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Bericht
01.02.2023
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Neujahrsempfang „Neues Jahr - Neue Energie?“

mit Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Umweltsenator a.D. von Hamburg und Frank Müller-Rosentritt, Mitglied des Deutschen Bundestages
©Christian Scholz

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Dank der vielseitigen Unterstützung unserer Mitglieder konnten wir das neue Jahr im Wirtschaftsrat angemessen im schönen Steigenberger Hotel de Saxe begehen. Die Verlässlichkeit der Deutschen Bundesbahn ließ derart zu wünschen übrig, dass unser Referent aus Hamburg, Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, selbst mit ausreichend Vorausplanung leider erst eine Stunde später bei uns eingetroffen ist. Allein dieser Sachverhalt kann als Armutszeugnis für unser Land gewertet werden. Zum Thema „Neue Energie“ gibt es deutschlandweit und auch weltweit viele Ansätze, deren Entwicklung man befördern und in den technologischen Wettbewerb – auch unter Beachtung von Umweltaspekten – bringen sollte. Zu unserem Neujahrsempfang haben wir für eine gelebte Technologieoffenheit plädiert und eventuell noch bestehende Scheuklappen für Technologien in der Energieerzeugung jenseits von Wind und Sonne vollends ablegen können.

Die EU strebt bis 2050 die Klimaneutralität an, was mit dem EU-Klimaschutzpaket „Fit For 55“ eine Reduktion der Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent, verglichen mit 1990, beinhaltet. Es stellt sich die Frage, was eine europäische CO2-Reduktion mit immer höheren europäischen Zertifikatspreisen bringt, wenn die Hauptemittenten außerhalb Europas immer mehr CO2 in die Luft blasen dürfen? Das führt zu Abwanderung der Industrie aus Europa und nützt dem globalen Klima so gut wie gar nichts. Man spricht hier von Carbon Leakage – also von der Verlagerung der CO2-Emmissionen und damit auch der Industrie ins Nichteuropäische Ausland. Hier droht die Deindustrialisierung unseres Landes, wenn man den Emissions-Zertifikatehandel zumindest nicht G20-weit ausbreitet.

2023-02-01_Neujahrsempfang Sachsen©Christian Scholz_5.jpgFrank Müller-Rosentritt MdB

Unsere beiden Referenten, namentlich MdB Frank Müller-Rosentritt und Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, waren in vielen Punkten einig, wenn es z.B. um die Thematik der lauten Minderheiten gegen leise Mehrheiten geht. Entgegen der oft kolportierten Meinung, junge Leute seien per se Grünwähler, konnte MdB Müller-Rosentritt aus Treffen berichten, die bei den jüngeren Menschen durchaus mehrheitliche Sympathien für freiheitliche und konservative Werte konstatieren. Der Bundestagsabgeordnete berichtete u.a. von seinen Reisen nach Asien, insbesondere nach Taiwan, wo der Chip-Hersteller TSMC sitzt. Dieser erblickt in der demografischen Entwicklung (Fachkräftepotential der Zukunft) einen der größten Risikofaktoren für den Standort Deutschland. Ein weiteres Problem ist die Energiesicherheit des Standortes Deutschland bzw. Sachsen, wo bereits ein Mikroelektronik-Cluster existiert. Frank Müller-Rosentritt vertritt schon seit langem den Standpunkt, dass auch eine gewisse Verantwortungslosigkeit hier bei uns in Deutschland vorherrsche, auf die modernste Kernenergie zu verzichten, um damit günstig Energie zu erzeugen, wenn sich in anderen Teilen dieser Welt viele Länder genau diese Technologie wünschen würden, diese aber technologisch und finanziell überhaupt nicht umsetzen könnten. D.h.: Wir verzichten hier auf eine tolle zukunftsträchtige Energieform, die unseren Standort für Investoren genau durch diesen Verzicht darauf unattraktiver mache. Frank Müller-Rosentritt gab ein klares Bekenntnis für Technologieoffenheit, für ein Weiterlaufen der deutschen KKW, für die Beförderung von E-Fuels und auch für Fracking in Deutschland ab.

2023-02-01_Neujahrsempfang Sachsen©Christian Scholz_6.jpgProf. Dr. Fritz Vahrenholt, Umweltsenator a.D. von Hamburg

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt machte klar, dass in Deutschland aktuell ca. 5,6 Mio. Arbeitsplätze abhängig von der Erdgas-Industrie sind. Im Zuge der Betrachtung aktueller Entwicklungen im „Noch-Industrieland“ Deutschland hat er eine Initiative ins Leben gerufen mit dem Namen „Rettet unsere Industrie“. Interessant war insbesondere sein internationaler Vergleich der Verhältnisse zwischen CO2-Emissionen und dem jeweiligen BIP. Das ist wesentlich aussagekräftiger als der Pro-Kopf-Vergleich bei CO2-Emissionen, zieht man Klimaaspekte zu Rate. Dabei stehe Deutschland im internationalen Vergleich gar nicht schlecht da, denn mit 0,15t CO2/1.000 $ BIP rangiert Deutschland weltweit nach der Schweiz, Schweden, Frankreich und England auf Platz fünf. Dieser Platz würde noch verbessert, hätten wir uns hierzulande nicht für den Ausstieg aus der klimafreundlichen Kernenergie entschieden. Wir waren uns einig, denn nach dem Portal „Globalpetrolprices“ ist der Industriestrompreis in Deutschland aktuell weltweit der höchste. Er ist in Deutschland 3,4fach so hoch wie in den USA und fünfmal so hoch, wie in China. Verpasst Deutschland jetzt den notwendigen Schritt, das gesamtverfügbare Angebot an Stromerzeugern, wozu die Laufzeitverlängerung aller betriebsbereiten Kernkraftwerke (derzeit drei am Netz: Isar 2 in Bayern, Emsland in Niedersachen, Neckarwestheim 3 in BaWü) sowie die Eigenförderung von Erdgas in der Nordsee und Fracking in Norddeutschland gehören, droht eine rohstoffgetriebene weitere Preisexplosion, die volkswirtschaftlich kaum mehr abgefangen werden kann. Im Norddeutschen Becken könnte man aus ca. 1.300m Tiefe durch Fracking Gas fördern, welches für 30 Jahre ausreichen würde. Schaltet man die drei im Streckbetrieb befindlichen deutschen KKW tatsächlich nach dem 15.04. ab, müsste man erst einmal 7 Jahre auf dem herkömmlichen Pfad Windkraft zubauen, um die dadurch entstehende Energielücke zu schließen. 

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Selbst das Abscheiden und Verpressen von CO2 in Gesteine (CCS- Carbon Capture and Storage) ist in Deutschland verboten, wodurch wir einen weiteren Hebel in Richtung Umweltfreundlichkeit und Konkurrenzfähigkeit verlieren. Von einem neuen Kreislaufgedanken für CO2 und H2 an dieser Stelle ganz zu schweigen (da fehlt es momentan komplett an Infrastruktur). Auch hier wird dringend eine Umkehr in der Bundespolitik benötigt. Ansonsten scheitert die Deutsche Energiewende vollends. Prof. Dr. Vahrenholt sieht die Zukunft des Industriestandortes Deutschland insbesondere auch deshalb in Gefahr und mahnt zu einem 5-7jährigen Durchhalten seitens der Unternehmer, weil durch die aktuelle Bundesregierung keine Einsicht in die Erfordernis von CCS, in die Weiterentwicklung der neuesten Kernenergie (Dual Fluid Reaktor etc.) und auch nicht bei Fracking zu sehen ist.

2023-02-01_Neujahrsempfang Sachsen©Christian Scholz_3.jpgDr. Dirk Schröter, Landesvorsitzender Sachsen, Wirtschaftsrat der CDU e.V.

Unser Landesvorsitzender Dr. Dirk Schröter hat es mit einem Zitat von Lessing gut auf den Punkt gebracht: „Nur die Sache ist verloren, die man selbst aufgibt.“ Wir als Wirtschaftsrat geben vor allem in der technologischen Offenheit für marktfähige Energielösungen niemals auf und fordern insbesondere die Landesregierung in Sachsen auf, zumindest die Forschung und Versuchslabore für die Kerntechnik der fünften Generation hierzulande zu befördern. Das würde nicht nur Sachsen, sondern Deutschland als Technologie- und Industrieland insgesamt nützen. Dies wäre ein Gebot der Stunde! Und wir vergessen dabei nicht: Wir Sachsen sind gemütlich, offenherzig und dem Leben zugewandt. Vielleicht sagen wir wirklich öfter mal: „Nein, nicht in meinem Namen!“

2023-02-01_Neujahrsempfang Sachsen©Christian Scholz_2.jpgv.l.n.r.: Dr. Dirk Schröter; Prof. Dr. Fritz Vahrenholt; Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer Sachsen, Wirtschaftsrat der CDU e.V.

Wir danken vor allem beiden Referenten für deren Input, allen Unterstützern sowie den Mitarbeitern des Steigenberger Hotel de Saxe. Auf ein gesundes neues Jahr, mit neuer Energie!