Bericht
15.05.2026
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„Wie weit ist es noch zur Verteidigungsfähigkeit? – Gemeinsame Wege zur Beförderung der regionalen Wirtschaft“

Besuch der Sektion Chemnitz beim Panzergrenadierbataillon 371 in der Erzgebirgskaserne
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Vom Kommandeur des ca. 900 Personen starken Panzergrenadierbataillons 371, Oberstleutnant Georg Böhme, haben wir erfahren, wie die Erzgebirgskaserne personell sowie materiell aufgestellt ist, um im Ernstfall verteidigungsfähig zu sein. Eins ist klar dabei:  Die sicherheitspolitische Lage in Europa und weltweit hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, zunehmende geopolitische Spannungen, wie im Iran sowie der Rückzug der USA als militärische Schutzmacht Europas haben die Frage der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner europäischen Bündnispartner in den Mittelpunkt der politischen und gesellschaftlichen Debatte gerückt.

2026-05-12_Erzgebirgskaserne Foto1.jpgElisa Heinrich, Sprecherin der Sektion Chemnitz, bei der Begrüßung (Foto: Wirtschaftsrat) 

Mit dem von der Bundesregierung bereitgestellten Sondervermögen i.H.v. 100 Mrd. € für die Bundeswehr wurden erhebliche finanzielle Mittel zur Modernisierung von Ausstattung, Ausrüstung und Infrastruktur des Militärs auf den Weg gebracht. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie wirksam diese Mittel eingesetzt werden, wo die Bundeswehr heute steht und welche Herausforderungen es weiterhin gibt. Kommandeur Böhme vertritt dabei die Ansicht, dass es genau diese 100 Mrd.€ sind, die keine Zusatzinvestitionen in die Bundeswehr darstellen, sondern vielmehr die Rückzahlungen dafür darstellen, was seit 2014 der Bundeswehr durch Einsparungen und Schrumpfungen entzogen worden ist. Aktuell sollen 2% des BIP jährlich für Verteidigung ausgegeben werden – bisher waren es aber nur 1% bis 1,3%. Die „neuen“ Investitionen seien entsprechend nur der Ausgleich für die defizitäre Ausstattung aus den vergangenen Jahren.

2026-05-12_Erzgebirgskaserne Foto2.jpgOberstleutnant Georg Böhme, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 371 (links) und Volker Klostermann, Geschäftsführer der Stargazer GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Wir konnten gemeinsam diskutieren, wie die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und regionaler Wirtschaft künftig weiter gestärkt werden könne. Gerade für einzelne, innovative mittelständische Unternehmen eröffnen sich hier neue Kooperationsmöglichkeiten – von Beschaffung und Dienstleistungen bis hin zu Innovation, Technologie und Fachkräftesicherung. Die Historie der Kaserne reicht bis ins Jahr 1753 zurück, in welchem die erste Garnison in Marienberg gegründet worden ist. 1874 wurde die Kaserne gebaut, welche 1956 von der NVA und 1991 durch die Bundeswehr übernommen worden ist.

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Um es vorwegzunehmen: Wenn es um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen regionaler Wirtschaft und der Bundeswehr geht, hilft ein unmittelbarer geschäftlicher Kontakt zu einer einzelnen Kaserne, wie in unserem Fall zur Erzgebirgskaserne in Marienberg, nur wenig weiter. Hier sollte man die Ausschreibungen der Bundeswehr, des Bundes der EU bzw. der NATO studieren (Links dazu unten). 

Oberstleutnant Böhme verweist in Sachen Wirtschaftskooperationen zwischen Unternehmen und dem Militär zudem auf den Cyber Innovation Hub (siehe Link unten), um unternehmerische Innovationen in die Bundeswehr zu bringen. Hier geht es aktuell um Projekte rund um das Thema „neue Drohnen“, aber auch um „Robotics.“ Gerade bei der Drohnentechnik hat die Ukraine große Fortschritte gemacht und Deutschland kann von diesen Erkenntnissen profitieren. Hier helfe auch der direkte Kontakt zum ukrainischen Militär. 

Generell geht es aber um die Frage, was die Bundeswehr nach welchen Kriterien von der Wirtschaft konkret benötige. Diesbezüglich fehlt es aktuell noch an einer zentralen Anlaufstelle, welche die Nachfrage der Bundeswehr mit den Angeboten aus der Wirtschaft synchronisiert. 

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Das mitunter recht träge agierende Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz spielt bei der Beschaffung für die Bundeswehr nach wie vor die Hauptrolle. Viele Aufträge sind aber bereits an die „großen Spieler“, wie Rheinmetall, KNDS (ehemals Krauss Maffei Wegmann), Hensoldt, Diehl-Defence, Airbus Defence etc.) vergeben. KMU haben dennoch Nischen-Chancen, um an kleinere Aufträge über die aktuellen Ausschreibungen heranzukommen.

Vom Bataillonskommandeur Böhme durften wir erfahren, dass sich die Bundeswehr aktuell in einem technischen Umbruch befindet. Ein Paradebeispiel dafür ist der von Rheinmetall und KNDS über ihr Joint Venture PSM 200 neu entwickelte Schützenpanzer des Typs „Puma“, von dessen technischer Ausstattung wir uns in der Kaserne anhand eines Simulators überzeugen durften. Der Weg vom Schützenpanzer Marder (erstmals erbaut im Jahr 1971) hin zum Puma markiert hier einen Quantensprung in der Militärtechnik. Das Bataillon in Marienberg ist in lediglich 25 Tagen „vor Ort“ im jeweiligen Einsatzgebiet einsatzfähig – aktuell agiert die Bundeswehr an der NATO-Ostflanke in Litauen, um u.a. den Begriffen „Kriegstüchtigkeit“ und „Zeitenwende“ Rechnung zu tragen. Das Marienberger Bataillon agiert hier im Verbund mit der Bundeswehr aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, und Thüringen. Dabei ist im übergeordneten militärischen Kontext der Begriff „Kohäsion der NATO-Allianz“ der zentrale Begriff. Denn mit dem Grad der Geschlossenheit der NATO-Bündnispartner stehen und fallen die Stärken und Schwächen der NATO. Die volle personelle und materielle Einsatzbereitschaft des Panzergrenadierbataillons sei im Sommer 2026 hergestellt. Dabei gibt es im Kriegsfall immer drei Handlungsoptionen: Unterwerfung, Flucht und Kampf, wobei ein wirkungsvoller Kampf eben die entsprechenden Ausrüstungsgüter voraussetze – hier ist das Bataillon aktuell gut aufgestellt.

2026-05-12_Erzgebirgskaserne Foto5.jpglinks: Tino Raabe, Geschäftsführer der FIRA FIRMENGRUPPE mit Oberstleutnant Georg Böhme, während des Rundgangs

Bei einem abschließenden Rundgang durch die Kaserne konnten wir uns über die militärische Drohnentechnik, den „Puma“ sowie über die infrastrukturellen Gegebenheiten informieren. Es war ein mehr als interessanter Nachmittag und wir danken allen Mitarbeitern und Soldaten der Erzgebirgskaserne für die überaus interessanten Einblicke. Besten Dank auch an unser Mitglied im Sektionsvorstand Chemnitz, Stefan Hohmeister, der die Veranstaltung federführend organisiert sowie an Oberstleutnant Böhme, der uns alles gezeigt hat.