KI verändert die Arbeitswelt – zwischen Potenzial, Unsicherheit und neuen Anforderungen
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt – doch wie tiefgreifend dieser Wandel tatsächlich ausfällt, war Gegenstand einer intensiven Diskussion der Sektion Wiesbaden. Nach der Begrüßung durch Dr. Michael Schuppli, Sektionssprecher Wiesbaden des Wirtschaftsrats Hessen, gab Stefan Stark, Geschäftsführer der Brömer & Sohn GmbH, eine „Botschaft aus der Wirtschaft“. Dabei wurde deutlich: KI wird auch die Baubranche verändern, doch sie wird den Menschen auf dem Bau nicht einfach ersetzen. Die Technologie könne unterstützen, wird aber weder selbst bauen, noch Gespräche mit Mitarbeitern führen. Entscheidend sei daher nicht die Frage, welche Arbeitsplätze KI abschaffe, sondern wie sich die Arbeitswelt durch ihren Einsatz verändere – insbesondere im Mittelstand.

Für Stark stand dabei der Mensch im Mittelpunkt. Mitarbeiter müssen frühzeitig in den Veränderungsprozess eingebunden, mitgenommen und qualifiziert werden. Gleichzeitig müssen Unternehmensführungen klare Grenzen für den Einsatz von KI aufzeigen. Gerade beim Datenschutz ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich. KI ist ein starkes Werkzeug. Ob daraus tatsächlich unternehmerischer Fortschritt entsteht, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie Unternehmen und Belegschaft damit umgehen.
Anschließend richtete René Gröne, Lead S&O Alliances Deutschland bei der PwC GmbH, den Blick auf die technologische Seite. Bereits die Frage, was unter Künstlicher Intelligenz überhaupt zu verstehen sei, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es gibt zahlreiche Definitionen und unterschiedliche Ansätze. Gröne unterschied dabei zwischen klassischer KI, welche bereits seit Jahrzehnten eingesetzt wird, und der generativen KI, welche den aktuellen Hype maßgeblich ausgelöst hat. Anhand verschiedener Beispiele aus der Praxis zeigte Gröne, wie vielfältig KI heute eingesetzt werden könnte. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich Risiken und Gefährdungsgrade nicht pauschal bewerten ließen. Welche Auswirkungen eine Anwendung hat, hängt von zahlreichen Parametern und den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.

Nach dem Blick auf die Technologie rückten anschließend die konkreten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt. Dr. Christa Larsen, Direktorin des IWAK – Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt, untersucht die Frage, ob KI tatsächlich bereits in der Arbeitswelt angekommen sei und wie sich das Verhalten von Unternehmen und Beschäftigten dadurch verändere.
Larsen verwies auf eine auffällige Diskrepanz zwischen dem großen Potenzial von KI und ihrer tatsächlichen Implementierung. Während KI in der öffentlichen Debatte vielfach als Grund für die angespannte wirtschaftliche Lage genannt werde, habe sich die anfängliche Euphorie in vielen Unternehmen bereits gelegt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen hielten sich angesichts von Unsicherheiten häufig noch stark zurück.
Auch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind differenziert zu betrachten. Erste Freisetzungseffekte zeigten sich insbesondere in Bereichen wie Werbung, Marketing sowie Kunst und Kultur. Betroffen sind dabei vor allem akademisch qualifizierte Frauen. Die Auswirkungen auf die Arbeitslosenzahlen blieben bislang allerdings begrenzt, da diese oftmals in andere Branchen wechselten.
Eine besondere Herausforderung zeichnet sich bei Berufseinsteigern ab. Gerade Tätigkeiten, die bislang als typische Einstiegsaufgaben für Hochschulabsolventen galten, werden zunehmend von KI übernommen. Damit fällt jedoch die Routinetätigkeiten weg, an denen Berufseinsteiger bislang praktische Erfahrungen sammelten. Wer bereits über Berufserfahrung verfüge, kann die Ergebnisse von KI in der Regel besser fachlich beurteilen. Berufsanfängern fehlt diese Erfahrung häufig noch und sind daher für Arbeitgeber eher unattraktiv. Daraus ergäben sich aber auch Konsequenzen für Universitäten und Hochschulen. Praktika und Werkstudententätigkeiten werden künftig eine noch größere Rolle spielen, um jungen Menschen frühzeitig praktische Erfahrungen zu ermöglichen und ihnen dadurch den Berufseinstieg zu erleichtern. Zugleich müsse der Erwerb von KI-Kompetenzen stärker in den Blick der Bildung genommen werden.
Die anschließende Diskussion zeigte deutlich: Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr, ob KI die Arbeitswelt verändert. Vielmehr geht es darum, diesen Wandel aktiv zu gestalten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen von den neuen Möglichkeiten profitieren können.