Bericht
13.08.2026
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Autonom unter Wasser – GREYSHARK im Praxistest

Mitglieder der Landesfachkommission Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft erlebten innovative Unterwassertechnologie vor der Küste Schleswig-Holsteins
©Wirtschaftsrat

Wie lassen sich Seekabel, Offshore-Windparks und andere kritische Infrastrukturen unter Wasser künftig wirksam schützen? Wie lassen sich Altmunition oder Minen in küstennahen Gewässern aufspüren, ohne Menschen zu gefährden? Mit diesen Fragen befassten sich 20 Mitglieder der Landesfachkommission Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft des Wirtschaftsrates bei einem exklusiven Testeinsatz der autonomen Unterwasserdrohne GREYSHARK™ vor der Küste Schleswig-Holsteins. Auf Einladung der EUROATLAS GmbH erhielten die Teilnehmer unmittelbare Einblicke in die Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten des Systems.

Der Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur gewinnt angesichts hybrider Bedrohungen zunehmend an Bedeutung. Weltweit verlaufen rund 550 aktive Unterseekabel. Sie bilden eine wesentliche Grundlage internationaler Kommunikation, Energieversorgung und wirtschaftlicher Vernetzung. Eine dauerhafte Überwachung dieser Infrastruktur durch bemannte Systeme ist angesichts ihrer Ausdehnung nicht möglich. Autonomen Unterwasserfahrzeugen kommt deshalb künftig eine besondere Bedeutung zu.

GREYSHARK wurde genau für solche Einsatzlagen entwickelt. Das autonome Unterwasserfahrzeug ist ein Gemeinschaftsprojekt von EUROATLAS und EvoLogics und soll nicht als isoliertes Einzelsystem operieren. Vielmehr ist es als Bestandteil eines vernetzten „Systems von Systemen“ konzipiert, in dem unterschiedliche autonome und bemannte Einheiten zusammenwirken.

Eine besondere Herausforderung unter Wasser ist die eingeschränkte Kommunikation. GPS steht während des Tauchgangs nicht in der gewohnten Form zur Verfügung, zugleich sind klassische Kommunikationswege unter Wasser nur begrenzt nutzbar. Das System muss deshalb viele Entscheidungen selbstständig treffen können.

Hierfür verfügt GREYSHARK über unterschiedliche Sensoren, darunter optische und akustische Systeme. Die dabei entstehenden Daten werden bereits an Bord zusammengeführt und mittels Künstlicher Intelligenz ausgewertet. Das System soll dadurch selbstständig erkennen können, welche Informationen für die jeweilige Mission relevant sind. EUROATLAS nennt unter anderem automatische Zielerkennung, Kollisionsvermeidung und dynamische Anpassungen des Missionsverlaufs als Bestandteile der autonomen Fähigkeiten.

Ein weiteres wesentliches Merkmal ist die Schwarmfähigkeit. Mehrere GREYSHARK-Einheiten können koordiniert eingesetzt, Aufgaben verteilt und Daten zwischen den Systemen ausgetauscht werden. Damit eröffnet sich insbesondere bei der großflächigen Überwachung maritimer Infrastruktur die Möglichkeit, deutlich größere Gebiete abzudecken als mit einzelnen bemannten Plattformen.

Die möglichen Einsatzfelder sind vielfältig. Dazu zählen die Überwachung von Kommunikationskabeln, Pipelines und Offshore-Windparks ebenso wie Aufklärungs- und Patrouillenaufgaben sowie die Minendetektion in strategisch wichtigen Wasserstraßen. Gerade bei internationalen Seewegen, können autonome Systeme dazu beitragen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig das Risiko für Menschen und bemannte Fahrzeuge zu reduzieren.

Wie groß die praktische Herausforderung beim Schutz von Seekabeln ist, wurde bei der Veranstaltung ebenfalls deutlich. Zwar sollen solche Kabel grundsätzlich etwa 1,5 Meter tief im Meeresboden verlegt sein. In der Realität liegen sie jedoch vielerorts zumindest abschnittsweise frei und sind damit anfälliger für Beschädigungen oder gezielte Eingriffe.

Auch bei Reichweite und Einsatzdauer setzt das System auf große Autonomie. Ziel ist es, dass der GREYSHARK mit dem künftig vorgesehenen Brennstoffzellenantrieb bis zu 8.000 nautische Meilen (rund 14.800 Kilometer) zurücklegen kann. Bei reinem Batteriebetrieb fällt die Reichweite entsprechend geringer aus. EUROATLAS gibt für unterschiedliche Missionsprofile eine mögliche Einsatzdauer von bis zu 16 Wochen bei der Brennstoffzellen-Variante an.

Die Entwicklung schreitet dabei mit hohem Tempo voran. Nach den bei der Veranstaltung vorgestellten Planungen soll die Serienreife bereits im September 2026 erreicht werden.