„Die öffentliche Verwaltung muss unternehmerischer denken und handeln“
Die Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandortes hängt nicht allein von den Unternehmen vor Ort ab. Ebenso entscheidend sind effiziente Verwaltungsstrukturen, schnelle Entscheidungswege und ein konstruktives Miteinander von Wirtschaft und öffentlicher Hand. Vor diesem Hintergrund diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik beim Unternehmerdialog der Sektion Lübeck auf Einladung von Sektionssprecher Johannes Kalläne unter dem Leitgedanken „Zukunft gemeinsam gestalten“ über die Anforderungen an eine moderne Verwaltung.
Begleitet und eingeleitet wurde die Gesprächsrunde vom Lübecker Stadtpräsidenten Henning Schumann. Dank seiner Erfahrungen sowohl in der Politik als auch in der freien Wirtschaft gelang es ihm, die unterschiedlichen Perspektiven beider Bereiche einzuordnen, bestehende Herausforderungen zu verdeutlichen und die Diskussion, um wichtige praktische Aspekte zu bereichern.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Verwaltungsprozesse künftig effizienter, transparenter und stärker an den Bedürfnissen von Unternehmen und Bürgern ausgerichtet werden können. Ein zentraler Kritikpunkt war das Fehlen einer systematischen Prozesskostenanalyse innerhalb der Verwaltung. Zudem wurde angemerkt, dass teilweise keine klaren Geschäftsverteilungspläne vorlägen, wodurch Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten nicht immer eindeutig nachvollziehbar seien.
Besonders für Unternehmen seien eindeutige und verlässliche Ansprechpartner von großer Bedeutung. Daher wurde die Einführung sogenannter Care-Manager angeregt, die Unternehmen als feste Ansprechpartner durch Verwaltungsverfahren begleiten. Ergänzend dazu diskutierten die Teilnehmer die Idee einer „Fast Lane“, um wirtschaftsrelevante Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse deutlich zu beschleunigen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die grundsätzliche Aufgabenkritik innerhalb der Verwaltung. Dabei müsse klar unterschieden werden, welche Aufgaben gesetzlich verpflichtend und welche freiwillig seien. Gleichzeitig wurde betont, dass die Perspektive der Bürger stärker berücksichtigt werden müsse. Schließlich seien sie die eigentlichen „Kunden“ der Verwaltung und sollten bei der Bewertung von Dienstleistungen und Prozessen aktiv einbezogen werden.
Mehrfach wurde deutlich, dass neben organisatorischen Fragen insbesondere das bestehende Mindset eine Herausforderung darstellt. Verwaltungsstrukturen seien häufig historisch gewachsen und nur schwer veränderbar. Als Denkanstoß wurde die Idee formuliert, die bestehende Verwaltung gewissermaßen als „Bad Bank“ zu betrachten und parallel neue, schlanke und effiziente Strukturen aufzubauen, die sich konsequent an modernen Anforderungen orientieren.
Einigkeit bestand darüber, dass der Austausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung künftig intensiviert werden müsse. Hierfür brauche es ein regelmäßiges und verbindliches Dialogformat. Neben dem Bürgermeister und der Wirtschaftssenatorin sollten insbesondere auch Vertreter der zweiten und dritten Verwaltungsebene eingebunden werden. Gerade dort liege wertvolle Fach- und Praxiserfahrung, die für die Entwicklung tragfähiger Lösungen unverzichtbar sei.
Als konkretes Ziel wurde die Etablierung eines festen Unternehmerdialogs formuliert. Denkbar sei ein Format mit jeweils 25 Schlüsselpersonen aus Verwaltung und Wirtschaft, die regelmäßig zusammenkommen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen zu diskutieren. Voraussetzung für einen erfolgreichen Austausch sei, dass Themen und Fragestellungen bereits im Vorfeld abgestimmt werden. Auf diese Weise könne Verbindlichkeit geschaffen und die Umsetzung gemeinsamer Lösungsansätze gefördert werden.
Abschließend wurde betont, dass Prozesse und Dienstleistungen der Verwaltung klar definiert und gemeinsam mit den zuständigen Fachexperten detailliert analysiert werden müssten. Nur wenn bestehende Abläufe transparent gemacht und konsequent hinterfragt werden, könne eine moderne Verwaltung entstehen, die den Anforderungen von Bürgern und Unternehmen gleichermaßen gerecht wird.
Der Unternehmerdialog machte deutlich, dass die Herausforderungen bekannt sind und zahlreiche Lösungsansätze bereits auf dem Tisch liegen. Nun gelte es, den begonnenen Austausch fortzusetzen und gemeinsam die Voraussetzungen für eine leistungsfähige, serviceorientierte und zukunftsfähige Verwaltung zu schaffen.