Bericht
22.08.2026
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„Kultur ist Wirtschaft“

Wirtschaftsrat diskutiert mit Uta Röpcke MdL über die wirtschaftliche Bedeutung von Kultur in Schleswig-Holstein
©Wirtschaftsrat

Kultur ist weit mehr als gesellschaftliche Teilhabe und künstlerischer Ausdruck – sie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Dies machte Uta Röpcke MdL, kulturpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Schleswig-Holsteinischen Landtag, bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals deutlich. 34 Mitglieder und Gäste waren der Einladung zu einem vorgelagerten Austausch in den Holstenhallen in Neumünster gefolgt.

Lars Osterhoff, Mitglied des Landesvorstandes des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein, begrüßte die Teilnehmer in Vertretung des Landesvorsitzenden Dr. Christian von Boetticher. Er verwies auf die vielfältigen Verbindungen zwischen Kultur, Wirtschaft und Standortentwicklung, die im Mittelpunkt des Abends standen.

Uta Röpcke betonte, dass sie Kulturpolitik mit großer Leidenschaft betreibe. Kultur sei für sie ein zentrales Politikfeld – und müsse stärker auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Ihre Kernbotschaft: „Kultur ist Wirtschaft.“ Entsprechend plädierte sie dafür, bei öffentlichen Mitteln für Kultur nicht ausschließlich von „Förderung“, sondern stärker von Investitionen zu sprechen. Auch Unternehmen sprächen schließlich von Investitionen, wenn sie Mittel einsetzten, von denen sie sich einen langfristigen Nutzen versprächen.

Welche Dimensionen die Kultur- und Kreativwirtschaft inzwischen erreicht, verdeutlichte Röpcke mit einer Frage an die Gäste: Wie hoch war der Umsatz der Branche im Jahr 2023 in Deutschland? Antwort: Der Monitoringbericht der Bundesregierung weist für 2023 einen Umsatz von 204,6 Milliarden Euro aus; allein rund ein Drittel entfiel dabei auf die Software- und Games-Industrie.

Für Schleswig-Holstein seien vergleichbare belastbare Zahlen bislang nicht ausreichend verfügbar, kritisierte Röpcke. Genau darin liege ein Problem: Ohne eine verlässliche Datengrundlage könne kaum beurteilt werden, in welchen Bereichen Investitionen notwendig und besonders wirksam seien. Ihr Appell lautete daher, deutlich stärker über die Wertschöpfung der Kultur- und Kreativwirtschaft zu sprechen. Kulturveranstaltungen seien nicht nur ein gesellschaftlicher Gewinn, sondern brächten Besucher ins Land, sorgten für Übernachtungen, Gastronomieumsätze und weitere wirtschaftliche Effekte. Festivals wie das Schleswig-Holstein Musik Festival oder auch das Wacken Open Air zeigten dies besonders anschaulich.

Regionalen Buchhandel stärken

Als weiteres Beispiel richtete Röpcke den Blick auf den Buchhandel. Gerade kleinere und regionale Buchhandlungen stünden wirtschaftlich unter erheblichem Druck. Sie appellierte deshalb daran, bewusst vor Ort einzukaufen. Viele regionale Händler böten inzwischen ebenfalls eine schnelle Lieferung nach Hause an – es müsse daher „nicht immer Amazon sein“.

Kritisch bewertete Röpcke, dass selbst die öffentliche Beschaffung vielfach bei großen Online-Anbietern bestelle, statt regionale Anbieter einzubeziehen. Obwohl sie sich grundsätzlich als wirtschaftsfreundlich verstehe und Regulierung mit Zurückhaltung betrachte, könne sie sich an dieser Stelle verbindlichere Vorgaben für die öffentliche Beschaffung vorstellen, um regionale Wirtschaftsstrukturen zu stärken.

Mehr Wertschöpfung aus Filmproduktionen im Land halten

Großes wirtschaftliches Potenzial sieht Röpcke zudem im Filmstandort Schleswig-Holstein. Produktionen wie die ZDF-Serie „Dr. Nice“, für die unter anderem in und um Flensburg gedreht wird, oder Fatih Akins Kinofilm „Amrum“ zeigten die Attraktivität des Landes als Filmkulisse. „Amrum“ entstand zu großen Teilen in Schleswig-Holstein und rückte die Insel auch überregional als Filmstandort in den Fokus.

Gleichzeitig bleibe ein erheblicher Teil der möglichen Wertschöpfung außerhalb Schleswig-Holsteins, da es im Land an entsprechender Produktionsinfrastruktur wie Studios fehle. Dass Investitionen in Filmproduktionen erhebliche regionale Effekte auslösen können, zeigen Zahlen der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein: 2024 generierte jeder eingesetzte Fördereuro rechnerisch 3,15 Euro an Ausgaben in Hamburg und Schleswig-Holstein. Für Röpcke ist dies ein weiteres Beispiel dafür, Kulturpolitik stärker auch als Standort- und Wirtschaftspolitik zu verstehen.

Im Anschluss an den Austausch nahmen die Mitglieder und Gäste gemeinsam an den Schleswig-Holstein Proms teil. Das Gala-Konzert in der Holstenhalle mit Werken unter anderem von Beethoven, Tschaikowsky, Bernstein und Elgar bildete den musikalischen Abschluss des Abends. Unter der Leitung von Wayne Marshall spielte das Odense Symfoniorkester gemeinsam mit den Solistinnen Hana Chang, Jess Gillam und Matilda Lloyd; durch den Abend führte die Journalistin Annette Dittert.