Bericht
25.06.2026
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Sicherheit braucht Kapital: Frankfurt diskutiert die Finanzierung europäischer Verteidigungsfähigkeit

Eine Podiumsdiskussion am Finanzplatz Frankfurt zeigte Chancen, Lücken und konkrete Handlungsfelder für Staat, Banken und Kapitalmärkte.
©Wirtschaftsrat Hessen

Vor dem Hintergrund einer zunehmend angespannten geopolitischen Lage und steigender Verteidigungsausgaben in Europa rückte bei der Veranstaltung des Netzwerkes Finanzplatz Frankfurt eine Frage in den Mittelpunkt, die weit über den sicherheitspolitischen Bereich hinausweist: Wie kann Sicherheit verlässlich, dauerhaft und zugleich finanzwirtschaftlich tragfähig finanziert werden? Dr. Carsten Lehr, Sprecher des Netzwerkes Finanzplatz Frankfurt, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der Finanzplatz eine zentrale Rolle einnehmen kann, wenn es darum geht, öffentliches und privates Kapital stärker für sicherheitsrelevante Investitionen zu mobilisieren.

Sandra Veseli, Managing Director and Head of EU bei Moody’s Deutschland, betonte in ihrem Grußwort die besondere Bedeutung Deutschlands in Europa. Deutschland nehme nicht nur sicherheitspolitisch eine Schlüsselrolle ein, sondern sei auch als industrieller Anker und wichtiger Markt für öffentliche wie private Finanzierungen von großer Relevanz. Gerade Frankfurt als einer der zentralen Kapitalmarktstandorte Europas dürfe in dieser Debatte nicht aus dem Blick geraten. Entscheidend sei, bestehende Finanzierungslücken zu identifizieren und Wege zu finden, privates Kapital gezielt für Verteidigung, Sicherheit und Resilienz zu aktivieren.

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Die anschließende Podiumsdiskussion brachte unterschiedliche Perspektiven aus Finanzwirtschaft, Politik, Kapitalmarkt und Industrie zusammen. Auf dem Podium diskutierten Robert Jaeger, Managing Director und Head of Corporate Lending Germany bei der Commerzbank AG, Dr. Johannes Loheide, Hessischer Staatssekretär für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, Jörg Müller, Head of Public Affairs DACH bei der Defence, Security & Resilience Bank, Sven Reinke, MD Corporate Finance CFG bei Moody’s Ratings, sowie Christian Fleischhauer, Managing Director der MBS GmbH. Moderiert wurde die Runde von Dr. Carsten Lehr. Gemeinsam beleuchteten die Podiumsteilnehmer, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit sicherheitsrelevante Investitionen künftig verlässlicher, schneller und breiter finanziert werden können.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Verteidigungsfinanzierung nur im Zusammenspiel von Staat, Industrie, Banken und Kapitalmärkten gelingen kann. Für Unternehmen der Verteidigungswirtschaft ist es von zentraler Bedeutung, ob belastbare Aufträge bestehen und wie verlässlich Beschaffungsprozesse ausgestaltet sind. Planungssicherheit wurde als wesentliche Voraussetzung beschrieben, um Finanzierungen zu ermöglichen und Risiken besser einschätzen zu können. Gerade in einem Markt mit wenigen öffentlichen Auftraggebern ist Diversifizierung für viele Unternehmen schwierig. Umso wichtiger sind klare politische Signale, verlässliche Auftragsstrukturen und langfristige Perspektiven.

Auch die Rolle der Defence, Security & Resilience Bank wurde als möglicher Baustein einer neuen multilateralen Finanzierungsarchitektur diskutiert, die nicht nur Beschaffung erleichtern, sondern vor allem Produktionskapazitäten, Lieferketten und industrielle Skalierung im Verteidigungsbereich stärken soll. Damit könnte sie nationale Förderbanken und bestehende europäische Instrumente ergänzen, privates Kapital mobilisieren und dazu beitragen, steigende Verteidigungsausgaben in konkrete industrielle Fähigkeiten zu übersetzen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle von Förderbanken, Finanzierungsinstrumenten und staatlichen Rahmenbedingungen. Hessen verfügt mit bestehenden Institutionen und Programmen bereits über wichtige Anknüpfungspunkte. Dazu gehören Förderstrukturen, Landesinstrumente und ein starkes Netzwerk am Finanzplatz Frankfurt. Zugleich wurde deutlich, dass sich andere Regionen bei industriellen Clustern im Bereich Verteidigung und Sicherheit bereits stark positioniert haben. Für Hessen ergibt sich daraus die Aufgabe, eigene Stärken gezielt auszubauen, Start-ups und mittelständische Unternehmen stärker einzubinden und neue Clusterstrukturen zu entwickeln.

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Besondere Chancen wurden für Nordhessen, den Standort Kassel, die Logistik sowie für Drohnenentwicklung und entsprechende Ausbildungsstrukturen gesehen. Auch die Rolle des Flughafens und die Bedeutung leistungsfähiger Versorgungs- und Infrastrukturketten wurden hervorgehoben. Sicherheit wurde dabei nicht allein militärisch verstanden, sondern als umfassende Resilienzaufgabe. Dazu gehören funktionsfähige Kommunen, geschützte Infrastrukturen, widerstandsfähige Unternehmen und eine belastbare Versorgung im Krisenfall. Mittelständische Unternehmen stehen zunehmend vor der Frage, wie resilient sie selbst aufgestellt sind und welche Investitionen dafür notwendig werden.

Die Diskussion machte zudem deutlich, dass sicherheitsrelevante Investitionen breiter gedacht werden müssen als reine Beschaffung militärischer Systeme. Zivile und soziale Infrastruktur, Logistik, Energieversorgung, digitale Sicherheit und neue Formen geschützter Immobilien gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen haben einen erhöhten Schutzbedarf, wodurch neue Märkte und Investitionsfelder entstehen. Verteidigungsfähigkeit ist damit nicht nur eine Frage staatlicher Ausgaben, sondern auch eine industrie-, standort- und finanzpolitische Aufgabe.

Auch die europäische Dimension spielte eine wichtige Rolle. Angesichts technologischer Abhängigkeiten wurde betont, dass Europa seine Zusammenarbeit im Bereich Verteidigung, Sicherheit und Resilienz deutlich ausbauen müsse. Deutschland allein verfügt nicht über alle notwendigen industriellen Kapazitäten. Kooperationen innerhalb Europas, gemeinsame Standards und belastbare Lieferketten sind daher entscheidend, um langfristig handlungsfähig zu bleiben. Programme wie ReArm Europe können wichtige Impulse setzen, müssen aber durch funktionierende Märkte, klare regulatorische Rahmenbedingungen und konkrete Investitionsperspektiven ergänzt werden.

Ein wiederkehrender Punkt war die Frage, wie privates und institutionelles Kapital stärker mobilisiert werden kann. Kapitalmärkte, Ratings und tragfähige Finanzierungsstrukturen spielen dabei eine zentrale Rolle. Investoren benötigen Transparenz, Verlässlichkeit und klare regulatorische Leitplanken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gesellschaftliche Akzeptanz ein wichtiger Faktor bleibt. Wenn Verteidigungsausgaben stärker in Deutschland und Europa wirksam werden, können daraus Arbeitsplätze, Wachstum und industrielle Wertschöpfung entstehen. Dies könnte dazu beitragen, sicherheitsrelevante Investitionen nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Beitrag zu wirtschaftlicher Stärke und technologischer Souveränität zu begreifen.

In der offenen Diskussion mit den Teilnehmern wurden diese Themen weiter vertieft. Zur Sprache kamen unter anderem dezentrale Beschaffungsprozesse, die Erfahrungen aus der Ukraine, neue Anforderungen an Unternehmen sowie die Frage, ob Ankeraufträge wirkungsvoller sein können als klassische Subventionen. Klar wurde: Geld allein reicht nicht aus. Entscheidend sind funktionierende Strukturen, eine schnellere Beschaffung, konkrete Aufträge und ein besseres Verständnis dafür, wie Verteidigung in der Praxis organisiert wird.

Wir bedanken uns herzlich bei Sandra Veseli und der Moody’s Deutschland GmbH für die Gastfreundschaft und den gelungenen Rahmen der Veranstaltung. Unser Dank gilt ebenso den Podiumsteilnehmern für ihre interessanten Impulse sowie allen Teilnehmern für den spannenden Austausch und die Diskussion.