Bericht
23.06.2026
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Sektion Pfalz: KI im Arbeitsmarkt und in der Unternehmenstransformation

Diskussionsveranstaltung in Speyer über Künstliche Intelligenz als Wettbewerbsvorteil
©Wirtschaftsrat
Künstliche Intelligenz als Wettbewerbsvorteil – sind Sie vorbereitet? 

Dieser Frage widmete sich dieser Tage die Sektion Pfalz und traf sich bei der LeySelect GmbH in Speyer. Zwei Vorträge zeigten, welche Chancen KI bietet – und welche Voraussetzungen Unternehmen schaffen müssen, um sie sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen. Im Mittelpunkt standen zwei Perspektiven: Zum einen die Frage, wie KI Recruiting-Prozesse effizienter machen kann. Zum anderen die Herausforderung, KI nicht nur als technische Innovation zu verstehen, sondern als Teil einer umfassenden Transformation von Führung, Kultur, Datenstrategie und Kompetenzen.
Markus Ley, Geschäftsführender Gesellschafter der LeySelect, sprach in seinem Impuls „KI versus Arbeitsmarkt“ über die Veränderungen im Arbeitsmarkt, das Recruiting und die Art, wie Unternehmen sich weiterentwickeln.
Dieter Cullmann, Chief Digital Officer, Abacus alpha GmbH und Vorsitzender der Landesfachkommission „Digitale Wirtschaft“ im Wirtschaftsrat Rheinland-Pfalz, sprach anschließend über die „Erfolgreiche digitale Transformation im Zeitalter der KI – Praxisperspektiven aus dem Mittelstand“

Unternehmer und Gäste konnten viele Erkenntnisse und Informationen vom Abend mitnehmen. Insbesondere, dass KI ein starkes Werkzeug ist, aber kein Selbstläufer. Im Recruiting kann sie Prozesse verbessern; die Verantwortung bleibt beim Menschen. Erfolgreiche KI erfordert Strategie, Führung, gute Daten, Kompetenzen und eine veränderungsbereite Kultur. Wer KI verantwortungsvoll nutzt und Mitarbeitende einbindet, kann echte Wettbewerbsvorteile schaffen. Wer abwartet, riskiert den Anschluss zu verpassen.

  • KI-gestütztes Recruiting: Antwort auf einen veränderten Arbeitsmarkt
    Der Arbeitsmarkt hat sich vom Arbeitgeber- über den Arbeitnehmer- hin zum Passungsmarkt entwickelt: Entscheidend ist heute, die richtigen Menschen für die richtigen Aufgaben zu finden. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf Unternehmen, Recruiting schneller, gezielter und effizienter zu gestalten. KI kann dabei unterstützen, etwa durch Stellenanzeigen, Vorauswahl von Lebensläufen oder das Erkennen von Qualifikationslücken. Die finale Auswahl bleibt jedoch menschlich, da kulturelle, soziale und persönliche Passung nicht zuverlässig automatisiert bewertet werden kann. Zugleich sind Datenschutz, Transparenz und ein kontrollierter Umgang mit sensiblen Daten zentral, da KI bestehende Verzerrungen übernehmen kann. Auch eine glaubwürdige Arbeitgebermarke wird wichtiger, da Kultur, Kommunikation und Bewertungen die Attraktivität stark prägen.
  • Doppelte Transformation: Warum KI mehr ist als Technologie
    Erfolgreiche KI-Nutzung ist nicht nur eine technische Aufgabe. Unternehmen müssen Technologie und Organisation gleichzeitig weiterentwickeln. Während KI-Anwendungen sich rasant entwickeln, verändern sich Menschen, Strukturen und Kulturen langsamer. Führung, Vertrauen und Kompetenzen müssen gezielt aufgebaut werden. Diese „doppelte Transformation“ ist zentral: Wer zu lange wartet, riskiert wachsende Lücken zwischen technologischem Fortschritt und organisatorischer Anpassung. KI kann Produktivität steigern, schafft aber nur dann Wettbewerbsvorteile, wenn sie mit eigenen Daten, Fachwissen und Prozessen verbunden wird. Dafür braucht es Strategie, moderne Datenarchitektur und Führungskräfte, die KI als Teil der Unternehmensentwicklung verstehen.
  • Die IT wird damit zum strategischen Treiber. Mitarbeitende müssen KI-Ergebnisse verstehen, kritisch prüfen und sinnvoll nutzen können. Klare Verantwortlichkeiten und gezielte Kompetenzentwicklung helfen, Unsicherheiten abzubauen und Akzeptanz zu schaffen. In der Diskussion wurde deutlich, dass KI kein Fachwissen ersetzt. Systeme erkennen Muster und berechnen Wahrscheinlichkeiten, besitzen aber kein echtes kausales Verständnis. Deshalb müssen Ergebnisse kritisch geprüft werden, um Fehler, Verzerrungen oder Halluzinationen zu erkennen. Eine zu starke Null-Fehler-Kultur kann Innovation bremsen, da KI-Anwendungen meist iterativ entstehen. Beim „Junioren-Problem“ können KI-gestützte Ergebnisse professionell wirken, obwohl grundlegende Lernprozesse fehlen. Unternehmen sollten den Kompetenzaufbau daher bewusst gestalten. Für den Mittelstand ist es oft sinnvoller, eigene Daten und Branchenwissen gezielt zu nutzen, statt eigene Basismodelle entwickeln zu wollen.