„Die Unterschätzten" – Lesung und Diskussion mit Dr. Andreas Möller
Ländliche Regionen gelten in der öffentlichen Debatte oft als rückständig oder abgehängt – dabei spielen sie eine zentrale Rolle für Produktion, Energieversorgung, Ernährungssicherheit und die Lebensqualität in Deutschland. Mit genau diesem Spannungsfeld beschäftigte sich eine Veranstaltung des Wirtschaftsrats Baden-Württemberg am 9. Juni.
Unter der Moderation von Rudolf Sommer, Sprecher der Sektion Ulm/Ehingen/Biberach, las Dr. Andreas Möller, Buchautor sowie Leiter Unternehmenskommunikation und Politik der TRUMPF SE + Co. KG, aus seinem Buch „Die Unterschätzten – Warum sich unsere Zukunft auf dem Land entscheidet" und sprach über Strukturwandel, gesellschaftliche Wahrnehmung und die zunehmende Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen Perspektiven. Im Anschluss bot eine offene Diskussionsrunde Gelegenheit zum Austausch.

Möller machte deutlich, dass der ländliche Raum in der öffentlichen Wahrnehmung häufig durch Klischees geprägt wird – mal romantisiert, mal herablassend behandelt, aber nur selten auf Augenhöhe. Dabei sei es gerade das Land, das als Produktionsstandort, Energieraum und Träger von Infrastruktur wesentliche Grundlagen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands liefere. Mittelstand, Handwerk und sogenannte Hidden Champions schafften hier seit Generationen Wertschöpfung und Ausbildungsplätze – weitgehend unsichtbar, aber unverzichtbar.

Ein zentrales Anliegen des Abends war die wachsende Entfremdung zwischen Stadt und Land. Politische Entscheidungen zu Energiewende, Flächennutzung oder Regulierung würden oft ohne ausreichende Einbeziehung jener getroffen, die ihre Folgen unmittelbar tragen. Das erzeuge nicht nur Frust, sondern habe auch Auswirkungen auf das Vertrauen in politische Institutionen.
Mit Blick auf den Buchtitel lässt sich damit sagen: Wer die Zukunft Deutschlands gestalten will, darf den ländlichen Raum nicht länger unterschätzen – weder als Wirtschaftsfaktor noch als gesellschaftlichen Resonanzraum.