Bericht
16.06.2026
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KI in Akut , Vorsorge und Reha Kliniken

Chancen, Herausforderungen und politische Handlungsbedarfe
©WR

KI in Akut‑, Vorsorge‑ und Reha‑Kliniken – Chancen, Herausforderungen und politische Handlungsbedarfe

Wie kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, die medizinische Versorgung in Thüringen auch künftig leistungsfähig, wirtschaftlich tragfähig und patientennah zu gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich die LAG Krankenhäuser/Reha des Wirtschaftsrates Thüringen in ihrer jüngsten Sitzung. Im Mittelpunkt standen die praktischen Einsatzmöglichkeiten von KI, die wirtschaftlichen Effekte für Kliniken sowie die politischen Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Implementierung notwendig sind.

Fachkräftemangel, steigende Kosten, wachsende Anforderungen – Kliniken stehen unter Druck

Die Ausgangslage ist herausfordernd:               
Bis 2035 scheiden bundesweit rund 300.000 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen altersbedingt aus. Gleichzeitig steigen Personal‑, Energie‑ und Dokumentationskosten kontinuierlich. Viele Kliniken arbeiten zudem mit Medienbrüchen zwischen KIS, PVS und Reha‑Systemen – ein strukturelles Effizienzproblem, das Zeit, Qualität und Ressourcen kostet.

Trotz dieser Lage nutzen bislang nur 18 % der Kliniken KI‑gestützte Anwendungen. Dabei befürworten 71 % der Patientinnen und Patienten den Einsatz von KI im Gesundheitswesen – ein klares Signal für Akzeptanz und Erwartungshaltung.

KI als Entlastungsfaktor: messbare Effizienzgewinne und Qualitätsvorteile

Die vorgestellten Praxisbeispiele zeigten deutlich, dass KI in Kliniken keine Zukunftsvision, sondern bereits heute produktiv einsetzbar ist:

  • 20 % weniger Dokumentationsaufwand – wie das Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf seit 2024 belegt.
  • 130 Stunden Zeitgewinn pro Jahr und Mitarbeitendem in ärztlichen und pflegerischen Bereichen.
  • 285.000 € Kapazitätswert pro Jahr in einer mittelgroßen Klinik (10 Ärzte, 30 Pflege/Therapie).
  • 1,4 Mio. € Kapazitätswert in größeren Häusern (50 Ärzte, 150 Pflege/Therapie).

Neben Effizienzgewinnen bietet KI deutliche Qualitätsvorteile:        
automatisierte Arztbrief‑Entwürfe, Plausibilitätsprüfungen in der Abrechnung, KI‑gestützte Patientenkommunikation, Prognosen im Belegungsmanagement sowie digitale Wissensdatenbanken, die Unternehmenswissen sichern und Mitarbeitende entlasten.

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Herausforderungen: Datenschutz, fehlende Strategien und Schatten‑KI

In der Diskussion wurde klar, dass der Nutzen von KI nur dann voll ausgeschöpft werden kann, wenn Kliniken strukturelle Voraussetzungen schaffen. Kritisch bewertet wurden:

  • fehlende KI‑Strategien in vielen Häusern
  • Datenschutz‑ und Compliance‑Unsicherheiten (DSGVO, EU AI Act)
  • Schatten‑KI durch Mitarbeitende mangels offizieller Lösungen
  • mangelnde Integration in bestehende Systeme
  • Akzeptanzprobleme im Personal

Die Teilnehmenden betonten, dass KI nicht als isoliertes Tool, sondern als neues Betriebssystem klinischer Arbeit verstanden werden müsse.

Handlungsempfehlungen für Kliniken

Die LAG formulierte zentrale Schritte für eine erfolgreiche Einführung:

  1. Entwicklung einer KI‑Strategie mit klaren Zielen und Governance.
  2. Einrichtung einer KI‑Richtlinie zur sicheren und rechtskonformen Nutzung.
  3. Priorisierung von Use Cases nach Nutzen und Umsetzbarkeit.
  4. Qualifizierung der Mitarbeitenden für den Umgang mit KI‑Werkzeugen.
  5. Aufbau einer Wissensdatenbank (RAG‑basiert) zur Sicherung von Know‑how.
  6. Integration von KI‑Assistenten in den klinischen Alltag.

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Politische Schlussfolgerungen des Wirtschaftsrates

Für den Wirtschaftsrat ist klar:              
Eine moderne, leistungsfähige Gesundheitsversorgung braucht digitale und wirtschaftlich tragfähige Strukturen. KI kann einen entscheidenden Beitrag leisten – aber nur, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

Die LAG fordert daher:

  • Rechtssicherheit beim Einsatz von KI in Kliniken
  • Refinanzierbare Investitionen in digitale Infrastruktur
  • Abbau bürokratischer Hürden
  • Förderung von Innovationen, die Versorgung und Wirtschaftlichkeit stärken

KI‑Projekte amortisieren sich häufig bereits nach 12–18 Monaten. Politik und Verwaltung sollten diese Potenziale aktiv unterstützen, statt durch Unsicherheiten oder Überregulierung auszubremsen.

Der Wirtschaftsrat dankt allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion und den wertvollen fachlichen Austausch. Ein besonderer Dank gilt Herrn Christof Schmid, Redner und Berater für KI-Technologie; Leiter der CommTech Academy für seine Einführung in die Thematik und die Moderation der Diskussion