„Der Dual Fluid-Reaktor – eine revolutionäre Energiequelle aus Deutschland"
Am 25. Juni 2026 präsentierten Dr. Götz Ruprecht und Dr. Armin Huke die Vorzüge und Herausforderungen der neuen Kernreaktor-Technologie sowie die nächsten Entwicklungsschritte. Zu dieser hochkarätigen Fachveranstaltung hatte der Wirtschaftsrat Sachsen eingeladen. Unter dem Titel „Der Dual Fluid‑Reaktor – eine revolutionäre Energiequelle aus Deutschland“ stand ein Thema im Mittelpunkt, das derzeit bundesweit an Dynamik gewinnt: Small Modular Reactors (SMR). Die Veranstaltung bot eine Gelegenheit, sich fundiert mit den technologischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Perspektiven auseinanderzusetzen.

Dr. Götz Ruprecht während seines Vortrags (Foto: Wirtschaftsrat)
Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates Sachsen, begrüßte Dr. Götz Ruprecht, leitendes Mitglied des Institutes für Festkörper-Kernphysik (IFK) sowie Direktor und CEO der Dual Fluid Energy Inc., und Dr. Armin Huke, Geschäftsführer des Institutes für Festkörper-Kernphysik (IFK) sowie Präsident und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Dual Fluid Energy Inc. In einer kurzen Einführungsrede führte Dr. Uhle aus, dass im aktuellen weltweiten Trend wichtige Industriestaaten wie China, USA, Großbritannien, Kanada und Frankreich gezielt in einen Ausbau der Kernenergie und in die Forschung für neue Reaktorkonzepte investierten. Der vollständige Atomausstieg durch die Bundesregierung sei daher im Kontext des weiter steigenden Energiebedarfes, durch Faktoren wie Digitalisierung und Elektromobilität, widersinnig für Deutschlands Zukunft als Industrie- und Technologiestandort. Bereits im Jahr 2022 hatte sich der Wirtschaftsrat Sachsen in seiner Landesfachkommission Energie, unter Leitung von Dr. Thomas Werner, digital mit Dr. Ruprecht und Dr. Huke (die Erfinder des Dual Fluid Reaktors) über das Potenzial von innovativer Kerntechnologie für die deutsche Energieversorgung ausgetauscht.

(Foto: Wirtschaftsrat)
Dr. Uhle verwies dazu auf ein Zitat aus seinem im Jahr 2023 veröffentlichten Presseartikel "Wirtschaftsrat Sachsen bringt Dual Fluid Reaktor ins Spiel für eine bessere Versorgungssicherheit mit Energie": „Wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Konsens. Wir dürfen uns nicht allein auf Sonne und Wind konzentrieren, sondern müssen unseren Blick auch auf neue, sichere und saubere Kernenergieanlagen richten, die zudem von der EU als nachhaltig angesehen werden.“ Inhaltlich sei dieser Artikel auch drei Jahre später noch aktuell, da es in der kritischen Frage der Energiesicherheit für Deutschland keinerlei Fortschritt gegeben hätte. „Der optimale Energiepfad unseres Landes sollte regelbare, auch kernenergetisch erzeugte Grundlast mit erneuerbaren Energien in Einklang bringen. Regelbare Grundlast in Kombination mit Erneuerbaren – Das ist kein Widerspruch, sondern ein ganzheitlich zu denkendes zukunftsweisendes Energiesystem“, war der abschließende Kommentar von Dr. Uhle.
Mitte: Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer Wirtschaftsrat Sachsen (Foto: Wirtschaftsrat)
Als führende Experten in der Kernphysik und Entwickler des Dual-Fluid‑Reaktors gewährten Dr. Ruprecht und Dr. Huke den Teilnehmenden wertvolle Einblicke aus erster Hand. Dr. Ruprecht, als Hauptredner, begann mit einer ausführlichen Darstellung der technologischen Grundlagen des Dual‑Fluid‑Reaktors. Er erläuterte, wie das Konzept durch die Kombination zweier getrennt geführter Fluide – eines für den Brennstoff und eines für die Wärmeabfuhr – eine besonders hohe Effizienz und Sicherheit ermögliche. Diese Bauweise unterscheide den Dual‑Fluid‑Reaktor deutlich von klassischen Leichtwasserreaktoren und eröffne neue Möglichkeiten der Brennstoffnutzung.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Integration von SMR in das deutsche Energiesystem. Dr. Ruprecht erklärte, dass modulare Reaktoren aufgrund ihrer flexiblen Leistungsregelung und ihrer kompakten Bauweise besonders geeignet wären, bestehende erneuerbare und fossile Erzeugungsanlagen zu ergänzen. Sie könnten Versorgungslücken schließen, die durch die Volatilität von Wind- und Solarenergie entstehen, und gleichzeitig Grundlastkapazitäten bereitstellen.

v.l.n.r.: Dr. Armin Huke und Dr. Thomas Werner, Vorsitzender der Landesfachkommission Energie im Wirtschaftsrat Sachsen, bei der Diskussion (Foto: Wirtschaftsrat)
Besonders praxisrelevant war der Abschnitt zum rechtlichen Rahmen. Trotz des deutschen Atomausstiegs bestünden im aktuellen Atomenergiegesetz weiterhin Möglichkeiten für die Nutzung von Kernreaktoren zur Eigenversorgung energieintensiver Industrien. Dr. Ruprecht erläuterte, wie SMR in diesem Kontext Wärme und Strom bereitstellen könnten – ein Aspekt, der angesichts steigender Energiepreise für viele Unternehmen von strategischer Bedeutung wäre. Darüber hinaus wurde auf zentrale Vorteile der Technologie eingegangen: die regelbare, emissionsfreie Energieerzeugung, die Wiederverwertung von Atommüll sowie die hohe Effizienz der Anlagen. Diese Merkmale könnten langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieimporten zu reduzieren und die Resilienz des Energiesystems zu stärken.
Abschließend gab Dr. Ruprecht einen Überblick auf die aktuellen Entwicklungen in der praktischen Umsetzung. Am 12. September 2023 unterzeichneten die Dual Fluid Energy Inc. und die ruandische Atomenergiebehörde (RAEB) ein Abkommen über den Bau der weltweit ersten nuklearen Testanlage für das Dual-Fluid-Konzept. Die Regierung von Ruanda stellt das Grundstück und die Infrastruktur für einen Demonstrationsreaktor, während Dual Fluid Energy Inc. für die technische Umsetzung verantwortlich ist. Die Reaktoranlage soll nach aktueller Planung im Jahr 2026 betriebsbereit sein und die Testphase bis 2028 erfolgreich abschlossen werden.
Die anschließende Diskussion zeigte eindrucksvoll, wie groß das Interesse an der Technologie ist. Die Teilnehmenden stellten zahlreiche Fragen zu Sicherheitsaspekten, zur Skalierbarkeit der Anlagen, zu internationalen Entwicklungen sowie zu möglichen Pilotprojekten in Deutschland. Dr. Ruprecht und Dr. Huke betonten, dass der Weg zur Marktreife ambitioniert, aber realistisch sei. Entscheidend sei ein Zusammenspiel aus politischem Willen, technologischer Weiterentwicklung und gesellschaftlicher Akzeptanz. Moderierend und impulsgebend brachte sich unser Vorsitzender der Landesfachkommission Energie, Dr. Thomas Werner, mit sinnvollen Fragen und Kommentaren in die Veranstaltung ein.

v.l.n.r.: Dr. Thomas Werner, Dr. Armin Huke, Dr. Götz Ruprecht und Dr. Dino Uhle (Foto: Wirtschaftsrat)
Der Wirtschaftsrat Sachsen unterstrich mit dieser Veranstaltung seine Rolle als Plattform für Information, Austausch und Orientierung in technologischen Zukunftsthemen.
Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Ruprecht, Dr. Huke und allen an der Organisation dieses spannenden Themenabends Beteiligten. Bis bald einmal wieder.