchim gewinnt für die Marineflieger an Bedeutung. Damit können sich zusätzliche wirtschaftliche Impulse für die Region ergeben.
Das 130-Millionen-Euro-Neubauprojekt mit der GESO in Schwerin mit Baubeginn Oktober 2026 steht beispielhaft für die Investitionsbereitschaft am Standort und zeigt: Es gibt Unternehmen, die an die Zukunft der Region glauben und hier investieren.
Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V.
„Wir müssen für uns selbst werben“
Bei allen Herausforderungen war der Austausch vor allem von einem positiven Grundtenor geprägt: Schwerin und Westmecklenburg haben wirtschaftlich viel zu bieten. Starke Unternehmen, verfügbare Gewerbeflächen, qualifizierte Menschen und eine Region mit erheblichen Entwicklungspotenzialen bilden eine gute Ausgangslage.
Doch darauf darf man sich nicht verlassen. „Wir müssen für uns selbst werben“ – diese Botschaft stand deshalb sinnbildlich über dem Gespräch. Die Region muss ihre Stärken sichtbarer machen, Investoren aktiv ansprechen und die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Landkreisen, Politik, Verwaltung und Wirtschaft weiter intensivieren.
Für den Wirtschaftsrat steht fest: Wer Wachstum, Investitionen und neue Arbeitsplätze will, muss heute die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören leistungsfähige Infrastruktur, schnelle Genehmigungen, weniger Bürokratie und eine Verwaltung, die unternehmerische Initiative unterstützt.
Die wirtschaftliche Entwicklung darf nicht an Verwaltungsgrenzen Halt machen. Nur wenn die Region gemeinsam auftritt und ihre Chancen selbstbewusst nach außen trägt, kann sie im Wettbewerb um Unternehmen, Fachkräfte und Investitionen dauerhaft erfolgreich sein.