Bericht
27.08.2026
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Cyberangriffe im Visier: Warum IT-Sicherheit Chefsache wird

Die Sektion Odenwald diskutierte mit Experten über die wirksame Umsetzung von NIS2 und die neuen Anforderungen an Unternehmen.
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Cyberangriffe sind längst keine abstrakte Gefahr mehr. Unternehmen, Verwaltungen und kritische Infrastrukturen geraten zunehmend ins Visier professioneller Angreifer. Dabei werden die Methoden immer ausgefeilter: Phishing-Mails sind kaum noch von echten Nachrichten zu unterscheiden, künstliche Intelligenz erleichtert Angriffe und digitale Abhängigkeiten machen Unternehmen verwundbarer. Wie Unternehmen mit dieser Entwicklung umgehen und ihre Widerstandsfähigkeit stärken können, stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Sektion Odenwald.

Dr. Nicolas Sölter, Hessischer Staatssekretär für Digitalisierung und Innovation, machte deutlich, dass Cybersicherheit längst über die Zuständigkeit der IT-Abteilung hinausgeht. Gerade die Anforderungen der europäischen NIS2-Richtlinie machen aus einem technischen Thema eine Managementaufgabe.

Hintergrund ist eine veränderte Sicherheitslage, welche eine höhere Resilienz von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft erforderlich macht. Cyberangriffe können nicht nur Unternehmen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen, sondern auch das Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen erschüttern. Die digitale Sicherheit wird damit zunehmend zu einer Frage der Funktionsfähigkeit insgesamt. NIS2 gibt dabei kein starres Maßnahmenpaket vor. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen vielmehr dazu, sich systematisch mit ihren Risiken auseinanderzusetzen und entsprechende Strukturen und Prozesse aufzubauen.

Für die Wirtschaft gelten die entsprechenden NIS2-Vorgaben bereits seit Dezember 2025. Die öffentliche Verwaltung in Hessen folgt ab Oktober 2027. Hessen hat sich bei dem Thema bereits gut aufgestellt, erklärte Sölter. Im Innenministerium wurde eine NIS2-Stelle eingerichtet, gleichzeitig wird das Thema ressortübergreifend bearbeitet. Hessen steht bei der Thematik nicht am Anfang, hat aber auch noch nicht das angestrebte Niveau erreicht.

Wie leicht es Angreifern heute fallen kann, in Unternehmenssysteme einzudringen, verdeutlichte Christian Müller, CTO der Trufflepig IT-Forensics GmbH. Professionelle Hacker arbeiten inzwischen mit hoher Präzision. Klassische Phishing-Mails sind teilweise kaum noch als solche zu erkennen. Künstliche Intelligenz verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. Bei sogenannten Penetrationstests gelingt es in rund 90 Prozent der Fälle, in ein Unternehmen einzudringen.

Müller machte zugleich deutlich, dass sich Cyberangriffe nicht vollständig verhindern lassen. Entscheidend ist deshalb, Angriffe möglichst früh zu erkennen und im Ernstfall schnell und richtig zu reagieren. Dabei geht es den Angreifern in den meisten Fällen nicht um die Zerstörung eines Unternehmens. Rund 95 Prozent der Attacken zielen letztlich auf Geld und damit auf einen wirtschaftlichen Vorteil.

Technische Lösungen können helfen, bestimmte Angriffsmöglichkeiten deutlich zu reduzieren. Müller verwies beispielsweise auf Hardwarelösungen mit PIN, welche den Zugang zu Programmen zusätzlich absichern und damit das Risiko erfolgreicher Phishing-Angriffe verringern. Insgesamt liegt das Sicherheitsniveau vieler Unternehmen jedoch noch nicht dort, wo es angesichts der aktuellen Bedrohungslage liegen muss.

Kai Schwardt, Geschäftsführer der SCV GmbH, ordnete die Anforderungen aus Sicht des Mittelstands ein. Auch er betonte, dass sich Cyberattacken nicht vollständig verhindern lassen. Ziel ist deshalb, Risiken zu minimieren und mögliche Schäden so gering wie möglich zu halten. NIS2 bietet dafür einen wichtigen Rahmen. Gerade für Unternehmen im Odenwald stellt sich aber zuerst die Frage, ob sie überhaupt unter die Richtlinie fallen. Die Zahl der unmittelbar betroffenen Unternehmen in der Region ist überschaubar. Für die betroffenen Betriebe ist es jedoch wichtig, ihre Pflichten genau zu kennen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) muss zudem wissen, welche Unternehmen unter NIS2 fallen. Betroffene Unternehmen müssen sich daher entsprechend registrieren und ihre Verpflichtungen erfüllen. Schwardt zeigte auf, was alles unter die NIS2-Richtlinie fällt und welche Schritte zu gehen sind, um die Richtlinie im Unternehmen umzusetzen.