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Bericht
12.09.2022
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Die Nutzung der „dazwischenliegenden Möglichkeiten“ ist eine erfolgreiche Methode der Stadtentwicklung

Die Sektion Limburg-Weilburg im Gespräch mit dem Weilburger Altbürgermeister Hans-Peter Schick, Architekt Matthias Losacker, ABID-Geschäftsführer Stefan Hötterges und Investor Markus Stillger sowie dem amtierenden Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch über die erfolgreichen Schritte und Projekte bei der Stadtentwicklung in Weilburg.

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In der Stadt Weilburg werden seit 2002 die sogenannten „dazwischenliegenden Möglichkeiten“ in der Stadtentwicklung erfolgreich genutzt. „Wenn Naturschutz, Denkmalschutz, Bergsenkungsgebiete, Waldreichtum und Topographie Grenzen für die Stadtentwicklung setzen, dann muss eine Stadt wie Weilburg auf dazwischenliegende Möglichkeiten setzen“, führte Hans-Peter Schick, Bürgermeister a.D. der Stadt Weilburg, in die Thematik des Abends ein. Jahrhundertelang orientierte sich Weilburgs Entwicklung an der Lahn. „Um das Jahr 2000 kam die Stadt dann aber an ihre Grenzen. Die Stadt war gezwungen, mit der Betonung des quer zur Lahn verlaufenden Verkehrsbandes B456 umzusteuern“, so Schick. Eine Möglichkeit dafür waren die „dazwischenliegenden Möglichkeiten“ – also Baulücken oder ungenutzte Brachflächen und leerstehende Gebäude im Stadtbild. Dadurch konnte die Oberlahnbrücke mit dem Mühlbergtunnel gebaut sowie das Landratsamt wieder einer Nutzung zugeführt werden. Auf dem Gelände des Kirmesplatzes werden derzeit Wohn- und Pflegeeinrichtungen gebaut und Unternehmen in Weilburg konnte sich entwickeln. Insgesamt entstand mit weiteren Bau- und Gewerbegebieten zwischen Waldhausen, Weilburg und Kubach eine Stadtmitte mit rund 8.500 Einwohnern.



Welche Potentiale die Lahnschleife für die weitere Stadtentwicklung Weilburgs hat, stellte der Weilburger Architekt Matthias Losacker vor. „Die Lahnschleife bietet vielfältige Möglichkeiten mit ihren ungenutzten und teilweise brachliegenden Flächen.“ Hier könnte nach Losacker wesentlich besser ein attraktiver Lebensraum geschaffen und dabei die Altstadt miteingebunden und mit der Westerwald- sowie Taunusseite verbunden werden. Beispielhaft dafür ist das Projekt „Wohnen am Fluss“ und „Klein-Nizza“. Insgesamt sieht der Architekt siebzehn Entwicklungsschritte in der Lahnschleife. „Die Stadt kann von der Lahn aus weiterentwickelt werden. Die Flächen müssen nur neu gedacht werden“, so Losacker.


„Qualifizierten und altersgerechten Wohnraum kommt eine immer größere Bedeutung zu“, führten Stefan Höttgeres und Markus Stillger von der ABID Wohnstadt GmbH in das Projekt „Seniorenzentrum Lindenring“ ein. 57 Wohnungen und 65 Pflegeappartements für alle Pflegegrade entstehen bis Ende 2023 auf dem ehemaligen Kirmesplatzareal an der Limburger Straße. Damit nutzte die Stadt eine dazwischenliegende Möglichkeit in Form von Brachfläche zur Schaffung neuer Wohnungen. Die Investition beläuft sich auf rund 32 Millionen Euro. Daruch entstehen neben Wohnraum auch 60 Voll- und Teilzeitarbeitsplätze. Nach Bauende sollen rund 150 Menschen im Lindenring ein neues Zuhause finden.


Der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch zeigte dann noch Perspektiven für die weitere Stadtentwicklung auf. Er nannte Weilburg einen Standort, „an dem sich viel bewegt hat und bewegt. Stadtentwicklung hört nicht auf.“ Die aktuelle Palette reicht von einzelnen Standorten in der Lahnschleife über Objekte am Marktplatz oder die Neuanlage der Wohnmobilstation. „Die Lahn erlebbar machen“, nannte der Bürgermeister eines seiner großen Ziele. Gleichzeitig drückte er seine Freude aus über Ausbauprojekte von heimischen Unternehmen oder beim Glasfasernetz sowie den künftigen Neubau des regionalen Krankenhauses. Ein wichtiger Schlüssel zur Entwicklung der Weilburger Kernstadt und der Stadtteile sei die Möglichkeit, leerstehende Immobilien und Problemstandorte durch die Stadt zu erwerben. Dafür stelle das Stadtparlament jährlich 500.000 Euro zur Verfügung.