„Gesundheit ist unser höchstes Gut“ – Die medizinische Versorgung im Kreis Steinburg
Wie lässt sich eine wohnortnahe und zugleich zukunftsfähige medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern? Und was bedeuten die aktuellen Reformen für Kliniken und Praxen vor Ort? Mit diesen Fragen befassten sich die Mitglieder der Sektion Steinburg des Wirtschaftsrates der CDU e.V. bei einer Diskussionsveranstaltung im Klinikum und Seniorenzentrum Itzehoe. Sektionssprecher Christian Stöterau eröffnete die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass Gesundheit für die meisten Menschen das höchste Gut sei und die Frage nach der künftigen gesundheitlichen Versorgung – gerade mit Blick auf Haus- und Fachärzte im ländlichen Raum – viele Bürgerinnen und Bürger unmittelbar beschäftige.
Krankenhausdirektorin Hannah Maria Werner stellte das Klinikum Itzehoe vor, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Im Jahr 2025 wurden rund 30.000 stationäre Fälle behandelt, die Umsatzerlöse lagen bei etwa 224,5 Millionen Euro, beschäftigt sind rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Träger des Hauses ist ein Zweckverband, dessen Vorsteher Marcel Christian Ulrich ebenfalls anwesend war. Ergänzt wird das Klinikum durch mehrere Tochtergesellschaften sowie eine Servicedienstleistungstochter, die Unternehmensführung liegt bei einem erweiterten Vorstand. Als Anspruch an die eigene Arbeit nannte Werner drei Punkte: die medizinische und pflegerische Versorgung der Region, die Rolle als Arbeitgeber sowie eine Qualität, die fachlich wie menschlich überzeugt.
Das Klinikum ist Mitglied des 6K-Verbundes kommunaler Krankenhäuser in Schleswig-Holstein, über den ein erheblicher Teil der stationären Versorgung im Land abgedeckt wird und der eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Häusern ermöglicht. Zugleich ist das Haus nach Angaben von Hannah Maria Werner der größte Arbeitgeber im Kreis Steinburg – rund 70 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben im Kreis, sodass ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung in der Region verbleibt. Für die Gewinnung von Fachkräften setzt das Klinikum unter anderem auf eigene Ausbildung mit rund 310 Auszubildenden in 25 Berufen sowie auf Präsenz an Universitäten; die Belegschaft stammt aus rund 65 Ländern. Ein Überblick über die medizinischen Kliniken und Zentren machte das breite und interdisziplinär angelegte Leistungsspektrum des Hauses deutlich.
Ausführlich ging Werner auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein. Der Gesundheitssektor sei aus ihrer Sicht in hohem Maße reguliert. Zugleich zählten die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung in Deutschland international zu den höchsten, ohne dass sich dies in einer überdurchschnittlichen Lebenserwartung niederschlage – aus ihrer Sicht ein deutlicher Hinweis auf den Reformbedarf im System. Hinzu komme eine demografisch bedingt weiter steigende Nachfrage. Das Klinikum Itzehoe habe sein Ergebnis in den vergangenen Jahren spürbar verbessern können, sehe sich durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz ab 2027 jedoch einer zusätzlichen Belastung in einer Größenordnung von rund sieben Millionen Euro gegenüber. Auch die Krankenhausreform in Schleswig-Holstein mit ihrer angestrebten Zentralisierung war Thema.
Gerlinde Böttcher-Naudiet, Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion Steinburg und Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Familie, Gesundheit und Gleichstellung, ergänzte anschließend die Sicht der Kreispolitik. Die Versorgung funktioniere im Kern, es fehle jedoch an Fachpersonal – sowohl bei Ärztinnen und Ärzten als auch bei den medizinischen Fachkräften. Aus der Bevölkerung erreichten sie Rückmeldungen etwa zur unterschiedlichen Terminvergabe für Kassen- und Privatpatienten. Auch die zunehmende Digitalisierung wurde angesprochen: Sie berge das Risiko, ältere Menschen vom Zugang zur Versorgung auszuschließen. Als weitere praktische Probleme nannte Böttcher-Naudiet die schwierige Suche nach einem Hausarzt, wenn zuvor ein Hausverbot ausgesprochen wurde, sowie Fragen rund um Kooperationsverträge stationärer Pflegeeinrichtungen mit Ärzten und die zahnmedizinische Versorgung in Pflegeheimen.
Als Lösungsansätze wurden unter anderem die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin genannt, mit der junge Ärztinnen und Ärzte über eine gute Weiterbildung im Kreis gehalten werden sollen, sowie die Notfallversorgung: Ein Akutfahrzeug im Kreis ermöglicht es, Patientinnen und Patienten auch zu Hause zu versorgen. Darüber hinaus kamen Problemfelder zur Sprache, die weit über den Kreis Steinburg hinausreichen. Dazu zählt die psychiatrische Versorgung, bei der einzelne Bereiche wie Angststörungen oder Spielsucht aus Sicht der Referentinnen zu wenig Beachtung finden und die Wartezeiten bis zu einer Behandlung zu lang ausfallen. Angesprochen wurden zudem das Fehlen einer Auffangstation für obdachlose Menschen im Anschluss an eine Behandlung sowie der Umstand, dass es in Schleswig-Holstein keinen eigenen Lehrstuhl für Geriatrie gibt und im Kreis Steinburg nur eine geriatrische Abteilung zur Verfügung steht.
Einigkeit bestand am Ende der Diskussion darin, dass die Gesundheitsversorgung längst nicht mehr allein eine sozialpolitische Frage ist, sondern als Standortfaktor für die gesamte Region gesehen werden muss.