Südhessen vor großen Aufgaben: Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung im Wandel
Einen spannenden Einblick in die Aufgaben und Herausforderungen der Region Südhessen bot der Sommerempfang der Sektion Bergstraße. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch mit Prof. Dr. Jan Hilligardt, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Darmstadt. Dabei wurde deutlich, wie eng wirtschaftliche Entwicklung, leistungsfähige Infrastruktur und eine moderne Verwaltung in Südhessen miteinander verbunden sind.
Hilligardt machte in seiner Rede zunächst die besondere Bedeutung Südhessens für den Wirtschaftsstandort Hessen deutlich. Rund zwei Drittel der gesamten hessischen Wirtschaftskraft kommt aus Südhessen. Das Regierungspräsidium Darmstadt gehört daher zu den fünf größten Regierungspräsidien Deutschlands. An insgesamt sechs Standorten bearbeiten die rund 1.600 Mitarbeiter die etwa 5.000 unterschiedlichen Aufgaben, für welche das Präsidium zuständig ist.
Dabei reicht das Aufgabenspektrum von der Kommunalaufsicht und der Genehmigung kommunaler Haushalte bis hin zum Kampfmittelräumdienst, welcher in Hessen rund 1.000 Einsätze pro Jahr bewältigt. Auch die größte Einbürgerungsbehörde Deutschlands sowie die für Südhessen zuständige Abschiebebehörde sind beim Regierungspräsidium angesiedelt.
Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet die wirtschaftliche Entwicklung der Region Südhessen. Bei der Fachkräftezuwanderung stellte Hilligardt eine gewisse Stagnation insbesondere bei den Schlüsselindustrien fest. Um Verfahren zu beschleunigen, wird daher die sogenannte Fastlane für Fachkräfteverfahren bis zum Jahresende hessenweit ausgerollt werden. Auch bei der Flächenentwicklung stehen wichtige Entscheidungen an, da der Regionalplan derzeit neu aufgestellt wird. Vorgesehen sind rund 1.800 weitere Hektar für gewerbliche Nutzung und etwa 3.600 Hektar für Siedlungsflächen.
Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich der Rechenzentren. Rund um Frankfurt ist ein deutlicher Zuwachs zu beobachten; etwa 140 Rechenzentren sind bereits in der Region entstanden. Auch an der Bergstraße wird mit entsprechenden Entwicklungen in diesem Bereich gerechnet. Damit verbunden sind allerdings zugleich neue Herausforderungen an die Energieversorgung und Infrastruktur.
Daher stellt die zukünftige Energieversorgung das Regierungspräsidium ebf. vor umfangreiche Aufgaben, denn Genehmigungen für erneuerbare Energien, Umspannwerke und Windparks gehören ebenso zum Tätigkeitsfeld wie Fragen der Rohstoffsicherung. Als zuständige Bergbaubehörde in Hessen beschäftigt sich das Regierungspräsidium auch mit der Erschließung und Nutzung neuer Rohstoffvorkommen.
Deutlich wurde in der Rede von Hilligardt auch, dass die Verwaltung selbst unter wachsendem Druck steht. Aufgrund der steigenden Beschwerden beim Arbeitsschutz, haben die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums keine Kapazitäten für weitere zusätzliche Aufgaben. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung die Behörde vor neue Herausforderungen. Insbesondere beim Einsatz von KI sind noch viele Fragen des Datenschutzes noch zu klären.
Darüber hinaus rückte das Thema Resilienz zunehmend in den Mittelpunkt der Diskussion. Der Schutz der Rhein-Main-Region vor Hochwasser, die Sicherstellung kritischer Infrastrukturen und die Vorbereitung auf Krisenlagen gewinnt an neuer Bedeutung. Gerade angesichts geopolitischer Unsicherheiten wird deutlich, dass die Widerstandsfähigkeit von Wirtschaft und öffentlicher Infrastruktur zu einem entscheidenden Standortfaktor geworden war.
Der Sommerempfang zeigte auf, vor welchen Aufgaben Südhessen steht: Die Region verfügt über eine starke wirtschaftliche Basis und eine hohe Innovationskraft, muss zugleich aber ihre Infrastruktur ausbauen, Fachkräfte gewinnen, Energieversorgung sichern und Verwaltungsprozesse modernisieren. Der Austausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung bot daher die Gelegenheit, konkrete Herausforderungen zu benennen und über notwendige Weichenstellungen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts zu diskutieren.