Bericht
21.04.2026
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Unternehmensnachfolge im Fokus: Politik und Praxis diskutierten Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Unternehmensnachfolge zählt zu den zentralen Herausforderungen für den Mittelstand und die regionale Wirtschaft.
©Wirtschaftsrat Hessen

Die Unternehmensnachfolge zählt zu den zentralen Herausforderungen für den Mittelstand und die regionale Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund kamen Vertreter aus Politik und Praxis zu einem Kamingespräch in Groß-Gerau zusammen, um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen politische Rahmenbedingungen, praktische Erfahrungen aus Nachfolgeprozessen sowie die Frage, wie mehr Menschen für die Übernahme von Unternehmen gewonnen werden können.

Dr. Stefan Söhngen, Geschäftsführer der RELATIONING GmbH, führte in das Thema ein und betonte, dass sich der Wirtschaftsrat Hessen bereits seit rund zehn Jahren intensiv mit der Unternehmensnachfolge beschäftige. Angesichts von mehreren hunderttausend Unternehmen in Deutschland, die in den kommenden Jahren keine geregelte Nachfolge finden würden – insbesondere im Handwerk –, handle es sich um eine der zentralen wirtschaftlichen Herausforderungen für Hessen und Deutschland. Fehlende Nachfolgeregelungen gefährdeten nicht nur Unternehmen, sondern auch Arbeitsplätze, Familienbetriebe und regionale Wertschöpfung.

Im anschließenden Gespräch schilderte Christoph Mikuschek MdL, Sprecher für Entbürokratisierung der CDU-Landtagsfraktion Hessen und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, seine persönliche Perspektive auf das Thema. Mikuschek berichtete, dass er selbst aus dem Mittelstand komme und 2016 die Nachfolge im Unternehmen seines Schwiegervaters übernommen habe. Unternehmensnachfolge müsse aus seiner Sicht frühzeitig vorbereitet werden – ebenso wie das Verständnis für Unternehmertum insgesamt. Wirtschaft und Unternehmertum müssten bereits in der Schule positiv vermittelt werden. Besonders wichtig sei es, auch Mädchen frühzeitig an unternehmerische Verantwortung heranzuführen.

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Zugleich kritisierte Mikuschek die häufig negative gesellschaftliche Wahrnehmung von Unternehmern. Unternehmen schafften Arbeitsplätze, zahlten Steuern und engagierten sich regional. Aufgabe der Politik sei es deshalb nicht, unternehmerisch zu handeln, sondern geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehörten steuerliche Erleichterungen, Gründerdarlehen für Nachfolgen sowie der Ausbau von Mentoring- und Lotsenprogrammen. Gleichzeitig sprach sich Mikuschek für weniger Bürokratie, breitere Handlungsspielräume und eine Unternehmenssteuerreform aus. Auch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung böten Chancen, insbesondere bei der Automatisierung wiederkehrender Prozesse und in der öffentlichen Verwaltung.

Fabian Schmidt, Partner der Nachfolgekontor GmbH, brachte die Perspektive der Praxis in die Diskussion ein. Schmidt erklärte, dass er seit 2004 bundesweit mehr als 250 Marktkäufe begleitet habe. Erfolgreiche Unternehmensnachfolgen seien langfristige Prozesse, die idealerweise mindestens fünf Jahre im Voraus vorbereitet werden müssten. Entscheidend sei vor allem eine gute Unternehmensstruktur, da viele Betriebe noch zu stark auf den Inhaber zugeschnitten seien. Gleichzeitig verwies Schmidt auf zusätzliche Herausforderungen durch geopolitische Entwicklungen und wirtschaftliche Unsicherheiten.

Im Verlauf des Gespräches wurde deutlich, dass neben wirtschaftlichen und strategischen Fragen auch emotionale Faktoren eine wichtige Rolle spielten. Unrealistische Preisvorstellungen, familiäre Bindungen und fehlende Vorbereitung erschwerten häufig erfolgreiche Übergaben. Aus dem Publikum wurden zudem Probleme bei der Finanzierung, mangelnde Transparenz am Markt sowie der schwierige Zugang zu passenden Unternehmen für externe Nachfolger angesprochen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle von Frauen in der Unternehmensnachfolge. Schmidt stellte fest, dass Frauen bislang noch deutlich unterrepräsentiert seien, gleichzeitig aber häufig besonders hohe Qualität in der Unternehmensführung zeigten.

Zum Abschluss waren sich die Teilnehmer einig, dass funktionierende Unternehmensnachfolgen entscheidend für die Stabilität des Mittelstands seien. Erfolgreiche Übergaben erforderten frühzeitige Planung, klare Strukturen, realistische Erwartungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.