Die Apothekenreform und ihre Auswirkungen
Wie kann eine flächendeckende
Arzneimittelversorgung in Deutschland auch künftig sichergestellt werden? Mit
dieser Frage beschäftigte sich die Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft
des Wirtschaftsrates am 28. Mai 2026 bei Medipolis in Jena. Im Mittelpunkt der
Diskussion stand die geplante Apothekenreform und ihre Auswirkungen auf
Versorgungssicherheit, Wettbewerb und die wirtschaftliche Zukunft der
Apotheken.
Die Herausforderungen sind erheblich. Seit 2013 haben rund 4.000 Apotheken in
Deutschland ihren Betrieb eingestellt. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie-
und Bürokratiekosten kontinuierlich, während die wirtschaftlichen Spielräume
vieler Apotheken zunehmend schrumpfen. Hinzu kommen strukturelle
Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Versandapotheken, die teilweise
unter anderen regulatorischen Rahmenbedingungen agieren und dadurch
Wettbewerbsvorteile genießen.
Die Reform enthält durchaus wichtige und richtige Ansätze. Erweiterte
Kompetenzen in den Bereichen Beratung, Prävention und Impfung sowie größere
Flexibilität bei Lieferengpässen stärken die Rolle der Apotheken als
wohnortnahe Gesundheitsdienstleister. Damit trägt die Reform der wachsenden
Bedeutung der Apotheken für eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung
Rechnung.
Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass die vorgesehenen
wirtschaftlichen Entlastungen nach Einschätzung vieler Branchenvertreter hinter
den tatsächlichen Herausforderungen zurückbleiben. Zusätzliche Aufgaben und
höhere Anforderungen müssen sich auch in tragfähigen wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen widerspiegeln.
Besonders kritisch bewertet wurden die weiterhin bestehenden
Wettbewerbsverzerrungen zulasten deutscher Apotheken sowie die Unsicherheit
über die zukünftige Ausgestaltung der Vergütungsstruktur. Zwar bleiben Fixum
und prozentualer Apothekenzuschlag zunächst erhalten. Beide Bestandteile stehen
jedoch perspektivisch zur Disposition. Für viele Apotheken würde eine weitere
Schwächung der bestehenden Vergütungssystematik die wirtschaftliche Lage
zusätzlich verschärfen.
Unser Referent Robert-Martin Montag brachte die Bewertung treffend auf den
Punkt:
„Die Reform ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber eine vertane Chance,
Apotheken als versorgungsabsichernde Struktur flächendeckend zu etablieren.“
Für den Wirtschaftsrat ist klar: Eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung
benötigt starke und wirtschaftlich tragfähige Strukturen vor Ort. Wer
Versorgungssicherheit stärken will, muss Wettbewerbsverzerrungen abbauen,
unternehmerische Verantwortung ermöglichen und verlässliche Rahmenbedingungen
schaffen. Die Apothekenreform adressiert bestehende Herausforderungen, bleibt
jedoch hinter dem Anspruch zurück, die Zukunftsfähigkeit der Apotheken als
unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung nachhaltig zu sichern.
Herzlichen Dank an die Medipolis Produktion GmbH für die Gastfreundschaft.
