Bericht
18.08.2026
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„Die Sonne ist unser bester Verkäufer“

Mitglieder der Sektion Dithmarschen besichtigten die Dithmarscher Privatbrauerei in Marne
©Wirtschaftsrat

Wie behauptet sich eine traditionsreiche Landbrauerei in einem herausfordernden Marktumfeld? Damit beschäftigten sich die Mitglieder der Sektion Dithmarschen bei einer Brauereibesichtigung der Dithmarscher Privatbrauerei in Marne. Sektionssprecher Sven Voß begrüßte die Teilnehmer im historischen Brauereikeller bei Bier und Häppchen und ordnete den Termin ein: Die Brauerei sei eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Region verbunden, und der Wirtschaftsrat verstehe sich gerade bei solchen Terminen als Brücke zwischen Wirtschaft und Politik.

Anschließend ließ Norbert Lucks, nach eigener Aussage erst der dritte familienfremde Geschäftsführer in der Geschichte des 1884 von Christian Hintz gegründeten Unternehmens, die wechselvolle Geschichte der Brauerei Revue passieren – von der bäuerlichen Braustätte im 18. Jahrhundert bis zum heutigen Familienbetrieb in fünfter Generation. Er berichtete, dass sich die Dithmarscher Brauerei trotz eines insgesamt eher verhaltenen bundesweiten Biermarkts vergleichsweise gut behaupte. Der Markt sei in den vergangenen Jahren spürbar in Bewegung geraten, was sich unter anderem an der sinkenden Zahl der Brauereien in Deutschland ablesen lasse. Als Gründe nannte Lucks vor allem den rückläufigen Bierabsatz sowie gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe und Logistik, denen kaum gestiegene Bierpreise gegenüberstünden. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, dass sich ein Markt mit einer so langen Tradition mittelfristig wieder stabilisieren werde. Auch das deutsche Abschneiden bei Fußballwelt- und -europameisterschaften sowie das Wetter spielten dabei eine Rolle. Mit Blick auf die Traumsommer 2006 und 2018 meinte Lucks: „Die Sonne ist unser bester Verkäufer.“

Die Entscheidung für den Bau einer neuen Abfüllanlage außerhalb des Stadtzentrums sei deutlich vor der Corona-Zeit gefallen. Der Baubeginn fiel dann in eine Phase, in der Planung und Finanzierung eines solchen Projekts nach Angaben von Lucks „nicht ganz einfach“ gewesen seien. Der erste Bauabschnitt der neuen, auf der „grünen Wiese“ errichteten Anlage startete Anfang 2024, seit Ende desselben Jahres wird dort abgefüllt. Das Bier wird vom Stammsitz per Pipeline zur Abfüllanlage geleitet. Beim Neubau legte die Brauerei erkennbaren Wert auf Nachhaltigkeit: Solarthermie und eine Wärmerückgewinnung über ein Blockheizkraftwerk sollen den Energiebedarf der Anlage senken – ein Thema, das später auch beim Rundgang eine Rolle spielen sollte.

Dass sich die Investition auszahlt, zeigt eine aktuelle Kooperation: Die Hamburger Ratsherrn Brauerei lässt ihre Flaschenabfüllung künftig über die Dithmarscher abwickeln, um eigene Kosten zu senken und Kapazitäten in Marne besser auszulasten. Für Lucks ein gelungenes Beispiel dafür, wie zwei eigenständige Familienbrauereien in einem anspruchsvollen Umfeld voneinander profitieren können, ohne ihre jeweilige Unabhängigkeit aufzugeben.

In der anschließenden Fragerunde, die Lucks gemeinsam mit Braumeister Garlich von Essen bestritt, ging es neben technischen Fragen zum Neubau auch um allgemeine Rahmenbedingungen für die Branche – etwa um den Umgang mit Bürokratie sowie um die auf Bundesebene diskutierte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke, die vor allem Betriebe mit einem wachsenden alkoholfreien Sortiment von Mitxgetränken betreffen würde.

Im Anschluss führte Braumeister Garlich von Essen die Gruppe persönlich durch die neue Abfüllhalle am Rande der Stadt und erläuterte dabei jeden einzelnen Arbeitsschritt – von der Reinigung der zurückkommenden Pfandflaschen über die Kontrolle bis hin zur Neubefüllung und Etikettierung. Die Teilnehmer konnten sich vor Ort davon überzeugen, dass die gesamte Anlage auf dem modernsten technischen Niveau arbeitet. Von Essen machte dabei deutlich, wie viel Wert bei der Planung auf Energieeffizienz gelegt wurde: Von der bereits erwähnten Solarthermie und Wärmerückgewinnung bis zu einzelnen Anlagenteilen sei durchgängig darauf geachtet worden, den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Für die Gäste der Sektion Dithmarschen bot der Rundgang damit einen anschaulichen Einblick, wie ein traditionsreicher Familienbetrieb Handwerk und moderne Technik miteinander verbindet.