Bericht
08.09.2026
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„Rettung, Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen in Schwierigkeiten: Praktische Hinweise eines Insolvenzverwalters“

Praxisnaher Einblick in die Möglichkeiten der Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen in Schwierigkeiten
©Wirtschaftsrat

Unternehmen stehen immer wieder vor wirtschaftlichen Herausforderungen – entscheidend ist, frühzeitig die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Mit dieser Leitidee aus der Einladung lud der Landesverband Sachsen des Wirtschaftsrates der CDU e.V. zu einer Online-Veranstaltung via Teams ein. Der Referent, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Christian Krönert, seit April 2025 Partner der Kanzlei Schultze & Braun in Leipzig und seit 2015 als Insolvenzverwalter bestellt, gab den Teilnehmern einen praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten der Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen in Schwierigkeiten.

Ausgehend von seiner langjährigen Tätigkeit als Insolvenzverwalter zeigte er auf, welche Handlungsspielräume Unternehmen in schwierigen Situationen nutzen können und welche Maßnahmen den Weg zu einer nachhaltigen Stabilisierung ebnen. Der Vortrag verband rechtliche Grundlagen mit anschaulichen Praxisbeispielen aus dem Insolvenzalltag und läuterte die Instrumente des modernen Krisenrechts anhand konkreter Fallkonstellationen.

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Steigende Insolvenzzahlen und ihre Ursachen

Die Zahlen, mit denen der Referent den Vortrag eröffnete, geben Anlass zur Sorge: Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland sind seit 2022 um rund 60 Prozent gestiegen – aktuell geht etwa alle 20 Minuten ein Unternehmen in Insolvenz. Der Aufwärtstrend hält an; von einer bloßen „Normalisierung“ nach den niedrigen Pandemiejahren kann angesichts der Dynamik keine Rede mehr sein. Der branchenübergreifende Anstieg trifft das Verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe, den Handel und die Dienstleistungen gleichermaßen, wobei das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anstieg im zweistelligen Prozentbereich besonders stark belastet ist.

Als Ursachen benannte Christian Krönert insbesondere für das Verarbeitende Gewerbe: die hohe Belastung durch die Energiewende und gestiegene Energiepreise, die Umbrüche durch die Mobilitätswende, den strukturellen Wandel einschließlich der Transformation durch Künstliche Intelligenz sowie die stark gestiegenen Personalkosten infolge der extremen Lohnforderungen seitens der Gewerkschaften. Umsatzeinbrüche treiben die Schieflagen zusätzlich voran. Der Referent arbeitete heraus, dass diese Faktoren häufig zusammenwirken und Unternehmen, die mehrere Belastungen gleichzeitig treffen, besonders schnell in die Krise geraten.

Mentalitätswandel: Scheitern als Teil des Unternehmertums


Einen Schwerpunkt des Vortrags bildete die Frage der Mentalität im Umgang mit unternehmerischem Scheitern. In den USA gehört Scheitern zum Unternehmertum dazu: Wer gescheitert ist, hat Erfahrungen gesammelt und gilt als gestandener Unternehmer. In Deutschland hingegen gilt man schnell als Versager, wenn dem eigenen Unternehmen die Insolvenz droht – mit der Folge, dass Krisen zu lange verleugnet und wertvolle Handlungsspielräume vertan werden.

Der Referent brachte diese Mentalitätsunterschiede mit einem Slogan auf den Punkt, der die positive Haltung zum Scheitern als Lernprozess widerspiegelt: "Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better." 

Der Appell an die Teilnehmer: Scheitern nicht zu tabuisieren, sondern als Bestandteil unternehmerischen Handelns zu begreifen – und im Ernstfall schnell, konsequent und kommunikationsstark zu handeln. Wer in Szenarien denkt – wie ein Schachspieler – und Entscheidungen auch auf unsicherer Zahlengrundlage couragiert trifft, hat die besseren Chancen, ein Unternehmen durch die Krise zu führen.

Schlüsselfaktoren der Sanierung: Ehrlichkeit, Früherkennung, Kommunikation


Mit Nachdruck stellte Christian Krönert heraus, dass Ehrlichkeit die Mutter der Krisenkommunikation ist. Das Insolvenzverfahren sei, so der Referent, im Kern ein Kommunikationsverfahren. Schlüsselfaktoren einer erfolgreichen Sanierung sind nach seiner Erfahrung insbesondere die Ehrlichkeit gegenüber allen Beteiligten, das frühzeitige Erkennen der unternehmerischen Schieflage sowie die schnelle, ehrliche, eindeutige und gleichermaßen empathische Kommunikation mit den Gesellschaftern und Mitarbeitern.

Als Leitlinie führte er die „5 E“ der Krisenkommunikation an:

•         Ehrlich

•         Eineindeutig

•         Einheitlich

•         Ereignisnah

•         Empathisch

Wer früh und offen kommuniziert, bewahrt Vertrauen bei Banken, Lieferanten, Kunden und Belegschaft – und damit die Grundlage jeder Sanierung.

Die drei Insolvenzgründe


Klarstellend ordnete der Referent die insolvenzrechtlichen Begrifflichkeiten ein. Insolvenzgründe sind:

  • die drohende Zahlungsunfähigkeit – das Unternehmen wird voraussichtlich nicht in der Lage sein, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen;
  • die Zahlungsunfähigkeit – die fälligen Verbindlichkeiten sind größer als die zur Verfügung stehenden liquiden Mittel;
  • die insolvenzrechtliche Überschuldung – das Vermögen des Unternehmens deckt die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr; bei der Bewertung ist auf die Fortführungsperspektive abzustellen.

Während bei der drohenden Zahlungsunfähigkeit noch ein Antragsrecht besteht, löst die (drohende) Zahlungsunfähigkeit bzw. Überschuldung bei haftungsbeschränkten Unternehmensträgern die Antragspflicht aus. Je früher die Krise erkannt wird, desto größer sind die verbleibenden Handlungsspielräume.

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Moderne Sanierungsinstrumente: StaRUG, Eigenverwaltung, Insolvenzplan


Deutschland verfügt über einen der modernsten Sanierungsrechtsrahmen der Welt. Das seit 2021 geltende Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) verpflichtet alle haftungsbeschränkten Unternehmensträger zur Krisenfrüherkennung und zum Krisenmanagement (§ 1 StaRUG) – flankiert durch die Hinweispflicht der Steuerberater bei Erstellung des Jahresabschlusses (§ 102 StaRUG). Die Logik ist einfach und überzeugend: Frühes Erkennen der Krise, zeitnahe Gegenmaßnahmen, geringerer Schaden – und höhere Erfolgschancen für Restrukturierung und Sanierung.

Das StaRUG eröffnet mit der außergerichtlichen Sanierungsmoderation und dem Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen frühe, eigenbestimmte Lösungen: Gerichtliche Planabstimmung und Planbestätigung, Vollzugs- und Verwertungssperre, Planüberwachung und Moderation ermöglichen eine Sanierung, bevor die Antragspflicht greift – im Gegensatz zum klassischen BGB-Vergleich, der die Zustimmung sämtlicher Gläubiger erfordert.

Als besonders gute Sanierungsoptionen hob der Referent die Eigenverwaltung mit Sachwalter hervor. Das Unternehmen bleibt dabei eigenbestimmt in der Hand der Geschäftsleitung; der bestellte Sachwalter überwacht und unterstützt, ersetzt die Führung aber nicht. Vorbereitung, Einleitung und Durchführung erfordern sorgfältige Due Diligence, eine Statusanalyse zur Liquidität und Überschuldung, die Bewertung von Sicherheiten und Anfechtungsrisiken sowie die frühzeitige, klare Kommunikation mit Gläubigern, Lieferanten, Kunden und Gericht. Die Möglichkeiten des Insolvenzverfahrens – Insolvenzgeld, Erleichterungen im Miet- und Arbeitsrecht – können dabei gezielt zur Stabilisierung genutzt werden.

In vielen Fällen ist ein Insolvenzplan ratsam: Er erlaubt es, die Sanierung des Unternehmens mit den Gläubigern gerichtlich bestätigt abzustimmen und durch Gestaltung von Gruppen und Abstimmungsregeln auch gegenüber Minderheiten durchzusetzen – ein Weg, der häufig mehr Substanz erhält als eine übertragende Sanierung oder Liquidation.

Frühwarnindikatoren: Wachsamkeit ist gefragt


Erste praktische Anzeichen einer drohenden Zahlungsunfähigkeit sind nach den Erfahrungen des Referenten:

•         eine negative Gewinn- und Verlustrechnung,

•         ein wachsender Aufwuchs an Mahnungen,

•         Mitarbeiter, die kündigen, sowie

•         Streit unter den Gesellschaftern.

In diesen Fällen ist besondere Wachsamkeit gefragt. Wer diese Signale ernst nimmt, früh professionelle Unterstützung einbindet und ehrlich mit Gesellschaftern, Mitarbeitern und Gläubigern kommuniziert, kann aus einer Schieflage häufig noch eine tragfähige Zukunftsperspektive entwickeln.

Fazit und Dank


Die Veranstaltung hat eindrücklich gezeigt: Die Zeiten werden rauer – aber Deutschland bietet mit dem StaRUG, der Eigenverwaltung und dem Insolvenzplan ein modernes und weltweit beachtetes Instrumentarium, um Unternehmen in der Krise zu retten. Entscheidend ist der rechtzeitige Blick auf die eigenen Zahlen, der Mut zur Ehrlichkeit und ein Umdenken in der Gesellschaft: weg vom Stigma des Scheiterns, hin zum Verständnis für Unternehmertum, das Risiken eingeht, aus Fehlern lernt und es erneut versucht.

Der Landesverband Sachsen des Wirtschaftsrates der CDU e.V. dankt Referent Christian Krönert ausdrücklich für seinen hervorragenden Vortrag. In bildhafter und praktischer Art und Weise ist er auf alle Fragen der Teilnehmer eingegangen und hat den Vortrag – nicht zuletzt mit anschaulichen Bildern wie dem Märchen von der Steinsuppe – sehr lebhaft gestaltet. Die Veranstaltung hat wertvolle Praxistipps und konkrete Impulse geliefert, wie sich Chancen erkennen und Zukunftsperspektiven erfolgreich gestalten lassen.