Bericht
19.08.2026
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Stromversorgung im Rhein-Main-Gebiet: Zwischen wachsendem Bedarf und drohender Versorgungslücke

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Wie kann das Rhein-Main-Gebiet seinen steigenden Strombedarf künftig decken und gleichzeitig Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gewährleisten? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Sektion Offenbach des Wirtschaftsrates Hessen zum Thema „Diskrepanz zwischen zukünftigem Energieangebot und -bedarf“. Sektionssprecher Thomas Günther machte in seiner Einführung deutlich, dass die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr, Wärme, Industrie und Digitalisierung die Stromversorgung zu einer zentralen Standortfrage mache.

Gerade für das Rhein-Main-Gebiet sei diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Als wichtiger Standort für digitale Infrastruktur und Rechenzentren werde der Strombedarf der Region voraussichtlich weiter steigen. Gleichzeitig verliefen der Ausbau von Erzeugungskapazitäten, Netzen und Speichern vielfach langsamer als erforderlich. Die zentrale Frage ist daher, ob das Stromangebot künftig mit dem steigenden Bedarf Schritt halten könne.

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Diese Frage diskutierten René Rock MdL, energiepolitischer Sprecher der Hessischen FDP-Landtagsfraktion, Christian Stewens, Bereichsleiter Energiebeschaffung der ENTEGA AG, sowie Carola und Marcus Unterleider, Geschäftsführung der Unterleider Medien GmbH.

Die Panelisten zeichneten ein angespanntes Bild der aktuellen und künftigen Stromversorgung. Bereits heute könnten nicht mehr alle Anforderungen der Industrie und der privaten Haushalte erfüllt werden. Zusätzliche Ladeinfrastruktur und weitere Elektrifizierungsprozesse erhöhten den Druck auf die Netze. Mit der Abschaltung des Kraftwerks Biblis sei zudem die Abhängigkeit des Rhein-Main-Gebiets von Stromtransporten aus anderen Bundesländern gestiegen.

Kritisch wurde insbesondere die Entwicklung der Strompreise bewertet. Die deutlich niedrigeren Stromkosten in anderen Staaten, wie z. B. der USA, verschärften den internationalen Wettbewerbsdruck und erschwerten Investitionen in Deutschland. Um einer weiteren Deindustrialisierung entgegenzuwirken, müsse Strom wieder wettbewerbsfähig und bezahlbar werden. Auch zusätzliche Belastungen wie die CO₂-Bepreisung wurden als Wettbewerbsnachteil diskutiert.

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Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Ausbau neuer Erzeugungskapazitäten allein nicht ausreichen werde. Neben neuen Gaskraftwerken müsse insbesondere die Netzinfrastruktur im Rhein-Main-Gebiet ausgebaut werden. Lange Planungs-, Genehmigungs- und Lieferzeiten erschwerten jedoch eine schnelle Umsetzung. Bei wichtigen Komponenten wie Transformatoren könnten Lieferzeiten von bis zu sieben Jahren entstehen.

Auch die Versorgungssicherheit stand im Mittelpunkt. Die Risiken nähmen zu, während die Steuerung der Netzstabilität durch den Umbau des Energiesystems komplexer werde. Krisenszenarien der Bundesnetzagentur zeigten, dass mögliche Versorgungsengpässe inzwischen systematisch betrachtet und kalkuliert würden.

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In der Diskussion mit dem Publikum entwickelte sich ein intensiver Austausch über den künftigen Energiemix. Zahlreiche Wortmeldungen machten deutlich, wie emotional das Thema inzwischen diskutiert wurde. Neben der Frage nach den notwendigen Erzeugungskapazitäten standen insbesondere wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, wie Investitionen in die Infrastruktur beschleunigt und Anreize für Netzbetreiber verbessert werden könnten.