Sächsisch-Bayerisches Treffen in Dresden
Am 14. September lud der Wirtschaftsrat Sachsen seine Mitglieder und interessierte Gäste des Wirtschaftsbeirates Bayern zum „Sächsisch-Bayrischen Treffen“ in das Dorint Hotel Dresden ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch zwischen den Mitgliedern der beiden Unternehmerverbände. Darüber hinaus wurde allen Teilnehmern ein spannendes Tagesprogramm geboten.
Dr. Dirk Schröter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Sachsen, und Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates Sachsen, begrüßten die Gäste herzlich und berichteten über ihre persönlichen Erfahrungen zu den sächsisch-bayrischen Beziehungen in Politik, Wirtschaft und Kultur – da durfte auch das Thema „Humor“ nicht zu kurz kommen. Michael Hinterdobler, Generalsekretär des Wirtschaftsbeirates Bayern, bedankte sich im Namen der Gäste für den freundlichen Empfang und äußerte sich seinerseits zu den konstruktiven Beziehungen der beiden Freistaaten.

Landesvorsitzender Dr. Dirk Schröter bei der Begrüßung der Gäste im Dorint Hotel (Foto: Wirtschaftsrat)
Als Referent der Veranstaltung sprach Prof. Dr. Christoph Degenhart, Emeritierter Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Leipzig, über die verfassungsrechtliche Lage der Nation. Dabei gab Prof. Degenhart auch eine Einschätzung über die landes- und bundespolitischen Konsequenzen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ab. In seinem sehr interessanten Vortrag wurden die Themen „Verfassungsrichterwahl“, „AFD-Verbots-Ambitionen“, „Bundeszwang“, „5 Prozent-Hürde“, „Sondervermögen“, „Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz“, „Freiheitseingriffe zur Corona-Zeit“, „Verbandsklagerecht“, „Eurobonds“ und „Meinungsfreiheit“ einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Prof. Dr. Christoph Degenhart während seines Vortrags (Foto: Wirtschaftsrat)
Darauffolgend sprach Prof. Dr. Georg Milbradt, Ministerpräsident Sachsens a.D., über seine Einschätzung zu den aktuellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen in Europa. Insbesondere ging Prof. Milbradt dabei auf die erfolgreiche Expansion der Halbleiterindustrie in Sachsen ein. Mit dem Untergang der DDR sowie mit der damit verbundenen Lohnsteigerung nach der Wende, war die DDR-Wirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig – die klugen und gut ausgebildeten Leute (Humankapital) waren aber noch da. Was fehlte, war investives Kapital, welches in einer kapitalintensiven Industrie seine Verwendung suchen sollte. Diese Industrie war mit der Mikroelektronik gefunden. Um das Entwicklungsdefizit von ca. 4 Jahren aufzuholen, fanden sich westdeutsche und ausländische Investoren. Aus dem Engagement von Siemens ging Infineon hervor, Robotron wurde später durch PRETTL übernommen, ausländische Investoren, wie AMD und TSMC (im Verbund ESMC) bildeten letztlich das Halbleiter-Cluster im Dresdner Norden – eines der größten Mikroelektronik-Cluster in Europa – jedoch nicht weltweit, wie Professor Milbradt ausdrücklich hervor hob. Er endete mit dem Satz: „Wir brauchen keine Subventionen, sondern wieder umsetzbare Visionen“ in der politischen Akzentuierung der Wirtschaft.

Prof. Dr. Georg Milbradt während seiner Ausführungen im Dorint Hotel (Foto: Wirtschaftsrat)
Bei einem herzhaften Mittagessen wurden die Inhalte der Vorträge in angeregter Atmosphäre diskutiert. Im Anschluss ging es zu einem Unternehmensbesuch bei der Infineon Technologies Dresden AG & Co. KG auf.
Auf dem Unternehmensgelände wurden die Veranstaltungsteilnehmer von Nora Pluntke, Kommunikationschefin, und Laurenz Leipner, Politikchef bei Infineon, in Empfang genommen.
Von Thomas Richter, der als diplomierter Ingenieur für Mikrotechnologie seit 2022 Managing Director von Infineon Technologies Dresden ist, durften wir erfahren, wie die Entwicklung der Halbleitertechnologie, beginnend mit dem ersten Transistor im Jahr 1947 bis heute verlief. In einem informativen Fachvortrag erklärte Herr Richter den weltweitenden Trend der wachsenden Halbleiterindustrie und die starke Bedeutung von Sachsen als Produktionsstandort. Weiterführend ging er auch auf der Unternehmensnetzwerk „Silicon Saxony“ und dessen Erfolge ein. Aktuell ist jeder dritte in Europa hergestellte Chip „Made in Saxony“. Das Silicon Saxony ist heute der Arbeitsort für 82.000 Fachkräfte – der Verein hat mehr als 700 Mitglieder und kooperiert mit zahlreichen Forschungsinstituten Sachsens. 1994 legten der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer und Kurt Biedenkopf, seinerzeit Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, den Grundstein für das erste Halbleiter-Werk in Dresden. So nahm die Entwicklung seinen Anfang. Der frühere Wirtschaftsminister Sachsens, Dr. Kajo Schommer, zog nahezu gleichzeitig nach und holte AMD nach Dresden – die Geburtsstunde des Sächsischen Halbleiter-Clusters war damit erreicht. Heute steht die „Smart Power Fab“ von Infineon und ca. 4.000 Mitarbeiter sowie 400 Azubis finden dort täglich ihren Arbeitsplatz.

Thomas Richter, Managing Director bei Infineon während seines Vortrags (Foto: Wirtschaftsrat)
Wir durften erfahren, dass sich die Halbleiter-Unternehmen am Standort weniger als Konkurrenten, sondern vielmehr als sich ergänzende Innovatoren sehen. So sei Bosch eher auf die Produktion von Sensorik, Infineon auf Leistungs-Halbleiter, TSMC auf Mikrocontroller (Chips) und Global Foundries auf extrem flache Mikrocontroller spezialisiert.
Es folgte ein spannender Rundgang über das Firmengelände und ein faszinierender Einblick in die Halbeleiterproduktion über das Virtual-Reality-Headset (3D-Brille). Als kulinarisches Highlight wurde den Veranstaltungsteilnehmern zum Kaffee eine selbstgebackene Dresdener Eierschecke serviert. Der Unternehmensbesuch wurde durch das Infineon-Personal vor Ort sehr professionell betreut und hinterließ einen äußerst positiven Eindruck bei den Teilnehmern. Das macht Lust auf mehr und einen längerfristigen Austausch mit der Werksführung.

Die Teilnehmer des Sächsisch-Bayerischen Treffens mit Nora Pluntke und Laurenz Leipner (links) bei Infineon (Foto: Wirtschaftsrat)
Am Nachmittag ging es zum nächsten Ziel der Veranstaltung: Die Frauenkirche Dresden. Bei einer Emporen-Führung durch das majestätische Gebäude wurde sehr lehrreich dessen bewegte Geschichte erklärt. Dazu gehörte auch die tragische Zerstörung der Frauenkirche im Zweiten Weltkrieg und deren Wiederaufbau dank unzähliger Spenden aus aller Welt. Die Besichtigung dieses Symbols von Versöhnung und Zusammenarbeit war eine sehr bewegende Erfahrung für alle Teilnehmer.

Start zur Emporen-Führung in der Frauenkirche (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Teilnehmer bei der Emporen-Führung in der Frauenkirche (Foto: Wirtschaftsrat)
Bei einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Pulverturm“ fand die Veranstaltung ihren angenehmen Ausklang. Die Eindrücke und Erlebnisse des Tages wurden in lebhafter Atmosphäre besprochen.

Nach dem Besuch der Frauenkirche ging es zum Abendessen in den "Pulverturm" (Foto: Wirtschaftsrat)
Das diesjährige Sächsisch-Bayerische Treffen in Dresden war ein gelungenes Event für den persönlichen Austausch und für die Stärkung der guten Beziehungen zwischen dem Wirtschaftsrat Sachsen und dem Wirtschaftsbeirat Bayern.

Abschluss im Restaurant "Pulverturm" (Foto: Wirtschaftsrat)
Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Milbradt, Prof. Dr. Degenhart, Thomas Richter, Nora Pluntke und Laurenz Leipner sowie bei allen an der Organisation dieser großartigen Tagesveranstaltung Beteiligten. Bis bald einmal wieder.