Bericht
08.06.2026
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Die Apothekenreform und ihre Auswirkungen

Die Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft diskutierte bei der Medipolis Produktions GmbH in Jena über die Folgen der Reform für Versorgungssicherheit, Wett
©WR

Wie kann eine flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland auch künftig sichergestellt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsrates am 28. Mai 2026 bei Medipolis in Jena. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die geplante Apothekenreform und ihre Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, Wettbewerb und die wirtschaftliche Zukunft der Apotheken.

Die Herausforderungen sind erheblich. Seit 2013 haben rund 4.000 Apotheken in Deutschland ihren Betrieb eingestellt. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie- und Bürokratiekosten kontinuierlich, während die wirtschaftlichen Spielräume vieler Apotheken zunehmend schrumpfen. Hinzu kommen strukturelle Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Versandapotheken, die teilweise unter anderen regulatorischen Rahmenbedingungen agieren und dadurch Wettbewerbsvorteile genießen.            
Die Reform enthält durchaus wichtige und richtige Ansätze. Erweiterte Kompetenzen in den Bereichen Beratung, Prävention und Impfung sowie größere Flexibilität bei Lieferengpässen stärken die Rolle der Apotheken als wohnortnahe Gesundheitsdienstleister. Damit trägt die Reform der wachsenden Bedeutung der Apotheken für eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung Rechnung.         

Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass die vorgesehenen wirtschaftlichen Entlastungen nach Einschätzung vieler Branchenvertreter hinter den tatsächlichen Herausforderungen zurückbleiben. Zusätzliche Aufgaben und höhere Anforderungen müssen sich auch in tragfähigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln.
Besonders kritisch bewertet wurden die weiterhin bestehenden Wettbewerbsverzerrungen zulasten deutscher Apotheken sowie die Unsicherheit über die zukünftige Ausgestaltung der Vergütungsstruktur. Zwar bleiben Fixum und prozentualer Apothekenzuschlag zunächst erhalten. Beide Bestandteile stehen jedoch perspektivisch zur Disposition. Für viele Apotheken würde eine weitere Schwächung der bestehenden Vergütungssystematik die wirtschaftliche Lage zusätzlich verschärfen.            

Unser Referent Robert-Martin Montag brachte die Bewertung treffend auf den Punkt:
„Die Reform ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber eine vertane Chance, Apotheken als versorgungsabsichernde Struktur flächendeckend zu etablieren.“        

Für den Wirtschaftsrat ist klar: Eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung benötigt starke und wirtschaftlich tragfähige Strukturen vor Ort. Wer Versorgungssicherheit stärken will, muss Wettbewerbsverzerrungen abbauen, unternehmerische Verantwortung ermöglichen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Die Apothekenreform adressiert bestehende Herausforderungen, bleibt jedoch hinter dem Anspruch zurück, die Zukunftsfähigkeit der Apotheken als unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung nachhaltig zu sichern.               


Herzlichen Dank an die Medipolis Produktion GmbH für die Gastfreundschaft.

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